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Urheberrechtsreform: Was ist ein Uploadfilter und welche Konsequenzen hat er?

Uploadfilter… das ich nicht lache: Wie soll ein Upload-Filter bitte feststellen, ob ein Uploader die Rechte tatsächlich nicht besitzt. Die Zahl an "false Positives" die einen Takedown bewirken ist ja schon heute hoch (da kommt es sogar vor, dass Material einem Takedown unterzogen wird, welches vom Rechteinhaber selbst beispielsweise auf Youtube hochgeladen wurde...), der kann ja dementsprechend nur noch höher werden...

Du erwartest Kompetenz in auch nur irgendeiner Sache außer einer Diätenerhöhung für Politiker von der EU?
 
Ohne Generalverdacht funktioniert das aber nicht. So wie eigentlich fast nie. Du willst in einen Club? Du stehst erst mal unter Generalverdacht unter 18 zu sein und musst deinen Ausweis vorzeigen. Du stehst da auch unter Generalverdacht, dass du illegale Dinge mit in den Club nehmen willst, wie Drogen, Waffen, eigene Getränke und musst einer Durchsuchung zustimmen, sonst kommst Du da nicht rein. Bei einer Fahrzeugkontrolle stehst Du unter Generalverdacht ohne Führerschein oder unter Alkohol/Drogen gefahren zu sein oder das Fahrzeug gestohlen zu haben und musst da Ausweis/Fahrzeugschein vorzeigen und ggf. einen entsprechenden Test machen. Liste beliebig ausweitbar auf die nächsten 100 Seiten.

Halt, nicht so schnell. Was private Clubs machen, ist erstmal deren Sache. Sobald du Graue Haare hast, wirst du auch nicht mehr so häufig nach deinem Ausweis gefragt. Für Polizeikontrollen gibt es normalerweise einen Anfangsverdacht (ansatzlose Personenkontrollen sind ein höchst umstrittenes Thema). Wie bei allen Rechtsgütern muss eine Abwägung vorgenommen werden: ist die potenzielle Gefahr groß genug, um etwaige Eingriffe in die individuelle Freiheit zu rechtfertigen? Bei Urheberrechtsverletzungen geht es nicht um mögliche Leben-oder-Tod-Situationen wie z.B. bei Waffenkontrollen am Flughafen, darum sehe ich keine gesteigerte Notwendigkeit Urheberrechtsverletzungen im Vorfeld zu verhindern, wenn man es mit weit weniger Schikanen im Nachhinein ahnden könnte.
 
Danke für den umfangreichen / verständlichen Artikel. Hörte zwar einiges darüber, bin nun aber dadurch (ebenso dank des verlinkten Videos in den Kommentaren) besser im Bilde.
 
Du meinst also den Rechteinhabern ist die Schikane zuzumuten ständig, permanent und dauernd sämtliche Plattformen dieser Welt händisch zu durchsuchen - das müssten sie ja dann, da es keinen Uploadfilter gibt - um dann ihre Anwälte das löschen zu lassen? Wäre es da dann nicht die kleinere Schikane, einfach einen Uploadfilter zu installieren und bei einer nachweislich falsch positiven Sperrung einfach nachzubessern?

Warum sollten die Rechteinhaber weiterhin die Kosten dafür tragen um ihre Rechte ständitg schützen zu müssen statt Youtube, Google, Facebook und wie sie alle heissen? Ich meine die wollen das ja auf ihre Plattform haben und verdienen Milliarden damit. Sollen sie etwas dafür tun.
 
Wenn es Politikern immer nur darum ginge, dass "die Politik" etwas davon hat, hätte ea auch nie Privatisierungen o.ä. gegeben. Die Frage ist immer, was einzelne Politiker davon haben. Auch hier ist der Zusammenhang vielleicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich, jedoch kann davon ausgangen werden, dass ein dezentrales Internet, in dem jeder Content verbreiten kann all jenen ein Dorn im Auge ist, die den Informationsstrom kontrollieren wollen. Ein rechtliches Drohszenario gegen Plattformen wie Youtube (aber auch private Homepages älter als 3 Jahre), das es deutlich aufwendiger und im Zweifelsfall auch langsamer macht, Inhalte zu verbreiten ist sicherlich in deren Interesse. Wenn in einer akuten Krise staatlich beeinflusste Zeitungen und Fernsehsender wieder die ersten sind, die Informieren (weil das Video bei allen anderen noch im Prüffilter hängt), ist bereits einiges gewonnen. Und ja, die Uploadfilter werden selbstverständlich auf "Terrorpropaganda" und "Fake-News" (im Sinne der Machthaber) ausgedehnt werden. Die Frage ist nicht ob, sondern wann. Autokratie ist das neue Schwarz.
Dabei gibt es aber das ein oder andere Problem:

