Ok, nach ueber 70 Stunden in Odyssey kann ich Katha in einigen Punkten bei ihrer Kritik zustimmen, oder sie zumindest sehr gut nachvollziehen, in anderen aber nicht.
- Zum Beispiel die Sache mit dem Grinding. Gut, ich spiele das Spiel sehr langsam und, naja sagen wir mal ausfuehrlich aber ich bin inzwischen auch ca. 10 Level zu hoch fuer die ganzen Hauptquests die noch anstehen. Und die meiste Erfahrung bekommt man ja fuer die Huaptquests und "besseren" Nebenquests, also selbst jemand, der nicht so viel Erkundet wie ich sollte da eigentlich nicht wirklich auf Probleme stossen, es sei denn, man laesst aber auch wirklich alles links liegen und folgt absolut stur der Hauptquest (ich weiss, dass Matti seine Spiele gerne so spielt, drum nehme ich seine Grind Warnungen immer schon gar nicht mehr ernst, sorry
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), so ist das Spiel aber nunmal nicht designt. Und damit kommen wir auch gleich zum naechsten Punkt:
-Die Nebenquests: Hier muss man zum Verstaendnis sagen, dass es zwei Arten von Nebenquests gibt. Da waeren zum einen die kleinen Nebenquests, die oft IRL zeitbeschraenkt sind und in 24 Stunden abgeschlossen werden muessen, da sie sonst verfallen. Zunaechst mal: Was fuer eine bescheuerte Mechanik in einem SP Spiel!!! Wieso wollen mir die Entwickler hier in meine Spielzeiten IRL reinpfuschen. So was Bloedes. Klar, wenn man die Quest sausen laesst macht das gar nichts, denn diese kleinen Quests ploppen immer wieder auf (sie sind halt wie die radient quests in Skyrim, randomisiert) aber der psychologische Effekt eines Zeit-sensitiven Questmarkers nervt zumindest mich ohne Ende.
Man muss dazu sagen, es gibt dutzende dieser Quests, ich habe echt schon viele angenommen und hatte erst eine einzige Wiederholung. Also, riesen Aufwand in der Entwicklung fuer ein absolut bescheuertes System, das Spiel waere besser gewesen, haette man das ganze einfach weggelassen und sich auf andere Dinge konzentriert. Das sind uebrigens auch immer genau die Quests, in denen man Leute umbringt, die es wirklich nicht verdient haben, wie z.B. den Olivendieb. Wie gesagt, bescheuert.
- ABER: Neben diesen bloeden Quests gibt es auch noch die "richtigen" Nebenquests. Die sind zwar auch nicht immer toll (Ich glaube Katha selbst hat in ihrem Test-Meinungskasten eine besonders skurrile Quest ueber eine ziemlich notgeile Oma erwaehnt, ja die war echt komisch) aber da sind auch wirklich gute Quests dabei, die einem auch die Spielwelt naeher bringen. Zum Beispiel hatte ich erst gestern eine, in der einen Jungen, auf seinem Weg Agoge Training (dem harten Training, dem sich spartanische Jungen unterziehen mussten) begleiten soll, das ganze eskaliert dann in die Suche nach seinem Bruder und und und. Design technisch bewegt sich das ganze etwa auf Witcher 3 Sidequest Niveau, ich folge einem Charakter, dann habe ich einen Kampf, ein paar Dialoge, dann muss ich ein verlassenes Camp untersuchen, folge einer Blutspur durch die Welt (ohne Hexer Sinne

) und am Ende folgt noch eine moralische Entscheidung. Das ganze eroeffnet am Ende widerum eine ganze Anzahl an Folgequests. Ich sehe da jetzt nichts negatives dran, im Vergleich zu aehnlichen Spielen und diese Quests zeigen einem Dinge in der Spielwelt auf, wie hier z.B. ueber die spartanische Kultur. Die "guten" und "schlechten" Nebenquests lassen sich uebrigens dank unterschiedlicher Icons gut auseinanderhalten.. Ja, AC war nicht immer ein RPG, aber ich finde gerade im 11ten (!) Serienteil kann man da schon mal akzeptieren, dass das Spielkonzept sich ein wenig aendert (und das ist ja graduell geschehen, nicht von heute auf morgen).
- - Bei den Romanzen - wenn man sie denn so nennen mag - stimme ich Katha zu, da hat Ubisoft noch einiges zu verbessern, das ganze wirkt im Moment so beliebig, wie damals in Witcher 1. Ueberhaupt wirken die Charaktere wesentlich mehr wie eine Persiflage, als in den frueheren AC Spielen. Das antike Griechenland wird in Odyssey definitiv mit einem Augenzwinkern dargestellt. Darauf muss man sich einlassen und ich kann auf jeden Fall nachvollziehen, wenn man hier die relative Seriositaet der alten AC Teile vermisst, da sich diese ja selbst wesentlich ernster genommen haben. Ich selbst bin mir nicht sicher, was ich so davon halten soll.
