AW:
JapanPowerUSA83 am 15.09.2008 18:30 schrieb:
Was mich immer wieder wundert, sind die Denkweisen der Nationen. ZB die USA.
Dort sind wiederum Brüste verboten. Schaut man sich eine der zahlreichen MTV-Sendungen an, werden soger Stinkefinger verschleiert gezeigt. Wieso? Wieso kann man hier zu jeder Tageszeit Titten im TV sehen? Jeden Tag gibt es für jeder Mann auf der Bild-Titelseite Möpse zu sehen? Ich zb finde, das muss incht sein. Bin aber nicht verklemmt oder sowas. Meine halt nur, dass das vllt nicht gut für die Entwicklung sein könnte. Ich bin mit meinen 25 zwar noch Jungfrau, aber das hat nix damit zu tun.
Die USA sind gleichzeitig ein schlechtes und sehr interessantes Beispiel für Medienzensur. Und es ist ein Beispiel bei dem man sieht, dass die meisten Leute in Deutschland Null Ahnung darüber und nur Vorurteile haben.
Was vielen Leuten hier nicht klar ist, ist dass die TV-Zensur in den USA nur für den Rundfunk gilt. Und damit sind wirklich nur terrestrisch empfangbare Sender gemeint. Das sind hauptsächlich die großen Networks ABC, NBC, FOX, CBS und das kleine CW (ehemals UPN/WB). Die FCC - die eigentlich die Rundfunkfrequenzen verwaltet, aber auch für die "decency standards" zuständig ist - hat keinerlei Befugnisse über das Kabelfernsehen. Und dessen Bedeutung ist den letzten 15-20 Jahren extrem gestiegen. Die frei empfangbaren Kabelsender halten sich zwar meistens von selbst an FCC-ähnliche Standards, da sie werbe-finanziert sind, aber die PayTV-Sender scheren sich einen Dreck darum.
Schau mal Serien von HBO, FX oder Showtime. Da gibt es sehr, sehr expliziten Sex, deutlich mehr Gewalt und zum Teil extrem viele Schimpfwörter. Dinge wie "The Sopranos", "The Wire", "Carnivale", "Deadwood", "The Tudors", "The L-Word", "Weeds" oder "The Shield" um nur ein paar zu nennen. Mal abgesehen vom Sex wird dass dann hier zum Teil entschärft und die Schimpfworte, gerade das sehr vielseitige "fuck", lassen sich sowieso oft nicht vernünftig übersetzen.
Oder der Nipplegate Skandal... den meisten Amerikanern ist das Theater darum auch peinlich. Die Sender haben übrigens gegen die Strafen geklagt und kürzlich recht bekommen. Sie können nicht für unvorhergesehen Vorfälle bei Live-Sendungen verantwortlich sein.
Was Computerspiele betrifft, gab es bisher etwa ein halbes Dutzend Versuche der Bundesstaaten, bei denen es lediglich darum ging die Altersempfehlungen verbindlich zu machen. Die sind alle kurze Zeit später vor Gericht für verfassungswidrig befunden worden, da es dort sehr hohe Hürden für die Einschränkung der Meinungsfreiheit gibt (u.a. Verhältnismäßigkeit, erwiesener Nutzen und ein sehr eng gefasstes Gesetz - also keine Gummiparagraphen wie hier). Mindestens genauso viele Initiativen sind in Parlamentsausschüssen gescheitert, weil man vorher schon gesehen hat, dass man damit nicht durchbekommen wird.
Die ganzen Kennzeichnungen der ESRB oder MPAA sind dort wirklich nur
Empfehlungen, aber die Industrie versucht sie auch durchzusetzen um sich damit die Regierung vom Leib zu halten.
Die Bundesregierung hat generell fast keine Befugnisse die Meinungsfreiheit einzuschränken. Die Autorität der FCC ist daher etwas nebulös. Es natürlich Regelungen nach denen "obscenity" nicht durch das First Amendment geschützt ist, und das ist in der Tat die Grundlage weshalb Sex und Flüche so streng gesehen werden, aber die Meinungen darüber ändern sich auch. So hat es bisher etwa alle 20 Jahre ein Grundsatzurteil gegeben, dass den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen Rechnung getragen hat. Heute stößt die Willkür der FCC den Sendern sauer auf, und auch die letzten Gerichtsentscheidungen haben das Verhalten der FCC indirekt etwas kritisiert.
Abgesehen davon, braucht man sich in Amerika wie gesagt nur Pay TV zuzulegen und schon hat man so viel Sex, Gewalt und Sprache wie man will.