1.) Ein solches, bzw. ein ähnliches Gesetz kommt einfach zu spät. Das Internet ist mittlerweile vollgestopft mit Daten, die einfach nicht mehr zu kontrollieren sind.
2.) Wer stellt denn sicher, dass bei einer eventuellen Prüfung tatsächlich alles mit rechten Dingen zugeht? Ein Uploadfilter ist sehr fehleranfällig und man hat nicht die personellen Ressourcen, um zigtausend kommerzielle Websites auf deren Inhalt zu überprüfen, sollte es erforderlich sein. Dieses Gesetz richtet sich ja nunmal nicht nur gegen große Firmen, wie Google/Youtube, Facebook und Co. Sondern eben auch gegen die kleinen Firmen.
3.) Es geht ja nicht nur um reine Information, also um Nachrichten, sondern ganz simpel auch um Musik, Comics, Videos zu irgendwelchen Konzerten etc.

Never ever wird das so klappen, wie du es da prophezeist. Dafür ist dieses Gesetz nicht weit genug gedacht und stellenweise auch sehr schwammig formuliert. ^^ Da die Verantwortlichkeit letztlich allein bei den Firmen liegt, werden die sich schon was einfallen lassen. Problematisch wird es mit Sicherheit. Für User und Seitenbetreiber. Aber die Politik schneidet sich da aber auch nur ins eigene Fleisch. Da gäbe es deutlich effektiviere, subtilere Methoden, um die eigenen Interessen durchzudrücken. Diese beiden Artikel sind quasi das, was der 2jährige Uwe macht, wenn er seinen Willen nicht bekommt: Er haut dem anderen Kind mit der Schippe aufn Kopf. Bringt zwar Aufmerksamkeit, aber ist in etwa so hilfreich wie Malaria.

Ich schätze mal, dass in den ersten Monaten der Filter brutal zuschlagen wird und vielleicht gerade mal 20% erfolgreich hochgeladen werden kann. Viele Youtuber werden entnerft aufgeben und zum Jobcenter pilgern. Youtube wird weniger Content haben, dafür aber qualitativ hochwertigeren.
Youtuber machen in der Regel eigenen Content und die erfolgreicheren Youtuber haben auch diverse Verträge mit Firma X und Y. Die werden davon vermutlich eher nicht betroffen sein. Auch wenn durchaus dafür bin, dass die ein oder andere Seite mal kräftig aufgeräumt gehört. Nur eben nicht auf die Art und Weise, die uns damit diesen Artikeln vorgesetzt wird.
 
Du meinst also den Rechteinhabern ist die Schikane zuzumuten ständig, permanent und dauernd sämtliche Plattformen dieser Welt händisch zu durchsuchen - das müssten sie ja dann, da es keinen Uploadfilter gibt - um dann ihre Anwälte das löschen zu lassen? Wäre es da dann nicht die kleinere Schikane, einfach einen Uploadfilter zu installieren und bei einer nachweislich falsch positiven Sperrung einfach nachzubessern?

Warum sollten die Rechteinhaber weiterhin die Kosten dafür tragen um ihre Rechte ständitg schützen zu müssen statt Youtube, Google, Facebook und wie sie alle heissen? Ich meine die wollen das ja auf ihre Plattform haben und verdienen Milliarden damit. Sollen sie etwas dafür tun.

Rechteinhaber durchsuchen gar nichts händisch, wir haben nicht mehr das 19. Jahrhundert...
Das geht heute alles vollautomatisch mit Webcrawlern.

Google ist nur eine Suchmaschine, die brauchen sich um gar nichts kümmern, wenn ein Rechteinhaber nicht gelistet werden will kann er das in seine robots.txt schreiben.

