Das "Und dann wird es schlimmer, als du dir in deinen kühnsten Alpträumen vorstellen könntest." hab ich nicht umsonst dazu geschrieben. Das ist Teil des Films und wäre bei einem "harmlosen Jugendfilm" eben komplett unter den Tisch gefallen.
Das ist doch aber auch nur eine Steigerung von dem, was ich wiedergegeben habe ("Pass auf, auf wen du dich einlässt"). Das ändert doch am Kern nichts.
Meiner Meinung nach, sollte die Vermittlung einer Botschaft zum einen auf einer höheren Ebene stattfinden als du sie in deinem vorherigen Post formuliert hast, und zum einen sollte die Art des Film als Medium, der die Botschaft transportieren will, auch passend sein.
A Serbian Film kann nicht als Medium für die ziemlich simple Botschaft "Pass auf, auf wen du dich einlässt. Kann richtig übel enden." funktionieren, weil durch den immensen Gewaltgrad eher Angst geschürt werden würde und keine Sensibilisierung für die Gefahr, die unbekannte Menschen mit sich bringen könnten. Wobei aber auch "Angst machen" nicht funktioniert, da die (angebliche) Moral des Films durch die Gewaltdarstellungen überschattet wird und der Film sich nur durch diese auszeichnet. Mehr als Ekel empfindet der Großteil der Menschen dabei nicht.
Der Film lässt inhaltlich nicht zu, dass man sich differenziert mit der Gewalt auseinandersetzt. Eine Reflexion der Gewalt geschieht weder beim Zuschauer (dem es ganz simpel zu weit geht), noch im Film selbst. Dafür fehlt eine umfassendere Charakterzeichnung der Prota- und Antagonisten, unter anderem da sich eine Gewaltszene an die nächste reiht. Es bleibt gar keine Zeit, sich mit den Figuren auseinanderzusetzen und damit mal hinter ihre Motive zu blicken.
Der Protagonist ist kein Unschuldslamm und macht am Anfang ja trotzdem noch mit, obwohl er bedenken hat. Weil Geld winkt. Es wird später lediglich eine klare Grenze gezogen, aber niemals die Frage geklärt, warum er nicht schon vorher aufgehört hat. Warum wird sich damit nicht auseinandergesetzt? Und was ist mit diesem Vukmir? Warum ist er so? Was hat er selbst erlebt, um so zu werden? Was treibt ihn wirklich an? Hinweise darauf gibt der Film nichtmal ansatzweise und präsentiert Vukmir ganz einfach und stumpf als bösen (und nichtmal sonderlich charismatischen) Snuff-Film-Produzenten. Das ist er zwar in der Tat, unabhängig seiner (nicht vorhandenen) Lebensgeschichte, aber simpler kann eine Charakterzeichnung nicht sein. Das ist schon fast Kindergartenniveau.
Also hat der Film sein Ziel, so er denn (außer simpelste Provokation) eines hätte, vollkommen verfehlt. Hätte der Film sich differenzierter und durch eine komplexere Charakterzeichnung mit der Gewalt auseinandergesetzt, würde ich vermutlich anders über den Film denken. Aber so taugt der Film in meinen Augen weder als Metapher für irgendwas, noch als Sozialkritik. Und schon gar nicht als erhobener Zeigefinger, um dem Zuschauer zu sagen, dass er sich vor Fremden hüten soll. Das kriegt man schon im Kindergarten gesagt. Dazu braucht es keinen Gewaltporno, in dem gefühlt alle paar Minuten Blut spritzt oder vergewaltigt wird.
Außerdem kann man den Film auch als Kritik an genau dem sehen, weswegen er kritisiert wird: Der massiven Darstellung von Gewalt in Filmen.
Als Metapher könnte man das so auslegen:
"Anfangs schaut man sich nur harmlose Streifen an, die dann immer schlimmer werden und durch Auswirkungen auf den Zuschauer später sogar Auswirkungen auf dessen Familienleben haben können"
"Familienleben" könnte man dann noch als "Gesellschaft" interpretieren und wenn man interpretationsfreudig ist, könnte wegen der letzten Szene noch jedwede Propaganda, die einzelne Gruppen gegeneinander aufhetzt, da hinein interpretieren.
Wie gesagt, kann man in manche Filme auch zu viel hinein interpretieren. A Serbian Film lässt das inhaltlich gar nicht zu. Dafür fokussiert er sich zu sehr auf die Gewalt, nicht aber auf die Figuren.
Nein. Siehe Maniac. Da gibt's keinerlei Protagonist, der die Moralinstanz darstellt.
Der Protagonist in Maniac ist der Mörder. Der "Böse" muss ja nicht zwangsläufig immer der Antagonist sein. Und je nachdem, wie der Film aufgearbeitet ist, kann der Zuschauer auch selbst als moralische Instanz, die dem "Bösen" entgegen gesetzt ist, fungieren. Ist beim Joker ähnlich. Da gibt es keine feste entgegen gesetzte Instanz, die Arthur Fleck Einhalt gebieten will. Da gibt es keinen Batman. Da gibt es nur den Joker und den Zuschauer als moralische Instanzen.
Versteh mich nicht falsch. ^^ Du kannst ja gern interpretieren, wie du willst. Und wenn du solche Filme nicht so schlimm findest, ist das völlig okay. Nur finde ich eben, um es mal kurz zu machen, dass manche mehr in so einen Film rein interpretieren, als er tatsächlich zu zeigen und zu geben imstande ist.
Lassen wir es am besten gut sein. Ich denke, auf einen Nenner kommen wir sowieso nicht. Aber schön, dass man über sowas mal vernünftig diskutieren konnte.
