Hier mal meine Eindrücke:
Technik und Grafik: Hier hat mich die Demo überrascht. Wirkten in den letzten 2 - 3 Jahre alle Spiele, mit denen Jowood etwas zu tun hatte, sehr sehr unfertig und so, als hätte man es den Entwicklern mittendrin aus den Händen gerissen, so haben sie es diesmal besser gemacht. Mir sind keine gröberen Bugs aufgefallen, scheint technisch wirklich sehr solide zu sein. Hatte auch keine Abstürze oder dergleichen.
Grafisch wirkt das Ganze auch recht stimmig. Also da haben sie ihre Arbeit ordentlich gemacht.
Spielheld und Spielermodelle: Herrje, was haben sich die Herrschaften dabei denn gedacht? Oder sagt das etwas darüber aus, welches die Zielgruppe dieses Spiel sein sollte? Vielleicht wollte man auch den ersten Emo im Mittelalter erfinden, keine Ahnung. Jedenfalls sieht der Spielcharakter nicht so aus, als wenn er in so einer Welt überleben könnte. Wahrscheinlich würde er die ganze Zeit in der Ecke sitzen und heulen.
Anders dagegen ist z.B. Diego getroffen. Das Spielermodell von ihm schaut echt in Ordnung aus und er hat auch wieder seine Originalstimme. Fein!
Wie es letztendlich wirklich ist, muss man die Vollversion abwarten. Ob es z.B. genügend Abwechslung diesbezüglich gibt, oder ob nur Klonkameraden die Welt bevölkern.
Steuerung, Kampfsystem, KI, Anspruch:
Im Vorfeld wurde ja schon früh angekündigt, dass das Spiel für den amerikanischen Markt angepasst werden soll. Und das zieht sich wohl durchs ganze Spiel. Alles was auch nur etwas zum Denken anregen könnte, wurde wohl gnadenlos gestrichen. Alles extrem entschlackt und auf "casual" getrimmt.
Das fängt schon beim Kampfsystem: Obwohl, welches System? Man haut die ganze Zeit nur wie wild auf eine Taste und schaut zu, wie die Gegner irgendwann vor Langeweile umkippen. Ja, dem Massenmarkt angepasst. Doch was ist der Massenmarkt für Jowood? Anscheinend irgendwelche dicken Amerikaner, die nebenher einen Burger in der Hand halten und mit der anderen nur eine Taste drücken können. Da kann man während des Kampfes ein Kleinkind dransetzen und dann wieder kommen, wenn der Kampf fertig ist. Ein Spiel für die ganze Familie.
Aus dem Altersheim scheinen die Gegner rekrutiert worden zu sein. Wie unter Demenz leidend reagieren sie entweder gar nicht, oder so langsam, dass der Spieler in der Zwischenzeit sich ein Bier aus dem Kühlschrank holen kann und wenn er wieder zurück ist, immer noch ausweichen kann.
Vor allem wenn der Gegner zaubert und gefühlt 30 Sekunden ausholt, bis der Zauber mal in Richtung des Charakters kommt. Da kann man vorher schon mal Würfeln, auf welche Seite man sich wirft.
Irrwitzig auch: Sobald der Gegner einen Zauber wirkt, kann man sich einfach hinter ihn stellen und er dreht sich nicht mit, sondern zaubert da hin, wo man vorher stand. Grandios!
Bleiben wir beim Thema Anspruch: Da redet der Diego doch, dass man zur alten Hexe soll, durch einen bösen, bösen Wald. Und was war? Es kamen dort 3 Wölfe, die in 5 Sekunden auf dem Boden lagen. Wenn das ein gefährlicher Wald war, dann hatten sie wirklich ein sorgenfreies Leben. Hä?
Oder die Höhlen, ja die Höhlen....Da rennt man die ganze Zeit grade aus und ist irgendwann am Ende angelangt. Verlaufen? Geht nicht. Abzweigungen und Sackgassen? Nööö auch nicht. Fallen? Nein, nicht mal das.
Die einzige Gefahr dabei besteht wohl, dass der Spieler währenddessen einnickt und sich den Kopf auf dem Schreibtisch aufschlägt. Spannung pur!
Spielwelt und Erkundungen:
Im Gegensatz zu den Vorgängern wirkt die Spielwelt nicht nur kleiner, sondern alles auch sehr linear. Man wird gezielt überall hingeschickt und erkunden braucht man nichts und es gibt auch nichts zu erkunden.
Dialoge:
Waren die Dialoge in den alten Teilen noch beinhart, dann sind sie hier.....ähmm hier, einfach nur blöd.
Neben dem Anspruch, scheinen auch die Dialoge direkt aus dem Kindergarten entsprungen zu sein:
Sinngemäß: "Der hat gesagt du bist schwanger!" "Magst du keine Kinder?" "Doch" "Na dann, was willst du noch?"
Der alte Held hätte wahrscheinlich gesagt: "Halt die Fresse, Schrulle, geh kochen!" Doch hier bekommt man Dialoge die eher an Gute Zeiten, Schlechte Zeiten erinnern, als an ein Spiel, dass in einer beinharten Mittelalterwelt spielt.
Fazit: Ohje....Sie haben tatsächlich Wort gehalten. Die Gothic Reihe ist endgültig beim Massenmarkt angekommen und die nicht stoppende Seuche Namens "Verdummung" hat auch hier inne gehalten.
Gothic war immer hart, dreckig, unfair...und hier erhält man einen Charakter, bei dem man das Gefühl hat, der würde sich gleich ein Röckchen anziehen und zu Heino einen Tango tanzen. Die Dialoge sind auch so weichgespült, dass sie direkt aus Verbotene Liebe stammen könnten, was wahrscheinlich die angezielte Zielgruppe der Spieler ist.
Jaja, liebes Jowood...Anspruch hat nichts damit zu tun, wenn sich ein NPC an einen wendet, sondern mit Herausforderungen und Spieltiefe. Doch die kann man suchen, wie eine Nadel im Heuhaufen und findet sie einfach nicht. Das Spiel wirkt wie eine Vorspeise, doch wo bleibt das Hauptgericht...? Wo bleibt die Spannung? Stattdessen questet man langweilig durch die Gegend und kloppt Gegner tot, die vor lachen umfallen und reagieren wie Harald Juhnke zu seinen besten Trinkzeiten.
Dann kann man es nur verstehen, wenn der alte Spieleheld verrückt wird und sich dem Bösen zuwendet......bei dem Spiel?
Meine Demowertung: 64%