Was Facebook, Twitter und Co. angeht sehe ich hier die Nutzer selbst in der Verantwortung, Facebook kann letztlich für eine durch den Nutzer begangene Urheberrechtsverletzung genauso wenig was wie dein Internetprovider.
Um eine analoge Analogie zu schaffen, du verschickst eine illegale Kopie per Post und der Postbote muss dafür sorgen, dass die nicht versendet werden kann.

Tatsächlich wäre das mit dem Provider nach der Plattform dann der nächste Schritt. Viel Spaß im komplett zensierten Internet.

Und ja, es war auch schon in analogen Zeiten so, wollte ein Urheber seine Rechte wahren, dann musste er selbst tätig werden und Verstöße ausfindig machen. Dies haben teils dann Einrichtungen wie die Gema auch selbst gemacht, weil sie natürlich auch mit dran verdienen, eine "öffentliche" Feier nicht anzumelden konnte teuer werden ..., oder von den Rechteinhabern eigens dafür geschaffene Gesellschaften wie die GVU deren einziger Sinn und Zweck seit Jahrzehnten darin besteht Urheberrechtsverletzungen ausfindig zu machen. Lange bevor irgendwer wusste, was das Internet ist.
 
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Tja für die Politiker ist Internet immer noch Neuland. Sie glauben tatsächlich das kontrollieren zu können. Dabei ist das Internet durch seine massive Verzweigung (allein schon ohne das Darknet einzubeziehen) zu unkontrollierbar. Wenn man Youtube mit Regulierungen quasi in Dosen "tötet" suchen sich die Uploader eine andere Plattform. Wenn diese dann irgendwo in Hongkong, China oder was weiß ich wo sitzt ist eine Kontrolle quasi aussichtslos.

Man versucht jetzt eine Sache unter Kontrolle zu bekommen die unkontrollierbar bleibt. Und schlußendlich leidet der Endverbraucher darunter. Nichts mehr. Ich wäre dafür, daß die GEMA endlich dafür genutzt wird. Dann sollte es auch möglich sein, Musik vom Sänger X oder z.B. Videoaufnahmen von Konzerten bei Youtube einzustellen ohne daß der Künstler sich jetzt angepißt fühlt und glaubt ihm entgeht Geld und auf eine Streichung setzt.

Was allerdings meiner Meinung nach deutlich stringenter gehandhabt werden sollte sind z.B. Hatersprüche, strafrechtlich relevante Äußerungen, Volksverhetzung, Aufruf zu Angriffen auf Personen bis hin zu Mordaufruf u.ä. und genauso extreme linke Äußerungen (nicht nur die Rechte Seite). Dafür aber pauschal den Plattformbetreiber bestrafen zu wollen ist (von Ausnahmen einmal abgesehen) totaler Bullshit. Man sollte nur verlangen können, daß der die Daten der betreffenden herausrückt, die diese Äußerungen gemacht haben, damit man diese bestraft. Und es sollte bei all der Kontrolle auch nicht soweit gehen, daß freie Meinungsäußerungen nicht mehr möglich sind. Ich rede jetzt nur von expliziten extremen Äußerungen und Aufrufen.

Zuckerbergs Facebook z.B. ist bei der Streichung von solchen Beiträgen auch nicht der fixeste bzw. wird der Forderung solche zu streichen bzw. Meldungen von solchen Beiträgen durch den Betreiber teils auch ignoriert (selbst erlebt). Da wurden Sprüche losgelassen wie "Ermordet den Kerl oder macht den Kerl fertig". Der gehört in die Gaskammer usw. Aber auch Aufrufe z.B. bei G20 Autos abzufackeln und "kapitalistische Firmen" in Grund und Boden zu bomben. Solche Dinge und Beiträge gehören definitiv in den Bereich wo ich daraufhin eine Meldung losgelassen habe und passiert ist genau? Nix. Diese Sorte Beiträge standen noch 1 Woche später drin, 14 Tage später auch noch. Danach hab ich aufgrund der Menge der Daten die Verbindung zu diesen Threads dann irgendwann verloren. Ich bezweifle aber, daß diese Beiträge zwischenzeitlich gelöscht worden sind. Für mich sind beide radikalen Ecken der selbe Scheißhaufen (sorry). Egal ob links- oder rechtsradikal. Und wer diese unterstützt gehört genauso bestraft. Ungeachtet der Position und Herkunft. Und wenn eine Partei wie die Linke die Antifa und ihre radikalen Gruppen unterstützt ist das für mich genauso ein No go als wenn eine NPD Rechtsradikale Gruppierungen supportet. Wenn so etwas nachgewiesen ist gehören die Verantwortlichen bestraft. Egal ob Immunität aufgrund Politikerstatus oder nicht. Wenn man wegen paar Parteispenden bei der AFD die Immunität streicht sollte das auch bei den Linken bei einem stichhaltigen Verdacht gemacht werden können. Gleichheitsprinzip.

