AW:
Titato am 16.04.2009 17:17 schrieb:
Und wieder mal die Frage um Moral. Was denn ist bitte noch moralisch richtig in dieser Welt?
Verstehe diese Kritik nicht wirklich.
Für mich sieht das aus, als käme da eine interaktive Dokumentation auf uns zu. Ich selber liebe "Kriegs-Spiele", denn sie dienen mir unteranderem auch als "Wissensvermittlung", sofern sich das Spiel an Realität und Wahrheit orientiert
super einstellung, wirklich.
endlich mal konsequent ammoralisch sein und das aus der erkenntnis, das die welt kaum noch moralisch richtiges hergibt. konsequenterweise solltest du wenn jemand getreten wird, hingehen und nochmal kräfig nachtreten, spielt ja eh keine rolle...womit du natürlich recht hast, denn was ist schon das menschliche individuum angesichst des universums. hoffentlich tritt dich nie jemand, denn dann kannst du dich ja konsequenterweise auf nichts berufen.
schön ist auch dein verständnis von dokumentationen, aus denen du dein wissen ziehst. computerspiele sind da sicherlich die beste wahl, vor allem, wenn sie vom amerikanischen geheimdienst mitentwickelt werden. da kannst du dann ganz subjektiv in first person-sicht die objektive wirklichkeit erleben, die dir vom spieleentwickler vorgegeben wird. vermutlich wirst du aufgrund der immer besser werdenden grafik immer mehr weitsicht entwickeln, man sieht ja auch mehr, heutzutage, sozusagen eine echte horizonterweiterung (oder ist der bildschirm doch nur 50 cm weit entfernt?)
zum spiel:
1. menschen die im krieg waren entwickeln vermutlich auf dauer mehr distanz zu den geschehnissen. deswegen könnte man sagen, dass ein weltkriegsshooter weniger unmoralisch ist. gleichzeitig lässt sich diese these nicht eindeutig untermauern. denn im weltkrieg waren gleichzeitig mehr menschen betroffen. diese moralische frage ist also kein rechenspiel.
shooter sind in gewisser weise generell unmoralisch. Setzt man voraus, das der konsument in der lage ist, sich kritisch vom spielinhalt zu distanzieren, ist das spielen von shootern zu vetreten. diese kritische distanz ist jedoch nicht jedem gegeben.
2. vorzugeben, einen dokumentationsartigen charakter ins spiel zu bringen ist lächerlich. "propaganda" passt wohl besser, bei einem spiel, in welchem der geheimdienst mitfinanziert und das geschehen aus einer sichtrichtung geschildert wird. qualitätsmerkmale von dokumentationen(aus wikip.):"Vollständigkeit, Übersichtlichkeit, Verständlichkeit, Strukturiertheit, Korrektheit, Editierbarkeit, Nachvollziehbarkeit, Integrität/Authentizität (z. B. Änderungshistorie), Objektivität"
bei einem 3d-shooter von übersichtlichkeit auszugehen, halte ich für unwarscheinlich. zum thema objektivität: nicht nur der geheimdienst finaziert, sondern auch die herren entwickler scheinen von diesem begriff bisher nichts gehört zu haben: als quelle für informationen wird die army angegeben, über die wiederstandskämpfer wird postuliert keinerlei intention gehabt zu haben, am leben zu bleiben. das ist nicht nur subjektive dummheit, sondern eine völkerrechtliche frechheit, einem menschen in den mund zu legen, er wolle sterben.
Erhöht wird hier nicht der dokumentationsanteil, sondern der realismusgrad, der vom spieler wahrgenommen werden soll. dies ist einerseits marketingtauglich und andererseits kann dadurch eine erhöhung der identifikation des spielers mit den spielinhalten erzeugt werden, was die propagandawirkung erhöht (soll heißen: jemand, der gerne soldat sein will, der heroisch irakis abschießt, wird sich eher mit einem scheinbar realistischen spiel identifiziern und sich in diese rolle hereindenken, als wenn das spiel ein verpixelte grafik hat und statt mit MP mit wasserpistole geschossen wird).
3. angesichts des propagandalastigen inhalts ist davon auszugehen, dass das spiel nicht zur reinen unterhaltung dient, sondern zur militarisierung, heroisierung von krieg, patriotismus und kriegstreiberei aufrufen soll. als in deutschland sitzender zocker kann man sichs da leicht machen und sagen: ich zocke nur zum spaß und das betrifft mich alles nicht. bei der bewertung eines mediums muss aber auch und hier in erster linie die wirkung auf us-amerikanische konsumenten berücksichtigt werden. diese dürfte vermutlich stärker empfänglich für derartige propaganda sein.
Also viel spaß beim kriegsspielen und passt auf, das ihr es dabei belasst und so ein spiel nicht als wahrheitsvermittlung missversteht. Falls doch, könnt ihr euch immer noch auf eure volljährigkeit befrufen, schließlich nimmt man mangelndes verständnis von sinn und weck von computerspielen nur minderjährigen übel.
(wobei, vielleicht erwartet man von erwachsenen auch weniger dummheit, welch irrglaube).