Graue, sterile Schreibtische, ein vollklimatisiertes Büro. EDV-taugliche Neutralbeleuchtung aus Metallkäfigen., die man in die Decke des Raumes eingelassen hat. Telefone, deren Hörer niemals kalt werden, denn bevor es dazu kommen könnte, ist immer wieder eine Hand da, die sie aufnimmt und umschließt, um das drängende, fordernde Signalgeräusch zum Schweigen zu bringen. Terminkalender, deren Seiten nie bedächtig umgeschlagen, sondern stest in wilder Hektik zerblättert werden. Abläufe, Sachzwänge, Planungen, Zahlen, Geschäfte, politische Rahmenbedingungen. Praktische, leicht zu entsorgende Beziehungen, Lächeln als Handelsware. Eine Plastikwelt voller Gitterstäbe.
Szenenwechsel. Ein dunkler Tannenwald im abnehmenden Tageslicht. Das verunsicherte Auge glaubt unheimliche Lichter zwischen den Bäumen zu erkennen, wie Augen, die auf unbekannte Beute lauern. Der raschelnde und flüsternde Wind trägt Gerüche einer nahen Orksiedlung herüber. Gefahr liegt in der Luft. Der bärtige Flötenspieler und seine drei Begleiter, die kaum unterschiedlicher aussehen könnten, als sie es tun, halten inne und nehmen die Botschaften des Waldes in sich auf. Ein fast unmerkliches Zunicken, ein Grinsen im Gesicht der schwarzhaarigen Kenderin, und der Flötenspieler setzt sein Instrument an. Eine klagende Melodie zieht ohne Hast durch den Wald und über das Land, und Zauberkräfte beginnen ineinanderzugreifen, so wie die Zahnräder eines steinalten Uhrwerks sich in Bewegung setzen. Ein warmer Schiummer wie von einem goldenen Spiegel erscheint zwischen den Bäumen in einigen Metern Entfernung, und eine neue Geschichte beginnt dort, wo eine alte gerade eben sanft ihren Abschluß gefunden hat.
Märchen, Träume, Fantasy. Wohl dem, der sich einen Sinn für das Unwirkliche, Feenhafte, Unberechenbare bewahrt! Ausflüge in Fantasy-Welten können nicht nur sehr spannend und unterhaltsam sein. Sie können auch den Sinn öffnen für Empfindungen, die im nüchternen Alltag verschüttet, vergessen und verdrängt worden sind. Ob man solche Gegenwelten durch das Lesen von Büchern, beim gemeinschaftlichen Spiel am Tisch, im organisierten Live-Event oder am PC-Bildschirm bereist, spielt kaum eine Rolle. Für denkenigen, den Orkkämpfe, Schatzsuchen, Elfenlieder und Lagerfeuergeschichten von Drachen und Prinzessinnen auf irgendeine Weise berührt haben, ist der graue Alltag etwas weniger selbstverständlich geworden.