Auch Tierquälervideos u.ä. werden trotz Meldung meinerseits ebenfalls nicht gelöscht. In solchen Fällen wäre ich dafür Strafen gegen den Plattformbetreiber zu erheben. Aber erst dann, wenn er trotz Meldung von solchen Dingen nicht dagegen vorgeht und diese beseitigt.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Du meinst also den Rechteinhabern ist die Schikane zuzumuten ständig, permanent und dauernd sämtliche Plattformen dieser Welt händisch zu durchsuchen - das müssten sie ja dann, da es keinen Uploadfilter gibt - um dann ihre Anwälte das löschen zu lassen?

Ja allerdings, da die Rechteinhaber innerhalb der Gesellschaft eine vergleichsweise kleine Gruppe sind (und wie schon gesagt, ich gehöre dazu). Das legitime Interesse der Urheber, von ihrer geistigen Leistung zu profitieren, muss gegen das ebenso legitime Interesse der Gesellschaft abgewogen werden, diese geistige Leistung zum Wohl der Allgemeinheit nutzen zu können. Deshalb gilt Urheberrecht auch nicht unbegrenzt und deshalb gibt es diverse Ausnahmen (Zitatrecht, in einigen Ländern die Fair-Use-Klausel). Manch ein Urheber fühlt sich zwar ungemein wichtig, aber letztendlich sollte ihm klar sein, dass seine Rechte lediglich einen finanziellen Anreiz darstellen sollen, weiterhin schöpferisch für die Gesellschaft tätig zu sein, wenn auch mittelbar. Ich könnte mir durchaus eine Gesellschaft vorstellen (z.B. mit allgemeinem Grundeinkommen), wo Urheberrechte gänzlich entbehrlich werden, aber das ist noch Science-Fiction.

In der Praxis rate ich allerdings davon ab, die ganze Welt (bzw. das ganze Netz) auf die Einhaltung der eigenen Rechte überwachen zu wollen. Das lohnt sich vielleicht für Konzerne wie Disney, wo es um viele Millionen geht, ist für Privatpersonen aber in aller Regel reine Zeitverschwendung.
 
Äh, das Recht Inhalte zu nutzen hört aber da auf, wo dafür keine entsprechende Gegenleistung erbracht wird. Will ich z.B. im Buchladen einen Roman kaufen muss ich dafür bezahlen - im Kauf sind da die "Lizenzgebühren" enthalten, kaufe ich eine Musik-CD, eine Film-DVD verhält es sich ebenso. Schaue ich das aber auf Youtube oder sonstwo ist das nicht immer der Fall. Warum sollte also hier ein Produzent, ein Autor, ein Filmschauspieler auf einen Teil seiner Einnahmen verzichten, nur damit da ja niemals etwas kontrolliert wird bzw. die Kontrollen von der falschen Stelle bezahlt werden müssen?

Angenommen dein Denkansatz setzt sich durch und die "Allgemeinheit" kann alle Inhalte frei nutzen, wie es ihr beliebt. Hmm, wieviele Spielfilme, Romane, Zeitschriften/Zeitschriften, Spiele etc werden dann wohl noch erscheinen, da ja dann offensichtlich niemand/kaum jemand bereit ist dafür zu bezahlen?

