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Hatred: Die spielgewordene Grausamkeit - ein Kommentar von Felix Schütz

Jeder der es für 17 Euro auf Steam gekauft hat, oder generell für diesen Preis, der wurde kräftig verarscht.
Ja? Normalerweise kosten neue Spiele wesentlich mehr. Der niedrige Preis war mit ein Grund, warum ich es gekauft habe. 50/60 Euro hätten die von mir definitiv nicht bekommen.

Das Spiel ist 1. viel zu Kurz (Dank seiner 4-5 Level),
Afaik sind es 7.

Einen Sinn oder gar eine Art "Story" sucht man hier vergebens...
"Ein vom Hass erfüllter Typ geht raus. um Menschen umzulegen." ist eine Story. Wenn auch eine sehr kurze.
 
Am Gameplay nicht, aber an der Wirkung. Wenn man als Protagonist Zombies in den Vollbild Exekutions Animationen hinrichten würde, wären diese heldenhaft und erstrebenswert. Da in Hatred aber eben unschuldige Menschen hingerichtet werden, bleibt bei mir eher ein beklemmendes Gefühl zurück. Heldenhaft oder heroisch ist da gar nix.

(Was ich bis jetzt gelesen habe, stellen die meisten jene Animation aus, weil sie eher störend für den Spielfluss ist, das mal nebenbei)
Wahrscheinlich fühle ich mich gut, weil ich ein Ziel erreicht habe bei einem Spiel.
Nicht weil etwas heroisch ist oder ich gar heldenhaft im Spiel dargestellt werde.

Nehmen wir Dynasty Warriors:
Keiner tut sich die X millionen Storys an, mit welchen ein normaler Europäer eh nicht klar kommt.
Man metzelt sich durch Horden von Gegnerischen Kämpfern, welche etwa gleichviel Gegenwehr geben, wie die Zivilisten in Hatred.
Da war meine einzige Motivation auch nur, das nächste Level zu sehen.
Aber hier hatte ich nach zwei Teilen genug gesehen und ich musste danach keinen weitern Teil haben.

Zum Splatter noch kurz:
In jeder Session Diablo3 seh ich brutalere Szenen mit rumfliegenden Körperteilen.
Und Leben so wie Zorn/Hass, etc gibts bei nem Kill auch noch dazu.
:P
 
Mein Hauptreiz an diesem Spiel ist dass es ein ziemlich schmuckloser Shooter ist. Gute Steuerung, coole Optik und Ballern.

Eine Schnetzelorgie mit anderem Setting und Gewaltgrad unterhaltsam? Ja, sicher, ich habe auch Dead Island und L4D mit meinen Freunden bis zum abwinken gespielt.

Und um das nochmal klar zu stellen. Meine lieblingsspiele sind trotzdem JRPG's die häufig sehr storylastig sind und genau das Gegenteil zu Hatred sind. Trotzdem verbeiße ich mich nicht nur in einem Genre.

Danke für die sachliche Antwort. Es war in der Tat auch von mir lediglich als Frage gedacht und nicht als Vorwurf.

Wenn ich in meiner Vergangenheit wühle, so habe ich auch z.B. gerne Fire Power oder Wings gespielt obwohl diese (zumindest wenn ich mich recht entsinne) wohl indiziert waren. Der Reiz war aber da auch neimals Blut, Gewalt oder dass man Menschen töten konnte sondern einfach das Spiel an sich. Die Gewalt war halt dabei, hätte ich nicht unbedingt gebraucht.
Bei Fire Power war es schon irgendwie cool, dass man die Menschen überollen konnte mit dem Panzer aber einfach wegen der Möglichkeit der Interaktion an sich.
Ich vermute WIngs war auf dem Index wegen dem ISO-Ansicht Ballerpart wo man auch Soldaten abknallen musste. Das war einer der Teile den ich gar nicht mochte und auch den ich hätte dankend verzichten können (allerdings nicht wegen der Gewalt sondern weil mich an dem Spiel einfach die Flugsimulation interessiert hat).
 
Wie schreibt man über ein Spiel, ohne dafür zu werben?

Wird es gelobt, schauen es sich die Leser an.
Warnt man davor, ist es interessant.
Selbst wenn man es verreißt, gibt es eine
Gruppe von Leuten die sich sagen:
"Ist es wirklich so schlecht? Kann nicht sein,
muss ich sehen." oder "Das ist so schlecht, das
ich es sehen muss."

