AW: Hui, hier geht's ja zur Sache!
Zubunapy am 21.07.2008 17:05 schrieb:
Ah, ein Text zum Zerpflücken. Wie nett
Gern geschehen
Das Grundprinzip ist eben nicht das gleiche. Während man bei Commandos seinen Kumpanen tötete, nutzt man in FC2 die Quahlen und das daraus resultierende Mitgefühl des Gegners aus. Das ist moralisch betrachtet ein himmelweiter Unterschied.
Deshalb sagte ich ja das
taktische Grundprinzip. Es wirkt im vorliegenden Falle natürlich ganz anders, die Taktik ist aber ähnlich. Und die Motivation, wenn jemand eine Leiche sieht, ist nicht viel anders als wenn er einen Verletzten erspäht, denn in der Regel sieht man ja erst, dass die am Boden liegende Person tot ist, wenn man näher dran ist. Zuerst überprüft man also nur, was dem am Boden liegenden Kameraden fehlt. Im Grunde spielt man bei so etwas auch mit Mitleid, es tritt nur nicht so sehr in den Vordergrund.
Was den Unterschied ausmacht ist also nicht die Motivation des angelockten Helfers sondern der Schmerz des Köders. Aus taktischen Gesichtspunkten ist so eine Methode leider effizienter, da eine Leiche nicht um Hilfe schreien kann und man somit keine Garantie auf Ablenkung hat. Gemein, aber durchaus realistisch.
Übrigens sollte man auch nicht vergessen, dass die Möglichkeit, Gegner zu verwunden auch genutzt werden kann, um Gegner auszuschalten ohne sie zu töten. Man muss das Verletzungsfeature nicht auf diese fiese Weise ausnutzen, wenn man nicht möchte.
Hat jemand nach Genf gerufen??
Nein, das war natürlich sinnbildlich gemeint. Hätte nen Smiley setzen sollen, aber der Post ließ sich irgendwie nicht mehr editieren. Ich meinte damit einfach nur, das ähnlich fiese Vorgehensweisen in MP-Shootern Alltag sind und sich dort niemand diese Fragen stellt.
Hast du dich bei einem SP-Shooter jemals einfach an den Strand gestellt und die Wellen beobachtet?
Ja, hab ich.
Ich schaue auch einfach den Animationen von Tieren und Gegnern zu und erfreue mich an witzigen Dialogen.
Vor allem letzteres macht für mich einen nicht unwesentlichen Reiz von Games aus. Finde es immer toll, wenn Entwickler an so etwas gedacht haben. In Far Cry gab es sehr amüsante Dialoge zwischen den Söldnern und auch die Max Payne-Spiele können das gut: z.B. ist diese Diskussion zwischen den Gangstern, welcher Draht denn nun der Richige sei, super in Szene gesetzt und wer da einfach reinstürmt, anstatt ihnen zu Ende zuzuhören, verpasst etwas und verschwendet auch noch Munition.
Bei MP-Shootern ist das nicht drin. Da könnten Granaten Gegner zerfetzen, Flammenwerfer waschechte Verbrennungsanimationen hervorrufen und Verwundete sich windend am Boden wälzen; ich würde davon gar nichts mitbekommen, weil ich zu sehr damit beschäftigt wäre, mich der Gegnerhorden zu erwähren.
Und das macht das Vorhandensein dieser Darstellungen also weniger verwerflich? Weil man keine Zeit hat, drüber nachzudenken? Klingt etwas seltsam, meinst du nicht?
EA sagte seinerzeit zum fehlenden Blut in Medal of Honor: Allied Assault: "Im Krieg gab es auch kein Blut. Und falls doch, hat es keiner gesehen. Also kann man auf dieses Detail getrost verzichten" Und so sehe ich das auch.
Stimmt schon und in den meisten Games dieser Art ist die Darstellung auch mehr oder weniger zurückhaltend. Die typischen Blutwölkchen dienen ja eigentlich mehr dem Trefferfeedback als dem Realismus. Aber von Blut reden wir jetzt ja auch eigentlich gar nicht, oder?