Achja: Währe es dann auch richtig im Sinne der Allgemeinheit, wenn man irgendwo eine Ladung CDs entwendet, um diese dann kostenlos/kostengünstig weiterzugeben? Ist es dann auch richtig, wenn der Verlag die gesamten Ermittlungen nach dem Täter übernimmt? Die Polizei wird sich freuen, viel weniger Arbeit. Hmm
 
Zuletzt bearbeitet:
Äh, das Recht Inhalte zu nutzen hört aber da auf, wo dafür keine entsprechende Gegenleistung erbracht wird. Will ich z.B. im Buchladen einen Roman kaufen muss ich dafür bezahlen - im Kauf sind da die "Lizenzgebühren" enthalten, kaufe ich eine Musik-CD, eine Film-DVD verhält es sich ebenso. Schaue ich das aber auf Youtube oder sonstwo ist das nicht immer der Fall. Warum sollte also hier ein Produzent, ein Autor, ein Filmschauspieler auf einen Teil seiner Einnahmen verzichten, nur damit da ja niemals etwas kontrolliert wird bzw. die Kontrollen von der falschen Stelle bezahlt werden müssen?

Angenommen dein Denkansatz setzt sich durch und die "Allgemeinheit" kann alle Inhalte frei nutzen, wie es ihr beliebt. Hmm, wieviele Spielfilme, Romane, Zeitschriften/Zeitschriften, Spiele etc werden dann wohl noch erscheinen, da ja dann offensichtlich niemand/kaum jemand bereit ist dafür zu bezahlen?

Urheberrecht sollte nicht dem Schutz eines Geschäftsmodelles dienen. Kunst wird produziert, seit Menschen Höhlenwände bemalt haben. Finanziert wurde sie in den diversen Epochen auf ganz unterschiedliche Weise. Lizenzen sind eine Möglichkeit, aber garantiert nicht die einzige Art und Weise, wie Kunst finanziert werden kann. Vielleicht ist es einfach so, dass das "Geschäftsmodell Rechteinhaber" durch den technischen Fortschritt der Menschheit überholt wurde, genauso wie die erste Druckpresse die Klosterschreiber von einem Tag auf den anderen aus dem Geschäft geworfen hat, die Bibel zu vervielfältigen.

Achja: Währe es dann auch richtig im Sinne der Allgemeinheit, wenn man irgendwo eine Ladung CDs entwendet, um diese dann kostenlos/kostengünstig weiterzugeben? Ist es dann auch richtig, wenn der Verlag die gesamten Ermittlungen nach dem Täter übernimmt? Die Polizei wird sich freuen, viel weniger Arbeit. Hmm

Diebstahl und illegale Kopie ist nicht dasselbe, war es noch nie und wird es auch nie sein. Bei ersterem fehlt dem ursprünglichen Eigentümer nach dem Diebstahl sein Gut, bei letzterem nicht.
 
Urheberrecht sollte nicht dem Schutz eines Geschäftsmodelles dienen. Kunst wird produziert, seit Menschen Höhlenwände bemalt haben. Finanziert wurde sie in den diversen Epochen auf ganz unterschiedliche Weise. Lizenzen sind eine Möglichkeit, aber garantiert nicht die einzige Art und Weise, wie Kunst finanziert werden kann. Vielleicht ist es einfach so, dass das "Geschäftsmodell Rechteinhaber" durch den technischen Fortschritt der Menschheit überholt wurde, genauso wie die erste Druckpresse die Klosterschreiber von einem Tag auf den anderen aus dem Geschäft geworfen hat, die Bibel zu vervielfältigen.



Diebstahl und illegale Kopie ist nicht dasselbe, war es noch nie und wird es auch nie sein. Bei ersterem fehlt dem ursprünglichen Eigentümer nach dem Diebstahl sein Gut, bei letzterem nicht.

Welchem Zweck sollte das Urheberrecht sonst haben? Das Urheberrecht soll das geistige Eigentum schützen, damit der Rechteinhaber damit nach seinem Belieben verfahren kann, auch um damit Geld zu verdienen. Man kann aber auch, nach deiner Definition, einem Autor, einem Musiker zumuten, dass er von Luft und Liebe lebt und sich Dinge des täglichen Lebens auf der Straße zusammenbettelt. Denn er ist ja nicht würdig, dass sein Geschäftsmodell geschützt wird.

Und doch: Wenn ich z.B. ein Musikvideo illegal hochlade, fehlt den entsprechenden Künstlern/Produzenten ihr Gut, denn ich biete das Gut an, verdiene ggf. Geld damit und habe dem Urheber/Künstler damit seine Einnahmen "gestohlen", die diesen dann natürlich fehlen.