Wie man es dreht und wendet, irgendeine Interessengruppe
findet man immer, die sich angesprochen fühlt.

Sobald man beginnt, über ein Spiel zu schreiben oder zu
reden, gibt es Interessenten. Die beste Möglichkeit scheint
simple Ignoranz zu sein. Aber selbst das kann das Spiel zu
einem Underdog machen.

Man kann schon fast sagen, das es letztendlich egal ist,
ob man über ein Spiel redet oder nicht. Geworben wird dafür
auf seine ganz eigene Weise. Alleine mit der Werbung die
der Hersteller selbst betreibt.

Bei Hatred handelt es sich um einen gnadenlosen TwinStick-Shooter,
der, laut Entwickler, auf das nötigste reduziert wurde. Keine Story,
nur schießen und töten. Das geschieht teilweise auch auf recht brutale Weise.

Das Schockierende ist dabei die Skrupellosigkeit und die simple Begründung
mit Hass auf die Welt und die Menschen. Mehr erfährt man vom Protagonisten nicht.

Es steckt also primär keine Message dahinter, die Destructive Creations vermitteln möchte.
Genau das macht das Spiel zu dem was es ist: Ein Amoklauf-Simulator.

Ich möchte weder die Entwickler in Schutz nehmen, noch sonst ähnliches verschönen
oder positiv darstellen.
Allerdings sind mir folgende Dinge aufgefallen:

Der Protagonist im Spiel sieht aus, wie der typische Heavy Metal - Fan oder Sonstiges
in dieser Richtung. Somit wird hier ein Klischee bedient. Warum müssen Amokläufer immer
lange schwarze Haare haben und einen langen schwarzen Mantel tragen?
Entweder sind die Haare extrem fettig oder es sind Dread Locks, was aber auch wieder
in ein bestimmtes Klischee passt. (Oder es ist einfach nur schlecht animiert)
Ebenso ist die Szenerie in der USA angesiedelt, was erklärt, warum der Protagonist
wie selbstverständlich einen Schrank gefüllt mit Waffen in seiner Wohnung beherbergt.

Betrachtet man sich einmal das Logo, könnte man fast meinen, das es eine leichte
Parallele zwischen der HATRED-Variante und dem DOOM-Logo gibt.

- Beide Obergrenzen bilden eine gerade Linie
- Die Buchstaben enden jeweils wie scharfe Zähne in Spitzen
- Jeweils die linke Ecke des ersten Buchstabens
und die rechte Ecke des letzten Buchstabens laufen spitz zu
und sind länger als die restlichen Buchstaben

Seinerzeit (1993) war DOOM ebenso ein Skandalspiel.
Im Verhältnis zur damaligen Zeit war der Realismus in diesem Spiel
unglaublich hoch. Dazu kam die First Person Perspektive. Die für
damalige Verhältnisse realistische Grafik, gepaart mit der Brutalität
und der fehlenden Story waren Grund genug id Softwares Shooter zu
indizieren.
Der Eine oder Andere würde jetzt sagen:
"Wieso? Es gab doch eine Story?"
Das ist zwar richtig, aber im Prinzip reduzierte sie sich auf eine
banale Rache-Erzählung. Auch nicht viel mehr als die "Story" in HATRED.

Beides sorgt seinerzeit für Aufsehen und Entrüstung.
Bei DOOM war der Effekt damals, das es egal war, ob man es legal
kaufen konnte oder nicht. Die Anzahl der Raubkopien war enorm hoch
und das Spiel hatte einen entsprechenden Bekanntheitsgrad.

HATRED hat den großen Nachteil, das es technologisch nichts Neues
bietet. Zwar wird die Unreal-Engine 4 benutzt, aber diese wird
zur ISO-Perspektive mit mittelmäßigen Animationen "degradiert".
Daher wird der Underdog-Faktor oder der Gheimtipp-Hype wohl ausbleiben.
Übrig bleibt eine schockierende Graustufen-Fassade, von der man
eventuell vermuten kann, das sie versucht durch pikante Themen dem
"großen Vorbild" DOOM im Bekanntheitsgrad nachzueifern.

Auch wenn HATRED ernst gemeint sein soll, um das Entsetzen über
das Spiel zu steigern, frage ich mich, warum Destructive Creations
einen Verkaufspreis von 16,66€ in Europa angesetzt haben. Noch mehr
Klischee als 666 in den Preis einzubauen, ist ja fast schon nicht
mehr möglich.
Zusätzlich dazu steht auf der Homepage der Entwickler der Satz:
"...just don't try this at home and don't take it too seriously, it's just a game. :)"
und das zusätzlich zu dem Statement, dass sie "against trends" etwas schaffen wollen.

