AW:
Dass der Punkt mit den sinkenden Heftverkäufern nicht so richtig aufgegriffen wurde hatte mich jedoch auch enttäuscht, dies wäre eine der wichtigsten Fragen gewesen, zu denen ich mir eine Antwort gewünscht hätte, wobei die Frage (teilweise) dadurch beantwortet wurde, dass die Verkäufe durch die ganzen Zusatzmagazine etwas aufgefangen werden. Als langjähriger PC Games Leser ist dies jedoch recht unbefriedigend, denn übersetzt heißt das ja fast so etwas wie: „ Ja die PC Games wird bald aussterben, aber der Verlag macht genug Einnahmen durch die ganzen WoW- und MMO- Hefte, daher kein Problem“.
(...)
Interessant gefunden hätte ich in der Hinsicht eine Diskussion über die Zukunft eures Mediums allgemein in Zeiten des Internets – dies ist sicher ein viel allgemeineres Thema als einfach nur auf Spielemagazine bezogen, aber ich kann mir langfristig nicht vorstellen ( dh in 10 Jahren+), dass Game-Magazine in dieser Form noch existieren (abgesehen von irgendwelchen MMO Magazinen), betroffen seid ja nicht nur ihr. Wie seht ihr da die Zukunft? Vielleicht bietet sich das ja an, das Thema beim nächsten Podcast mit zu besprechen oder in einer Art Special.
Ich hatte ja eingangs meines Statements befürchtet, dass es zu einer abendfüllenden Diskussion ausartet, wenn wir über die Zukunft der Spielemagazine philosophieren
Also, nochmal Tacheles: Spielemagazine hatten ihr Hoch Ende der 90er Jahre, mit einer starken PC Games, einer starken Gamestar und einer starken PC Player. Bis dahin sind die Auflagen konstant gestiegen, auch die Konsolenhefte hatten - aus heutiger Sicht - unglaubliche Verkaufszahlen.
Seit dem Jahre 2000 - also seit gut zehn Jahren - sinken die Auflagen. Mal langsam, mal in stärkeren Schüben. Die Zahl der Leser ist dagegen halbwegs stabil geblieben.
Woran liegt das?
a) Es gibt VIEL weniger Publisher und VIEL weniger Spiele als vor 15 oder 10 Jahren (leicht nachzuprüfen an den Inseraten und Testrubriken jener Zeit)
b) Spieler beschäftigen sich VIEL länger mit einzelnen Spielen (egal ob Counter-Strike, Sims oder GTA)
c) Die Spiele selbst sind VIEL umfangreicher und komplexer geworden (Ausnahmen sind story-basierte Spiele wie z. B. Adventures oder Action-Adventures).
d) Gerade junge Menschen verkucken sich in Browser- und Clientgames (z. B. weil die Kumpels auch in Metin 2 und Co. abhängen)
e) The Internet -- das Demos, Trailer, Patches, Treiber etc. ohne Ende bereit hält (man darf nicht vergessen, dass Ende der 90er die Computerzeitschriften die wichtigsten Kanäle für die Verbreitung von Bugfixes, Demos etc. waren).
f) World of Warcraft und zwei, drei andere MMOs dieses Kalibers -- das sind übern Daumen gepeilt knapp 2 Mio. Leute im deutschsprachigen Raum.
g) ... und noch fünf bis zehn weitere Punkte.
Nicht zu vergessen ist auch, dass gerade pcgames.de ausgesprochen erfolgreich unterwegs ist und zu den größten Spiele-Websites der Republik gehört.
Wir sind Dienstleister für Spieler, sprich: Wir müssen unsere Magazine auf die Leser ausrichten und für jeden Bedarf das passende Paket (PCG Hardware, MMORE, Extended, Magazin ohne DVD, Anno-Sonderheft, Runes of Magic-Sonderheft...etc.) schnüren. Das ist viel komplexer, aufwendiger, schwieriger und teurer als in den 90er Jahren -- wir beschäftigen heute viel mehr Leute (intern wie extern) als 1999 und bringen auch viel mehr verschiedene Hefte auf den Markt.
Klassische Spielemagazine müssen sich auf Dinge konzentrieren, die es nicht oder nicht so ohne Weiteres im Netz gibt: Enthüllungen und Premieren, möglichst ausführliche Tests, exklusive Studiobesuche usw. Wir werden uns auch 2010 um die Themen kümmern, die die Leute bewegen -- Diablo 3, Mafia 2, Bioshock 2, Modern Warfare 2, Dragon Age, Starcraft 2, Siedler 7, Drakensang 2 usw. Das ist und bleibt unser Kern. Und deshalb muss einem um eine PC Games auch nicht bang sein; Themen und Ideen werden uns so schnell nicht ausgehen.
Freue mich auf Zustimmung, Widerspruch und jeden Kommentar
Petra
PC Games