- Ja, es gibt keine Assassinen und Templer im alten Griechenland (und der Neuzeit Plot ist dieses mal wirklich erschreckend schlecht). Aber immerhin kann ich - auch wenn ich durch die Story noch nicht ganz durch bin - schon absehen, dass es halt um die Vorgaenger Orgnaisationen geht. Ja, die heissen noch anders, es geht aber im Prinzip um das Gleiche wie immer. Die Hauptstory finde ich bisher also ganz in Ordnung. Ist zumindest nicht wesentlich schlimmer als in so manchem Vorgaengerspiel, wo der Assassinen/Templer Konflikt auch schon sehr aufgesetzt wirkte. Mir waere es auch lieber, da wuerde wieder mehr draus gemacht, ist aber kein Odyssey exklusives Problem.
- Die Schifffahrt finde ich in diesem Teil eigentlich proportional ganz gut integriert, nicht zu viel (wie damals in Black Flag mMn) aber sie bringt doch etwas Abwechslung rein und ich denke in dem Setting kam man eh nicht drum herum.
- Dass man nicht mehr ordentlich meucheln kann, wenn man nicht wirklich darauf skillt ist ein zweischneidiges Schwert denke ich. An sich finde ich die Idee mit dem skillen nicht so schlecht, ist halt jetzt ein RPG, allerdings stimmt hier mMn das ballancing nicht so ganz. Ich zum Beispiel habe ziemlich auf Assassine geskillt und habe gerade bei Elite Gegnern, selbst wenn sie 1-2 Level unter mir sind immer noch Probleme sie mit einem Schlag auszuschalten, was fuer das schleichen extrem wichtig waere. Hier waere ein bisschen besseres Balancing gefragt. Ansonsten finde ich das Gameplay eigentlich sehr gelungen. Schleichen und Kaempfen ist mMn wesentlich spannender und abwechslungsreicher als in frueheren Assassins Creed Teilen, in denen man einfach alles weggekontert hat und schleichen eigentlich immer zur Gleuckssache wurde.. Ich stimme hier lediglich ueberin, dass man den Parkour-Part etwas mehr verbessern/hervorheben haette koennen, der kommt wirklich etwas zu kurz.
'Ist das gameplay manchmal ziemlich repetitiv? Ja klar, aber welches gameplay ist das am Ende nicht und wenn ich nach ueber 70 Stunden immer noch dabei bin, dann ist das fuer mich schon mal ein gutes Zeichen. Abwechslung ist uebrigens durchaus vorhanden, man muss sie sich nur manchmal ein bisschen selber machen, indem man halt nicht immer die gleiche Taktik verwendet. Ist bei anderen Spielen dieser Art (Witcher 3, Skyrim) auch nicht anders und ganz ehrlich, die aelteren AC Teile wurden vom reinen gameplay her schon wesentlich frueher langweilig.
- Noch ein letzter Punkt: Bei der Umfrage, "was gefaellt euch am wenigsten in AC: OD?" musste ich "Anderes" ankreuzen, da mein Punkt nicht drin stand. Mich nervt am meisten die Icon Wut in der Spielwelt. Ich hatte mich wirklich auf den Exploration Modus gefreut, weil ich dachte, da fallen diese beschissenen Icons weg, aber nein, wieder dient diese wunderschoene Spielwelt, wie schon seit spaetestens Black Flag nur als Kulisse fuer ein icon Sammelbecken. Die Spielwelt ist wirklich toll, sie ist riesig aber das passt schon, aber sie ist halt - nur aufgrund der Icons - fuer mich nicht etwas, dass ich wirklich erkunde, sondern eher wie ein Rasenmaeher abgrase. Ich kann mich ueber keine Entdeckung freuhen, wenn alles schon in 2 km Entfernung auf meinem Kompass aufpoppt. Ich will wieder ein Spiel wie ein Gothic1/2 haben, wo man Orte auch wirklich entdeckt, weil man sie in der Spielwelt und nicht au der Karte/dem Kompass sieht. Nachdem, was ich lese ist hier RDR2 ein positives Beispiel, wenn das Erfolg hat schaut sich der ein oder andere Entwickler vielleicht mal was davon ab.
Abschliessend wuerde ich sagen, AC: Odyssey (und eigentlich auch schon Origins) macht sehr viel anders als die Vorgaenger. manches mag fragwuerdig und vieles ungewohnt sein, aber mMn machen die neuen Spiele sehr viel besser als es die Vorgaenger gemacht haben. Einige alte Schawechen (wie die Ivon Flut) wurden zwar nach wie vor uebernommen und man muss gerade bei Odyssey ein bisschen rausfinden welche Teile des Spiels man ignorieren muss (was nicht toll ist), aber wenn man das mal raus hat und wenn man sich darauf einlaesst, dass es halt mal ein etwas anderer Take auf die AC Serie ist, dann ist es einfach ein tolles Spiel.
EDIT: Ui, sorry, der Post ist jetzt etwas ausgeartet, aber es gab hier auch ziemlich viel zu kommentieren. Wie man Spielereihen und deren Entwicklungen wahrnimmt ist halt ein recht komplexes Thema.
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