Ich bin mir nicht sicher, ob da nicht doch irgendwo ein wenig
Ironie versteckt ist, auch wenn es nicht das Spiel direkt betrifft.
Das macht das Ganze allerdings weder besser noch cooler.
Oder bleibt es letzendlich bei einer reinen Provokation, bei der
Destructive Creations ihrem Name alle Ehre machen?

P.S.:
Was mir gerade noch einfällt:
Wenn der Protagonist Hass auf die gesamte Welt und ihre Menschen hat, warum macht er es sich nicht einfach und bringt sich selbst um? Somit wären die menschlichen Verluste auf ein Mindestmaß reduziert. (Das wäre allerdings ein sehr kurzes Spiel)
Auf der anderen Seite verstehe ich das Spielprinzip nicht, wenn der Protagonist als Amokläufer möglichst viele Leute mit in den Tod reißen will, um am Ende selbst zu sterben, wieso es dann ein "Game Over" gibt, sobald der Protagonist stirbt. Schließlich hat er dann doch sein Ziel erfüllt oder nicht?
 
@Le Kris: Sehr gut zusammengefaßt. Sehe das genauso. Ich werfe niemandem vor, daß er das Game spielt. Ich verurteile auch niemanden deswegen. Nur für mich ist das Game halt nichts. Auch wenn dieser Topdown-Ansatz mich durchaus reizen könnte. Aber dazu müßte das Game mehr bieten als nur relativ hirnlose Schnetzelei ohne richtigen Background.

Und was die Werbung bzw. Nicht-Werbung für so ein Spiel betrifft, hast Du den Nagel auf den Kopf erwischt. Man kanns nur falsch machen. Verreißt man es, gewinnt das Game auch so Fans, wertet man es gut sind die Fans eh da. Unterläßt die Zeitung Artikel zu dem Game, macht es garantiert eine andere Quelle. Wenn nicht kommt die Werbung vom Hersteller selbst. Verhindern, daß das Game vom Titel her bekannt wird, läßt sich nicht. Weil über irgend welche Wege und Pfade erfahren Gamer von diesem Spiel. Wenn dann halt aus dem Ausland. Das läßt sich nicht vermeiden. Und wenn es Mund zu Mund Propaganda ist, die die Infos weiter verbreitet.

Ich bin auch der Meinung, daß man Volljährigen so viel Selbstverantwortung zutrauen können muß, zu entscheiden, ob das Spiel etwas für sie ist oder nicht. Das ändert nichts an den Amoklaufzahlen an sich. Persönlich empfinde ich das Game her nur relativ stupide. Aber deswegen verbieten bzw. auf den Index setzen ? Sicher diskussionswürdig wegen dem Ansatz des Menschenhasses an sich. Aber ob das für eine Indizierung langt ? Wobei das Thema Indizierung in D hier eh schon zu weit ausgeufert ist. Hier sollten dem Gamer wirklich mehr Freiheiten gelassen werden. Denn einige Titel haben für meinen Geschmack nicht unbedingt etwas auf dem Index verloren.
 
Unterläßt die Zeitung Artikel zu dem Game, macht es garantiert eine andere Quelle.
Heutzutage ist es eher so, dass irgendeine Seite anfängt über das Spiel zu berichten und dann alle auf den Zug aufspringen. Richtig originelle News schreiben ja nur noch die wenigsten, man kopiert eher von irgendwo und dichtet noch paar Zeilen hinzu. Wenn Hatred ein Film geworden wäre, würde es wohl kaum News dazu geben.
 
Wie schreibt man über ein Spiel, ohne dafür zu werben?
Indem man sachlich darüber berichtet.

Werbung ist es nur, wenn man das Ziel verfolgt, den Leser zum Kauf zu animieren. Und das ist in Nachrichten, Tests oder selbst Gameplayvideos zur Demonstration besonderer Qualitäten des Titels oder auch die schlichte Nennung derselben nicht gegeben.

Wie man es dreht und wendet, irgendeine Interessengruppe findet man immer, die sich angesprochen fühlt.
Das nennt sich Meinungsbildung. Diese bildet man sich aus den verschiedensten Informationsquellen. Aber selbst wenn eine einzelne Quelle zur Kaufentscheidung führt, ist diese noch lange keine Werbung.