Sicherlich ist es realistisch, wenn sich ein Gegner am Boden wälzt und vor Schmerzen schreit, um Hilfe bettelt oder nach Mami ruft. Aber würde man im Krieg dieses überhaubt wahrnehmen? Oder wäre man zu sehr damit beschäftigt, seinen eigenen Arsch zu retten?
Zumindest ein Sani sollte auf sowas achten, das ist immerhin sein Job.
Du bringst es auf den Punkt: Nur wenige Spieler haben diese Fähigkeit der Selbstreflexion.
Und nur weil die breite Masse zu blöd ist, solche Ansätze so zu deuten, wie sie gedacht sind, sollen die Entwickler es sein lassen? Wie soll sich das Medium denn dann weiterentwickeln um mal den Kinderschuhen zu entwachsen?
Ich muss selbst auch einräumen, gelegentlich gewisse Dinge zu genießen, die im Spiel passieren. Jericho: In einem Level hängen lebende Körper an Kreuzen. Die Haut ist streckenweise abgezogen und am Holz vernagelt. Mein erster Gedanke war nicht etwa "Wie Geschmacklos" oder "Die armen Leute". Nein. Ich dachte eher "Ha! Wie geil is das denn??"
Echt? Ich hab Jericho jetzt zwar nicht gespielt, aber ich denke, meine Gedankengänge wären zumindest eher ein "Autsch!" oder ein "Igitt." aber ein "Wie geil ist denn das?" käme mir wohl eher nicht in den Sinn... Andererseits dachte ich genau dies, als ich in UT3 zum ersten Mal einen Gegner mit der Bio erwischt habe und er zu einer grünen Schleimpfütze zusammenschmolz. Und das der Strahl der Link Gun nur die Knochen des Gegners zurück lässt fand ich schon in UT2k3 cool. Ist wohl alles ziemlich subjektiv.
Kennst du das klassische Rollenspiel? Mutter-Vater-Kind? Dort geht es auch nicht um Spaß. Es ist ein Lernprozess. Kinder verarbeiten ihre Erfahrungen durch dieses Spiel. Dennoch ist es und wird auf lange sich auch bleiben: Spiel.
Ich sagte, dass unsere Games nicht
nur Spiel sind. Natürlich sind sie weiterhin Spiele mit gewissen Regeln und Strukturen, aber eben um Elemente erweitert, die aus anderen Bereichen kommen, wie z.B. narrative und kinematographische Stilmittel. Das macht aus einem Computerspiel mehr als ein Mensch-ärgere-dich-nicht. Rollenspiele sind wieder ein ganz anderer Bereich, aber auch dessen Kernelemente fließen mal mehr, mal weniger in Games ein.
Hüstel. Spaß bedeutet nicht automatisch humoristische Unterhaltung. Beim Fußball lache ich eher selten, dennoch habe ich Spaß dabei. Wenn ich musiziere, lache ich so gut wie nie (die Texte sind einfach zu melankolisch, um über sie zu lachen). Dennoch habe ich Spaß, Freude am musizieren. Spaß und Lachen sind zwei Paar Schuhe, die aber gelegentlich zusammen getragen werden.
Sorry, hätte mich klarer ausdrücken sollen. Ich setzte Spaß und an etwas Spaß/Freude haben nicht unbedingt gleich, zumindest nicht, wenn ich etwas schriftlich zu erläutern versuche. Eine Tätigkeit genießen definiere ich als Freude daran haben. Amüsiert man sich dabei auch noch, so wird aus der Freude Spaß. Ich weiß, der Duden sieht es jetzt eher nicht zwingend so, wie ich es beschrieben habe, aber mir hilft diese Auslegung dabei, etwas feiner zu differenzieren.
Aber das Gegenteil von Spaß, kennst du es? Es heißt "Langeweile".
Wie gesagt, für mich ist Langeweile eher das Gegenteil von "Freude an einer Sache haben" bzw. "sich unterhalten fühlen". Das Gegenteil von Spaß ist Ernst. Und ersthaftes muss nicht zwangsläufig langweilig sein sondern kann auch durchaus unterhalten.
Da empfehle ich "Evidence: Wer tötete Sarah Hopkins".
Danke für den Tipp, kannte ich gar nicht.
Brauchste aber Windoof 98 für
Ach Mist, dann wird das wohl leider nichts. Kein XP-Kompatibilitätsmodus möglich?