AW:
homann5 am 12.09.2008 12:30 schrieb:
Serdoa am 12.09.2008 11:15 schrieb:
Du machst es dir sehr einfach oder? Ich denke du weißt sehr wohl das gewaltverherrlichende Spiele bereits jetzt verboten sind. Wenn diese in Kinderhände kommen ist es schuld derjenigen die dafür Sorge zu tragen haben das dies nicht passiert. Und das sind in erster Linie die Eltern. Deine Argumentation das diese sich nicht drum kümmern würden mag zwar richtig sein, dein Schluß daraus das man deshalb "alle Killerspiele" (was ist das nochmal genau?) verbieten muß aber falsch. Wenn die Kinder jetzt bereits rankommen, werden sie das danach genauso.
Ab davon vergißt du einen ganz wichtigen Punkt: Diese Kinder sind (du sagst es ja selber) nicht betreut. Ihre Eltern ignorieren diese Pflicht einfach bzw. versuchen sie an die Lehrer und Politiker abzuschieben. Nur weil wir einige Computerspiele verbieten, wäre das Problem nicht behoben. Wir würden ein Symptom bekämpfen, die Ursache aber unbehelligt lassen. Frag dich selber ob das Sinn macht.
Deine Gegenargumente sind sehr dünn. Die Begründung "Wenn die Kinder jetzt bereits rankommen, werden sie das danach genauso." ist blanker Hohn, da könntest Du genauso sagen, Schußwaffen für alle, Schwerkriminelle kommen doch an welche ran. Oder mein schon gebrachtes Beispiel mit Hasch und Kokain.
Ich stimme Dir zu, ein solches Verbot würde lediglich die Symptome bekämpfen, aber die von der PC Games initierte Aktion richtet sich ja auch nicht an die Politik mit der Bitte, für mehr Fürsorge der Eltern zu sorgen. Ich kritisiere lediglich die Aktion der PC Games und versuche die Argumente der Befürworter eines solchen Verbotes darzulegen.
Solange man die Ursache nicht bekömpfen kann, muss man an die Symptome ran, das ist bei jeder Krankheit so.
Ich könnte dir fast zustimmen, wenn denn der eigentliche Knackpunkt nicht wäre, dass diese unbetreuten Kindern sich andere "Quellen" erschließen würden. Es ist ja nun nicht so, dass sie, weil sie solche Spiele nicht mehr bekommen, plötzlich "lammfromm" werden. Es ist anzunehmen, dass die fehlende Betreuung sich weiter auswirkt. Das wäre also quasi so, wie wenn jemand Fieber hat und man ihm nicht gegen das Fieber behandelt sondern einen Ventilator aufstellt. Klar, es wird nicht mehr so heiß sein - aber krank ist er noch immer und das maximal erreichte ist, dass andere im selben Raum durch den Ventilatorluftzug einen Schnupfen kriegen. Dasselbe würde nun bei unbetreuten Kindern passieren. Anstatt das sie ein "Killerspiel" vor ihrem Computer spielen, gehen sie vielleicht raus auf die Straße zum saufen oder kaufen sich Drogen.
Bei der Symptombekämpfung muss immer abgewogen werden ob das Wider das Für überwiegt, da es normalerweise immer Nebenwirkungen gibt. Ein Beispiel ist dafür auch ein ehemaliger Klassenkamerad der eine seltene Krankheit hatte, wodurch seine Adern entzündet waren. Jeder Blutfluß hat ihm höllische Schmerzen verursacht. Die einzige Lösung, das man die Ursache nicht bekämpfen konnte, war, dass man das Symptom (die Schmerzen) mit Morphium bekämpft hat - das führte schlußendlich zu Glasknochen.
Dasselbe sehen wir nun hier bei Computerspielen. Das Computerspielverbot - noch rigoroser ausgelegt als es heute der Fall ist - würde höchstwahrscheinlich das Symptom von "Killerspiel" spielenden Kindern bekämpfen. Die Ursache davon - unbetreute Kinder - und dessen Wirkung - Verrohung, Gewalt im Klassenzimmer etc. - wäre davon unberührt. Wir würden als Freiheit tauschen für ... nichts.
Genau deshalb halte ich von einem solchen Verbot nichts. Dieses Verbot bringt nichts solange man nicht auch die mangelnde Betreuung angreift und hier bessere Betreuung ermöglicht. Allerdings - wenn es bessere Betreuung gäbe, wäre das Verbot hinfällig.
Übrigens, um mal Herrn Becksteins Aufsage aufzugreifen: Die Prohibition hat nichts gebracht da man versucht hat das Symptom (Trinken von Alkohol) zu bekämpfen. Erst als man an die Ursache ranging (Aufklärung über Gefahren) konnte man Erfolge erzielen.
Genau das ist der Grund wieso ich auch bei Computerspielen nichts von Verboten halte. Solange man nicht die Ursache bekämpft ist jedes Verbot nur der Versuch ein Symptom zu heilen, wohlwissend das sich die Krankheit selbst woanders einen Weg bahnen wird um auszubrechen.