Die beste Möglichkeit scheint simple Ignoranz zu sein.
PC Games ist eine Seite, die sich mit Spielen auseinandersetzt. Und sobald ein Spiel einen gewissen Relevanzlevel erreicht hat, sollte es auch eine entsprechende Infoseite und einen Test dafür geben. Menschen, die sich nicht für Spiele interessieren, sollten die Möglichkeit haben, sich hier über entsprechende Titel zu informieren.

Keine Story, nur schießen und töten.
Auch wenn die Story recht knapp gehalten ist, gibt es sie doch. So flieht er zB aus seinem Viertel durch die Kanalisation bis zum Bahnhof, von wo aus er in die nächste Stadt fährt ... Das ist zwar kein Shakespeare und es gibt auch keine nennenswerte Charakter Entwicklung, aber es ist eine Geschichte.

Das Schockierende ist dabei die Skrupellosigkeit und die simple Begründung mit Hass auf die Welt und die Menschen. Mehr erfährt man vom Protagonisten nicht.
Was erfährt man denn von anderen Protagonisten in Spielen großartig?
Was weißt du zB von Gordon Freeman? Er ist Wissenschaftler. Äh, ja, das war's.
oder von Serious Sam? Er heißt Sam. Und er ist ernst. Ernsthaft.
oder Guybrush Threepwood? Er will Pirat werden.
oder Mario? Er ist auf der "ewig währenden Mission, seine Freundin zu retten" - ne, Moment, das war Xandir, paßt aber auch.
...

Ebenso ist die Szenerie in der USA angesiedelt, was erklärt, warum der Protagonist wie selbstverständlich einen Schrank gefüllt mit Waffen in seiner Wohnung beherbergt.
Mal davon abgesehen, daß man sich auch in jedem anderen Land illegal Waffen besorgen könnte: Wenn das in USA leichter geht, ist das doch gerade ein Grund, die Handlung dorthin zu verlegen.

DOOM ... der fehlenden Story waren Grund genug id Softwares Shooter zu indizieren.
"Wissenschaftler haben ein Portal in eine Dämonen Dimension geöffnet. Jetzt gilt es, die Dämonen zu vernichten und das Tor zu schließen" ist zwar auch keine ausführliche, aber immerhin ist es eine Geschichte.

... warum Destructive Creations einen Verkaufspreis von 16,66€ in Europa angesetzt haben. Noch mehr Klischee als 666 in den Preis einzubauen, ist ja fast schon nicht mehr möglich.
Das wäre aber reichlich bekloppt, nur wegen der Zahlenkombination diesen Preis zu verlangen. Wer 16,66 zahlt, würde höchstwahrscheinlich auch genauso 19.99 zahlen, was verschwendete Einnahmen nur wegen einer besonderen Zahlenkombination bedeuten würde ...

Zusätzlich dazu steht auf der Homepage der Entwickler der Satz:
"...just don't try this at home and don't take it too seriously, it's just a game. :)" und das zusätzlich zu dem Statement, dass sie "against trends" etwas schaffen wollen.
Richtig. Es ist nur ein Spiel. Kein Ausbildungscamp oder sonstige Anleitung für potentielle Amokläufer. Jedenfalls nicht mehr als zB "Matrix" auch - schliesslich werden dort auch ohne jedes Wimperzucken Unschuldige (zB die ganzen Wachen im Gebäude, in dem Morpheus gefangen gehalten wird) von Neo & Co umgelegt, was zu ihrem Tod in ihren Pods führt.

Wenn der Protagonist Hass auf die gesamte Welt und ihre Menschen hat, warum macht er es sich nicht einfach und bringt sich selbst um?
Weil er so viele wie möglich von dem Rest des menschlichen Abschaums mit ins Grab nehmen will - sagt er jedenfalls sinngemäß im Intro/Trailer des Spiels

Somit wären die menschlichen Verluste auf ein Mindestmaß reduziert.
Das ist ein Amokläufer, der die ganze Menschheit haßt. Aus welchem Grund sollte er die Verluste reduzieren wollen?

Auf der anderen Seite verstehe ich das Spielprinzip nicht, wenn der Protagonist als Amokläufer möglichst viele Leute mit in den Tod reißen will, um am Ende selbst zu sterben, wieso es dann ein "Game Over" gibt, sobald der Protagonist stirbt. Schließlich hat er dann doch sein Ziel erfüllt oder nicht?
Da hast du nicht ganz unrecht.
Allerdings will er ja so viele wie möglich mitnehmen (obwohl die Missionsziele immer sinngemäß lauten: "Bringe 85 Passanten um" - dann müßte der 86. eigentlich auch "noch besser" sein, für den gibt's aber keine Punkte mehr ...), so daß er im nächsten Versuch eben weiterkommen und dabei mehr Leute umbringen kann.
 