Sicher, es gab in der Vergangenheit andere Methoden der Finanzierung. Du persönlich könntest ja damit anfangen und einem beliebigen Künstler seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, damit dieser dann seine Kunst dem Rest der Menschheit kostenlos zur Verügung stellen kann. Bei einem Komponist z.B. müsstest Du dann noch Musiker, Studio, Instrumente etc. mit finanzieren, aber das stört dich ja nicht. Bei einem Buchautor währen dass dann z.B. die ganzen Druckkosten, für Hunderttausende Bücher, Versand derselben etc. Man will ja schließlich nicht, dass die Allgemeinheit irgendetwas für Kunst bezahlen muss.
 
Welchem Zweck sollte das Urheberrecht sonst haben? Das Urheberrecht soll das geistige Eigentum schützen, damit der Rechteinhaber damit nach seinem Belieben verfahren kann, auch um damit Geld zu verdienen.

Jedoch ist ein Gesetz oder ein Rechtesystem nur so viel Wert, wie es sich an der technischen Realität messen lässt. In einer Welt, in der das Erstellen einer Kopie zum einen technisch so simpel ist, dass jedes Kleinkind eine solche Kopie erstellen kann und zum anderen die Kosten für eine solche Kopie in der Nähe von 0 rangieren, wird die Implementation eines solchen Rechtesystems ganz grundsätzlich in Frage gestellt. Daher auch mein erstes Posting in diesem Thread: Ein Uploadfilter wird nie erkennen können, ob der Uploader tatsächlich die Rechte besitzt oder nicht.

Man kann aber auch, nach deiner Definition, einem Autor, einem Musiker zumuten, dass er von Luft und Liebe lebt und sich Dinge des täglichen Lebens auf der Straße zusammenbettelt. Denn er ist ja nicht würdig, dass sein Geschäftsmodell geschützt wird.

Du legst mir hier Worte in den Mund oder verdrehst meine Aussage so, dass sie in Deinen Argumentationsstrang passt. Wie gesagt, es gab und gibt unterschiedliche Geschäftsmodelle, die in gewissen Epochen funktionierten und in anderen nicht. Auch heute kannst Du einen Künstler beispielsweise direkt unterstützen, z.B. mit einer Zahlung auf PayPal, oder dessen Schaffen auf Kickstarter finanzieren, wenn er oder sie sein neustes Projekt vorstellt. Alternativen sind da - diejenigen die in dieser neuen Welt am meisten zu fürchten haben, sind die bisherigen "Schlüsselmeister": Diejenigen die nie selbst Kunst erstellt haben, jedoch die alleinige Kontrolle über den Vertrieb derselben hatten.

Und doch: Wenn ich z.B. ein Musikvideo illegal hochlade, fehlt den entsprechenden Künstlern/Produzenten ihr Gut, denn ich biete das Gut an, verdiene ggf. Geld damit und habe dem Urheber/Künstler damit seine Einnahmen "gestohlen", die diesen dann natürlich fehlen.

Das ist eine Annahme und kein tatsächlicher Verlust. Die Chancen, dass der Künstler/Produzent das Geld auf andere Weise tatsächlich erhalten hätte, stehen 50/50. Ein tatsächlicher Verlust (wie bei einem Diebstahl) und ein potentieller Verlust sind nun mal nicht dasselbe.

Sicher, es gab in der Vergangenheit andere Methoden der Finanzierung. Du persönlich könntest ja damit anfangen und einem beliebigen Künstler seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, damit dieser dann seine Kunst dem Rest der Menschheit kostenlos zur Verügung stellen kann. Bei einem Komponist z.B. müsstest Du dann noch Musiker, Studio, Instrumente etc. mit finanzieren, aber das stört dich ja nicht. Bei einem Buchautor währen dass dann z.B. die ganzen Druckkosten, für Hunderttausende Bücher, Versand derselben etc. Man will ja schließlich nicht, dass die Allgemeinheit irgendetwas für Kunst bezahlen muss.

