System am 15.09.2008 15:54 schrieb:
Jetzt ist Ihre Meinung gefragt: Hier können Sie Ihren Kommentar zum Artikel veröffentlichen und mit anderen Lesern darüber diskutieren.
Perspektivwechsel:
Es ist vielleicht auch mal an der Zeit etwas zur Diskussionskultur in den Fachmedien wie der PC-Games zu sagen.
Denn so überflüssig und polemisch ich die ganze Diskussion um Killerspiele, wie sie von Seiten der Politik vorangetrieben wird, empfinde, umso enttäuschter bin ich, wenn Aussagen von Fachfeichzeitschriften als Reaktion auf Wahlkampfgezeter der Innenminister selbst auf trotzige Art und Weise unsachlich wird.
Liebe "PC Games", der Slogan "ich wähle keine Spielekiller" ist in seiner kalauernden Banalität geradezu bezeichnend. Es erinnert teilweise an kindlichen Frust, wie auf die Forderungen der Politker reagiert wird. Wenn das halbwüchsige Gamer in Kommentaren tun, mag das ok sein. Aber bitte nicht bei einem seriösen Printmedium.
Bewahrt Ruhe und versucht sachlich zu bleiben.
Wenn ein interview einer FACHzeitschrift - wie hier - sich selbst laufend am Rande der Unsachlichkeit bewegt, dann spielt man dem versiert parierenden Politiker nur in die Hände. (Nebenbei: Besonders schade ist dann natürlich auch, wenn bei unsinnigen Antworten oder offenkundigen Halbwissen nicht weiter nachgebohrt wird....)
Mit Unsachlichkeit meine Nachtürlich nicht den durchweg höflichen Tonfall der Fragen. Es geht eher um den Inhalt. Besonders der Konstruktion leicht hanebüchender Argumente.
Ich bin selbst an einem Lehrstuhl für Kriminologie tätig - zwar noch nicht besonders lange und ich würde ich sicher nicht als Experten für irgendwas bezeichnen - aber ich finde es wirklich mehr als albern, wenn ihr mit euren Fragen zu suggerieren versucht Christian Pfeiffer würde nicht objektiv forschen, weil er finanziell vom Staat abhängig sei.
Auch unter Kriminologen hat Pfeiffer sicher keinen unumstrittenen Ruf - gerade was gewisse populistische Tendenzen betrifft. Aber zu unterstellen er wäre gekauft, ist noch wesentlicher lächerlicher als zu behaupten die PC Games würde Spiele ihrer Anzeigenkunden besser bewerten.
Mit derartigem inhaltlichem "Rumgezicke" erreicht man vor allem eins: Das man euch als Pressevertreter nicht mehr ernst nimmt.
Und auch die Verbreitung von Halbwissen ist nicht dienlich. Der Europäische Binnenmarkt mit seiner Marktfreiheit steht einen Herstellungs- und Verbreitungsverbot eines Produktes nicht gänzlich entgegen (für das, was ihr meint steht Art. 23 EG-Vertrag). Man kann sehr wohl die Einfahr unterbinden, solange man die Hersteller anderer Mitgliedsstaaten nicht diskriminiert. Insofern sind EU-Grenzen eben nicht offen und man kann dies auch durchsetzen. (Oder habt ihr schon mal legal Gras aus den Niederlanden eingeführt?)
Wie viele Medien beruft ihr euch bei dem Anstieg der Jugendgewalt auf "Polizeiberichte", also das sog. "Hellfeld". Ein Anfängerfehler beim Umgang mit kriminalpolitischen Themen. Das die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst du offziell registrierte Delikte und lässt das sog. Dunkelfeld außen vor und gilt deswegen als weitestgehend nichtssagend. Daher gelingt es dem Innenminister auch zurecht euch die Zahlen um die Ohren zu hauen.
Obwohl es natürlichen eben nicht einfach nur an Computerspielen liegt, dass die Jugendgewalt gestiegen ist. Dafür gibt es sehr wahrscheinlich viele Ursachen. Die fast alle im Verantwortungsbereich der Politiker liegen. Statt trotzigem Schweigen wäre es hier an der Zeit gewesen mit fundiertem Gegenwissen zu kontern: Wie wärs mit der Frage nach einer verfehlten Integrationspolitik, unsinnigen Schulreformen und kürzungen im Sozialsektor?
Überhaupt: Warum bohrt ihr quasi nie nach?
Einmal mehr werden die unsinnigen Beispiele von Emsdetten und Erfurt angeführt. Es braucht nur einer kleinen Suche im Zeit-Archiv um diverse eklante andere Faktoren zu finden, die zu diesen tragischen Ereignissen geführt haben. Z.b. das Steinhäuser durch das grobmaschige Netz eines verhunzten thüringischen Bildungssystem gefallen ist und damit allein gelassen wurde.
Bringt endlich auf den Punkt, dass die ganze Debatte nur als Sündenbock für breitgefächertes staatliches Versagen dient! Die Innenminister wollen mit Verbotsforderungen, die sowieso kein Mensch durchsetzen kann, weil die staatlichen Institutionen schon gnadenlos mit Verkehrs- und BtM-Kriminalität überlastet sind, lediglich auf plumpe Weise Handlungsfähigkeit beweisen.
Solange die Debatte von Seiten der Spieler und Fachzeitschriften mit tumben Argumentationslinien geführt wird wie "Wir sind doch keine Verbrecher!" oder "Im Ausland dürfen die doch auch alles spielen wie sie wollen" ist hier kein Blumentopf zu gewinnen.
Also: Bitte, bitte. Hebt das inhaltliche Niveau der Auseinandersetzung. Ansonsten wäre es klüger sich ruhig zu verhalten, da den Demagogen der CDU/CSU sonst noch in die Hände spielt indem ihr Ihnen zusätzliche Projektsflächen bietet.
Denn so leid es mir tut: Aus diesem Interview und den halb-debilen Kommentaren im Anhang geht für den Unwissenden der Innenminister als Sieger hervor.
Gruß,
Asdi