Wie wäre es, Gewalt nicht auf die herkömmliche Art als Folge sozialer Umstände, sondern als selbstgewählte, selbstbestimmte Lebensform zu betrachten, die sehr gut ohne Begründung auskommt? Verfolgt man diesen Ansatz (und den gibt es wissenschaftlich), weshalb sollte dann ein Game mehr liefern, als der Zielgruppe einfach Spaß oder Zerstreuung mit der interaktiven Darstellung rein menschenverachtender Brutalität zu liefern? So kann man es nüchtern betrachten.

Ich will aber nicht, dass Journalisten wie Roboter ausschließlich sachlich-fachlich Pixelwerke rezensieren. Ich will meinungsfreudige, emotionale Kommentare. Ironische oder satirische Kolumnen. Aufrüttelnde Essays. Einfach spannende, fundierte Berichterstattung mit Substanz. Ob ich bestimmte Standpunkte teile oder nicht, ist dabei völlig zweitrangig. Im Falle von Hatred trifft Felix meine persönliche Meinung komplett.

Diese Art von Game lehne ich ab. Weil hier völlig kontextlos Handlungsmuster aufgezeigt werden, die meinem Sinn von Ethik widersprechen. Dafür muss man kein Moralapostel sein, sondern einfach über eine individuelle Empathieschwelle verfügen, die Bezüge von dargestellter Gewalt auf mögliche reale Gewalt zulässt. Diese Schwelle ist für sehr an Gewaltdarstellungen gewöhnte Medienkonsumenten (zu denen hier wohl alle gehören) sicherlich sehr hoch, für mich ist sie aber bei Hatred überschritten. Nicht wegen der dargestellten Brutalität an sich, sondern weil sie unbegründet menschenverachtend ist. Als Soldat, Gangster, Assassine oder meinetwegen hungrige gelbe Pille, ist sie das in dieser Form nicht.

Auf das Thema Medienkompetenz will ich hier jetzt gar nicht groß eingehen. Wer im ausreichenden Maß darüber verfügt, kann meines Erachtens sowieso alles zocken. Aber es gibt dermaßen viele Menschen, völlig unabhängig vom Lebensalter, die über ein nur schwaches Reflexionsvermögen verfügen. Ich finde schon, dass man zumindest darüber diskutieren sollte, wie die Gesellschaft darauf zu reagieren hat. Die Freiheitsrechte sind so ein hohes Gut, dass Verbote nicht die Antwort sein können. Der Hebel ist die Vermittlung von Kompetenzen. Wobei nicht nur die Elternhäuser und der Staat gefordert sind. Sondern eigentlich jeder, der über die entsprechenden Fähigkeiten verfügt.
 
Diese Art von Game lehne ich ab. Weil hier völlig kontextlos Handlungsmuster aufgezeigt werden, die meinem Sinn von Ethik widersprechen. Dafür muss man kein Moralapostel sein, sondern einfach über eine individuelle Empathieschwelle verfügen, die Bezüge von dargestellter Gewalt auf mögliche reale Gewalt zulässt.
Wie ich schon in Posting #118 schrob:
"Hatred hat mit seinen in Schwarz-Grau gehaltenen Leveln und diesem Menschen verachtenden Protagonisten kein Spaß Potential. Hatred ist der spielgewordene Horrorfilm aus Sicht des Täters...

Hatred ist einzige Spiel, bei dem ich mich beim Spielen moralisch unwohl fühle. Genau aus dem selben Grund, aus dem man sich ein Drama ansieht, auch wenn man weiß, daß am Ende der Held hingerichtet wird oder sonstwie stirbt, spiele ich auch mal ein Spiel wie Hatred."
 