Meine Lieblingsband ist Depeche Mode - würde ich heute ein Kickstarter-Projekt entdecken, in der die Band ihr nächstes Album finanzieren lässt, würde ich ohne mit der Wimper zu zucken meinen Beitrag leisten - und ich bin davon überzeugt, dass genug andere das tun würden. Des weiteren bin ich überzeugt davon, dass sie dadurch mehr Geld einnehmen würden als über das klassische Label-System.
Ich habe schon so manches Projekt auf Kickstarter mitfinanziert - ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass andere das von mir finanzierte Werk später für lau kriegen werden. Klar, davon wird der Künstler - und dessen Kinder, und dessen Kindeskinder - nicht auf ewig leben können. Aber so schlecht finde ich das nicht: Er wird für seine Arbeit bezahlt, anstatt für ein Recht. Das werden die meisten von uns: Für ihre Arbeit bezahlt. Stell Dir z.B. einen Tischler vor, der einen Stuhl erschafft und für diesen Stuhl immer dann Geld will, wenn jemand sich darauf setzt. Würdest Du wohl auch hirnrissig finden, nicht wahr? Doch während in den meisten Berufen die Bezahlung für eine geleistete Arbeit einmalig ist, hat es sich in der Kunst eingebürgert, dass für dieselbe Arbeit wieder, und wieder, und wieder bezahlt werden soll... Ich finde das, gelinde gesagt, etwas befremdlich, dass dies so selten hinterfragt wird. Wir haben uns dermassen an dieses Geschäftsmodell gewöhnt, dass die meisten von uns Alternativen gar nicht erst in Betracht ziehen.
 
@ Xanbor:
Künstler bekommen auch Geld von den Verwertungsgesellschaften und nicht nur vom Verkauf ihrer Produkte.
Denn es gibt auch so etwas wie Privatkopie, du kannst aus dem Radio (auch Internetradio) oder aus dem Fernsehen (auch Internetstream etwa von Netflix) völlig legal selbst aufnehmen. Auch öffentliche Bibliotheken gibt es, wo man Medien praktisch für lau ausleihen kann (und naturgemäß sich eine Kopie erstellen darf).
Hier ist das Urheberrecht entsprechend eingeschränkt, der Rechteinhaber kann eben nicht machen was er will sondern muss gewisse Dinge hinnehmen, als Ausgleich bekommt er deswegen von den Verwertungsgesellschaften eine Vergütung.

So einfach wie du die Sache darstellst ist das nämlich alles gerade nicht. Es gibt Zitatrecht, d.h. Ausschnitte aus einem Werk dürfen genutzt werden, im amerikanischen gibt es das "fair use", wenn keine Finanzinteressen vorhanden sind dürfen urheberrechtlich geschützte Dinge etwa für eine Persiflage (siehe die beliebten Memes) benutzt werden usw.

Die großen Medienverlage agieren hier übrigens sehr unterschiedlich, einige halten an den alten verkrusteten Strukturen fest und versuchen sich mit Zähnen und Klauen gegen eine Verbreitung im Internet zu wehren, andere gehen mit der Zeit und veröffentlichen selbst, etwa direkt auf You Tube. Beispiel: Japanische Musikverlage und Künstler sind extrem konservativ und restriktiv, die Verträge die die haben verbieten sogar bei Spielen teilweise, dass die Musik außerhalb Japans in dem Spiel genutzt wird. Dem entgegen stehen die koreanischen Plattenlabels, die fast alle eigene YT Kanäle haben wo du dir die neusten Musikvideos und vieles mehr direkt anschauen kannst, oft inzwischen in 4k und sehr guter Soundqualität.
Und jetzt rate mal, wer von beiden (finanziell) erfolgreicher ist... na .. jupp, es sind die koreanischen Label, weil die sich ein irre großes Publikum erschließen.

Und natürlich sind die deutschen / europäischen Label mit Ausnahme einiger kleiner eher in den aussterbenden alten verkrusteten Strukturen beheimatet, weil sie unflexibel sind. Auf lange Sicht werden aber auch neue Gesetze sie nicht retten.
 
Ehrlich gesagt, habe ich noch überhaupt keinen Politiker gehört, der eine wirkliche Ahnung von der Materie "digitale Welt" hatte.

Diese Politiker kommen erst noch. Jetzt müssen wir uns noch mit denen herumschlagen, die den kalten Krieg nach wie vor für eine Bedrohung halten.

Natürlich wäre es unrealistisch zu erwarten von einem Politiker allwissend zu sein. Da wäre es dann wirklich mal nicht schlecht für das Thema sich Berater zu leisten.
 