Hatred ist einzige Spiel, bei dem ich mich beim Spielen moralisch unwohl fühle. Genau aus dem selben Grund, aus dem man sich ein Drama ansieht, auch wenn man weiß, daß am Ende der Held hingerichtet wird oder sonstwie stirbt, spiele ich auch mal ein Spiel wie Hatred."
Und wie der ein oder andere hier schon schrieb: Man kann (und sollte) ein Spiel wie "Hatred" nicht auf seine Gameplaymechanik reduzieren und nur diese betrachten. Und der immer wieder gezogene Vergleich zu "Doom" hinkt sehr gewaltig. Natürlich hat "Doom" eine in rudimentären Ansätzen vorhandene Story, die als Rechtfertigung herhalten muss für das, was der Protagonist (also der Spieler) da so tut. Auch "Hatred" hat das ... nur noch weiter auf das Allerwesentlichste heruntergebrochen.
Der Vergleich hinkt allerdings deshalb, weil zwischen "Doom 1" und "Hatred" fast 25 Jahre Entwicklung liegen. Entwicklung der Spieler, der Spieleentwickler und der Spieleakzeptanz in der breiten Öffentlichkeit. Klar hat "Doom" DAMALS (1993) die breite Öffentlichkeit aufgeschreckt und auf die Barrikaden getrieben, aber seit dem sind nun einmal 22 Jahre vergangen. Und wenn heute ein Spiel veröffentlicht wird, das die Spielermotivation (alles umnieten was sich bewegt) fast 1:1 aus einem Uralt-Klassiker kopiert ... Entschuldigung, dann müssen sich die Macher schon einiges vorwerfen lassen.

Um es auf den Punkt zu bringen: "Hatred" nimmt das Doom-Spielprinzip und verfrachtet es in eine ethisch/moralisch sehr zweifelhafte Spielumgebung.
Und es geht bei der ganzen Diskussion doch gar nicht darum, wieviel Gewalt sinnvoll oder sinnlos ist ... die Motivation des Spielers/der Spielfigur ist der Kern der Diskussion. Und egal wie man persönlich zu dem Thema steht: Jedem mit nur rudimentär vorhandenem gesundem Menschenverstand sollte klar sein, dass dieses Spiel eine moralische Grenze überschreitet. Eine Grenze, die wir uns nicht selber gesetzt haben, sondern die sich in 10.000 Jahren Menschheitsgeschichte entwickelt hat.
 
Um es auf den Punkt zu bringen: "Hatred" nimmt das Doom-Spielprinzip und verfrachtet es in eine ethisch/moralisch sehr zweifelhafte Spielumgebung.
Und es geht bei der ganzen Diskussion doch gar nicht darum, wieviel Gewalt sinnvoll oder sinnlos ist ... die Motivation des Spielers/der Spielfigur ist der Kern der Diskussion. Und egal wie man persönlich zu dem Thema steht: Jedem mit nur rudimentär vorhandenem gesundem Menschenverstand sollte klar sein, dass dieses Spiel eine moralische Grenze überschreitet. Eine Grenze, die wir uns nicht selber gesetzt haben, sondern die sich in 10.000 Jahren Menschheitsgeschichte entwickelt hat.

Aha.
Du unterstellst den Spielern des Spiels mangelnder Menschenverstand?
Ich glaub, ich würde mich nie mit der Spielfigur identifizieren.
Genau so wenig, wie ich mich mit einem hüpfenden Klempner identifizieren kann.
Es geht ums Spielprinzip.
Ich, gegen den Leveldesigner...

Wenn einem da mangelndes Moralgerüst vorgeworfen wird, oder gar gleich eine verworrene Psyche ohne Empathie, der urteilt wohl selber nicht ganz im grünen Bereich.
Ich persönlich hätte kein Problem Hatred zu spielen, weil mich das Gameplay interessiert und der Grafikstil irgendwie cool wirkt.
ABER:
Ich konnte schon in Little Computer People den kleinen Kerl nicht krank werden, geschweige denn sterben lassen.
Bei Mass Effect schaffe ichs erst beim dritten durchspielen die "böse" Seite zu wählen. Danaben fange ich da schon gar kein ernsthaftes Techtelmechtel an, damit ich eine Sexszene zu sehen bekomme :P
Ich nehme meinem Sim nicht die Leiter vom Pool weg, damit der ertrinkt.
Mit meiner Empathie scheint so weit auch alles in Ordnung, sonst würde ich nicht schon seit längerem als Betreuer für geistig Behinderte Arbeiten.

Was das mit Moral zu tun hat?
in jenen Spielen hat man die Wahl, wie man sich entscheidet. Man entscheidet sich BEWUSST für jenen Weg, auch wenn ein anderer möglich wäre.
Soll ich anfangen etwas in Männer reinzuinterpretieren, welche sich bei einem Rollenspiel einen weiblichen Charakter erstellen?
 
Argh! Jetzt hab ich fast 2 Stunden an der Antwort gesessen und die bl*** Forensoftware hat meine Antwort gefressen.
Also auf ein Neues ...

Aha. Du unterstellst den Spielern des Spiels mangelnder Menschenverstand?
Ähm ... nein.

Wenn einem da mangelndes Moralgerüst vorgeworfen wird, oder gar gleich eine verworrene Psyche ohne Empathie, der urteilt wohl selber nicht ganz im grünen Bereich.
Ich persönlich hätte kein Problem Hatred zu spielen, weil mich das Gameplay interessiert und der Grafikstil irgendwie cool wirkt.
[..]
Was das mit Moral zu tun hat?
in jenen Spielen hat man die Wahl, wie man sich entscheidet. Man entscheidet sich BEWUSST für jenen Weg, auch wenn ein anderer möglich wäre.
Soll ich anfangen etwas in Männer reinzuinterpretieren, welche sich bei einem Rollenspiel einen weiblichen Charakter erstellen?
Ich habe mich vielleicht etwas umständlich ausgedrückt.

Meiner Meinung nach hat "Hatred" mit seiner unreferenzierten Gewaltausübung eine moralische Grenze überschritten, die man (wieder meiner Meinung nach) nicht überschreiten sollte. Und da ich Optimist bin gehe ich davon aus, dass die meisten Spieler von "Hatred" genau das machen, was das Spiel selber bzw. die Entwickler vernachlässigt haben: Das selbst Erlebte bzw. Gespielte im Kontext des Spiels und nach ihren eigenen Maßstäben einzuordnen und zu bewerten. Der eine spricht dem Spiel keine größere Bedeutung zu weil "es ist ja nur ein Spiel" und anderen ist das, was dort zur "Spielmotivation" herangezogen wird, eben nicht egal, gerade "weil es ein Spiel ist". Und das was wir in Spielen machen hat in der Regel nie Konsequenzen auf unser echtes Leben ... bei "Hatred" hat es noch nicht einmal Konsequenzen im Spiel.

Worauf ich im Prinzip hinaus will ist die Herangehensweise, die in der Diskussion (nicht nur hier) rund um "Hatred" teilweise genutzt wird. Natürlich könnte man die unschuldigen Zivilisten durch Zombies/Aliens/Monster-deiner-Wahl ersetzen und prompt hätte man einen beliebigen, mittelmässigen 08/15-Twinstickshooter, nach dem wahrscheinlich bereits lange kein Hahn mehr krähen würde. Aber die Entwickler haben sich eben bewußt gegen Zombies und für unschuldige Zivilisten entschieden.
Man kann keine Diskussion um die moralische oder ethische Bedeutung einer Spielwelt führen, wenn man das Spiel dazu auf seinen spielmechanischen Kern abstrahiert. Alles, vom Gameplay über das Belohnungssystem bis hin zur wie auch immer gearteten Story und Hintergrundgeschichte, sind Bestandteile des Spiels. Und wenn man über das Spiel diskutiert, dann sollte man, zumindest meiner Meinung nach, auch das Spiel als ganzes betrachten und sich nicht nur auf einzelne Aspekte konzentrieren.
Bei Sätzen wie "Aber in Doom hat man doch genau dasselbe gemacht." dreht sich mir schon der Magen auf halbacht. Natürlich ist das Gameplay, egal von welchem Shooter und aus welcher Perspektive man spielt im Grunde immer gleich: Man schießt auf irgendwen. Aber der ganze Rest, der die Spiele unterscheidbar macht, der wird einfach außer Acht gelassen.
 
Bei Sätzen wie "Aber in Doom hat man doch genau dasselbe gemacht." dreht sich mir schon der Magen auf halbacht. Natürlich ist das Gameplay, egal von welchem Shooter und aus welcher Perspektive man spielt im Grunde immer gleich: Man schießt auf irgendwen. Aber der ganze Rest, der die Spiele unterscheidbar macht, der wird einfach außer Acht gelassen.
Nun, Doom ist mE ein nicht wirklich passender Vergleich.
Aber inwiefern ist in folgendem ein wirklicher Unterschied zu sehen?

a) Der Protagonist haßt alle Menschen. Spielziel ist es, die geforderte Anzahl pro Level zu töten.

b) Der Hügel X bietet strategische Vorteile. Spielziel ist es, alle zu töten, die den Protagonisten daran hindern, die Stellung einzunehmen.