Sicher bekommen Künstler Geld von Verwertungsgesellschaften. Aber die müssen erst einmal Geld haben um es weiter zugeben. Das bedeuted, dass der Youtuber, der ein Musikvideo/einen Film online stellt eben eine Lizenz erwerben und auch bezahlen muss. Und um dieses Thema geht es beim Artikel 13.

Sicher, man darf sich eine private Kopie erstellen - dafür waren aber früher bei Kassetten, CDs, Brennern eben schon eine Lizenzpauschale mit eingerechnet, die dann eben an Verwertungsgesellschaften abgeführt wurden. Ob das noch immer so ist, entzieht sich meiner Kentniss. Aber dieses Thema ist nicht Bestandteil von Artikel 13, das wurde schon viel früher geregelt, wohl kurz nachdem Tonaufnahmen zu hause gemacht werden konnten - mittels Tonbändern/Kassettenrekordern oder ähnlichem. Diese durfte ich aber nicht öffentlich kommerziell weiterverwenden. Bei Youtube ist aber alles öffentlich geteilt und deshalb Lizenzpflichtig, damit Künstler bezahlt werden können.
 
Und deswegen zahlt You Tube (nach jahrelangen Verhandlungen) in Deutschland heutzutage Gema ...

Theoretisch ist es heute mit dem Internet leichter sich Kopien für Privat zu besorgen, früher musste man halt aus dem Haus gehen und sich das ausleihen. Aber jeder Mensch kann ohnehin nur Summe X konsumieren.

Wer sich z.B. 100 Musikalben mal eben so aus dem Netz zieht, hört er die wirklich oder liegt der Großteil nicht ohnehin ungenutzt auf seiner Platte und wird nie angerührt? Soll er doch, warum sich groß darüber aufregen?
 
Welchem Zweck sollte das Urheberrecht sonst haben? Das Urheberrecht soll das geistige Eigentum schützen, damit der Rechteinhaber damit nach seinem Belieben verfahren kann, auch um damit Geld zu verdienen. Man kann aber auch, nach deiner Definition, einem Autor, einem Musiker zumuten, dass er von Luft und Liebe lebt und sich Dinge des täglichen Lebens auf der Straße zusammenbettelt. Denn er ist ja nicht würdig, dass sein Geschäftsmodell geschützt wird.

Und doch: Wenn ich z.B. ein Musikvideo illegal hochlade, fehlt den entsprechenden Künstlern/Produzenten ihr Gut, denn ich biete das Gut an, verdiene ggf. Geld damit und habe dem Urheber/Künstler damit seine Einnahmen "gestohlen", die diesen dann natürlich fehlen.

Der tiefere Sinn davon ist aber gerade nicht, dass der Künstler etwas davon hat, sondern, einen Rahmen zu schaffen, in dem die Gesellschaft weiterhin Künstler hervorbringt. Frei nach Adam Smith soll die individuelle Gier zum Vorteil aller gereichen. Man könnte neben diesem marktwirtschaftlichen Ansatz aber auch ganz andere Strategien verfolgen, darum ist der Einwand berechtigt. Geistiges Eigentum ist nichts "natürliches", auf das man einen gottgegebenen Anspruch hätte. Es ist ein Mittel zum Zweck, dass großzügig gewährt wird.

Und nein, einem Künstler wird durch illegale Verwertung nichts gestohlen, schon gar nicht geraubt, es werden höchstens Leistungen erschlichen für die man ggf. hätte bezahlen müssen (was auch nicht ok ist, aber eben noch mal eine Stufe niedriger. Der passendere Vergleich wäre hier z.B. das Schwarzfahren).
 
Die Gema ist so oder so ein Witz. Ich wollte mir einst auf Youtube auf dem Kanal von "Queen" Videos von "Queen" anschauen, an denen sie ja wohl die Rechte haben. Aber die Gema meinte dann, dass sie mehr Rechte als der Urheber (Text/Kompositon/Musik und Gesang auch noch vom Urheber) haben und haben die für Deutschland gesperrt. Klingt doch logisch.

Das Urheberrecht, das die Rechte eines Künstlers schützt ist nicht dafür da, dass der Künstler etwas davon hat? Also jetzt wird es lächerlich. "Tarifverträge sind nicht dazu da, dass Arbeitnehmer etwas davon haben". Also spätestens nach diesem "Käse" bin ich hier raus.
 
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