Letztendlich ist die Begründung in beiden Fällen: Weil man's kann. Weil es Menschen gibt, die sowas tatsächlich machen. Weil es Menschen gibt, die Ziele haben, die ihnen wichtiger sind als der Wert eines Menschenlebens.

Und wir "morden" in so gut wie jedem Spiel - nur nicht in den Batman Spielen - die sind ja trotzder brutal wirkenden Finisher trotzdem nur bewußtlos und ganz bestimmt ist kein einziger der Gegner ein Fall für den Chiropraktiker, gelähmt oder gar tot. Nein, ganz bestimmt nicht. ;)

Ein Grund wird immer nur vorgeschoben und entpuppt sich bei genauer moralischer Analyse selbst bei Helden Spielen möglicherweise als richtig kriminell.
 
Aber inwiefern ist in folgendem ein wirklicher Unterschied zu sehen?

a) Der Protagonist haßt alle Menschen. Spielziel ist es, die geforderte Anzahl pro Level zu töten.

b) Der Hügel X bietet strategische Vorteile. Spielziel ist es, alle zu töten, die den Protagonisten daran hindern, die Stellung einzunehmen.
Der größte Unterschied: Im Krieg gelten andere Regeln, ganz einfach. Wen ein Soldat einen feindlichen Soldaten erschiesst, wird das ja auch nicht als Mord gewertet und der Soldate verurteilt. Erschiesst der Soldat allerdings unschuldige Zivilisten, dann ist das halt doch etwas ganz anderes. Die Tat bleibt gleich, der Täter auch, aber die Betrachtungsweise von außen ist unterschiedlich.
Und genau so ist es mMn eben auch mit "Hatred". Dort erschiesse ich unschuldige Zivilisten, in "Zombieslasher 3000" puste ich im Minutentakt dutzende hirnlose Untote ins digitale Nirvana. Im Prinzip dasselbe, aber eben nicht das gleiche. ;)

Und nochmal: Der allergrößte Knackpunkt bei "Hatred" ist in meinen Augen einfach das absolute Fehlen jeglicher Motivation. Bei "Hitman" weiß ich, warum meine Spielfigur Gegner xy ausschaltet. In jedem noch so schlechten CoD-/MoH-Verschnitt weiß ich warum die, auf die ich schiessen soll, die "Bösen" sind.
Aber bei "Hatred": Fehlanzeige! Warum der Protagonist einen derartigen Hass auf die Menschheit im Allgemeinen hat wird nicht erklärt sondern dem Spieler einfach als gegeben vorgesetzt. Hätten die Entwickler diesem Punkt mehr (oder überhaupt etwas) Beachtung geschenkt, dann hätte "Hatred" vielleicht tatsächlich den Spieler bzw. die Spielergemeinschaft zum nachdenken anregen können.
 
Der größte Unterschied: Im Krieg gelten andere Regeln, ganz einfach. Wen ein Soldat einen feindlichen Soldaten erschiesst, wird das ja auch nicht als Mord gewertet und der Soldate verurteilt. Erschiesst der Soldat allerdings unschuldige Zivilisten, dann ist das halt doch etwas ganz anderes. Die Tat bleibt gleich, der Täter auch, aber die Betrachtungsweise von außen ist unterschiedlich.
Und genau so ist es mMn eben auch mit "Hatred". Dort erschiesse ich unschuldige Zivilisten, in "Zombieslasher 3000" puste ich im Minutentakt dutzende hirnlose Untote ins digitale Nirvana. Im Prinzip dasselbe, aber eben nicht das gleiche. ;)

Und nochmal: Der allergrößte Knackpunkt bei "Hatred" ist in meinen Augen einfach das absolute Fehlen jeglicher Motivation. Bei "Hitman" weiß ich, warum meine Spielfigur Gegner xy ausschaltet. In jedem noch so schlechten CoD-/MoH-Verschnitt weiß ich warum die, auf die ich schiessen soll, die "Bösen" sind.
Aber bei "Hatred": Fehlanzeige! Warum der Protagonist einen derartigen Hass auf die Menschheit im Allgemeinen hat wird nicht erklärt sondern dem Spieler einfach als gegeben vorgesetzt. Hätten die Entwickler diesem Punkt mehr (oder überhaupt etwas) Beachtung geschenkt, dann hätte "Hatred" vielleicht tatsächlich den Spieler bzw. die Spielergemeinschaft zum nachdenken anregen können.

Nö, brauchen die Entwickler nicht. Der Thread hier ist schließlich schon 7 Seiten lang, die haben ihr Ziel mehr als erreicht.
 
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