Es gibt in Deutschland vielleicht ein paar tausend Neonazis.
Auf die Gesamtbevölkerung betrachtet ist das ein verschwindend geringe Anzahl.
Ehrlich gesagt sehe ich auch nicht, dass die irgendeine Rolle spielen im Land. Sie sind bedeutungslos.
Okay nehmen wir mal diesen Teil und besprechen ihn für einen Moment. Die tatsächlichen Staftäter, die Neonazis häufig sind, sind eine verschwindende Minderheit. Ich denke kaum jemand wird das abstreiten. Auffällige Extremisten sind immer kleiner in Zahl als der Rest des Spektrums. Das sehen wir bei Linksextremismus ebenso wie bei Islamismus bspw.. Die RAF-Terroristen haben buchstäblich auf ein einziges Plakat gepasst. Also was heißt das nun, wenn nur eine verschwindende Minderheit hochgradig kriminell ist? Dass sie bedeutungslos sind? Wirklich? Ich hege ernsthafte Zweifel.
Bei der letzten Bundestagswahl haben fast 10,2 Mio Menschen die AfD gewählt. Wären heute Wahlen, wären es noch mehr. Von diesen Menschen halten nur ca. 4% die AfD für rechtsextrem (siehe ARD-DeutschlandTrend vom Mai 2025).
Man könnte also vielleicht einfach mal aktzeptieren, dass Menschen unterschiedliche Auffassungen haben was "rechtsextrem" bedeutet, und das nicht als Exoten-Meinung, sondern von einem beträchlichen Teil der Bevölkerung unterlegt.
Warum sollte man das? Würde ich diese Frage den Menschen 1932 stellen, wie sie zur KPD oder NSDAP stehen, würden die Menschen die KPD und NSDAP wählen sagen, diese sind extrem? Oder würden Anhänger sagen "ach was, ist ja nicht so schlimm"? Wir haben ja Aussagen von damals, ich erlaube mir eben ein Zitat von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, Oktober 1932: „Die Nationalsozialisten sind keine Extremisten. Sie haben sich in der politischen Auseinandersetzung leidenschaftlich gezeigt, aber in ihren Zielen sind sie national gesinnt und ordnungsbewusst.“ Quelle: Henry A. Turner: Hitlers Weg zur Macht, S. 191
Also kann oder sollte man es akzeptieren, wenn Menschen meinen eine Partei sei nicht rechtsextrem, deren Mitglieder und Anhänger kontinuierlich rechtsextreme Tendenzen zeigen, Straftaten begangen haben und begehen und Positionen vertreten?
Du hast Recht, wenn du sagst Gendersprache abzulehnen sei nicht rechtsextrem. Die Regenbogenflagge abzulehnen ist es auch nicht aber abhängig vom Kontext. Wer sie grundweg ablehnt ist wohl durchaus rechtsextrem, weil die Person offenbar ein grundlegend fundamentales Problem mit sichtbarer Symbolik hat welche den queeren Bevölkerungsanteil präsentiert. Queerfeindlichkeit ist nun ein Mal nicht freiheitlich. Auch Migrationspolitik zu kritisieren ist nicht rechtsextrem, kann es aber sein, wenn jemand generalisiert und Migration an sich abzulehnen beginnt bzw. Migration an sich von Menschen bestimmter Herkunft und Hautfarbe. NGOs zu kritisieren ist nicht rechtsextrem aber wenn man NGOs dafür kritisiert, dass sie Extremismus beobachten und benennen und das weil sie einen selbst womöglich benennen, dann ist man vielleicht kein Rechtsextremist aber vermutlich ein Extremist, der das Scheinwerferlicht nicht mag.
Aus meiner Sicht handelt es sich dabei um reines Marketing der Linken.
Das sind alles schöne Worte, in der Realtität hat man dann allerdings z.B. ein Zentrum für Politische Schönheit die es in einer pluralistischen Demokratie nicht ertragen wenn jemand eine andere Aufassung hat als sie selbst, siehe Sommerinterview Weidel. Oder Tortenklatsche für Christian Lindner. Oder Hammerbande, die einfach Leute zusammenprügelt.
usw. usw.
Wenn ich das Sommerinterview von Weidel ansehe, frage ich mich ernsthaft wo das Problem besteht. Jemand führt ein Interview in einem öffentlichen Raum. Jemand nutzt sein Recht auf Freie Rede und Protest und sagt was er davon hält. Das kann eine Störung der öffentlichen Ordnung sein oh ja, dafür haben wir dann Ordnungskräfte, die man rufen kann, wenn man denkt dass es sich um so einen Fall handelt. Wenn man aber diese Möglichkeit nicht nutzt, bleibt wo man ist und bewusst auf die Frage der Verlegung in einen Innenraum ablehnend reagiert, ist das eine klare Taktik um sich als Opfer zu präsentieren, was man nicht ist. Das ist Marketing von Extremisten.
Das Problem der heutigen Zeit ist der Mangel an öffentlicher Dissenz. Es werden parallele Räume geschaffen oder genutzt und alles andere blockiert. Die Räume bezeichnen sich vielleicht als links oder rechts oder vielleicht haben sie auch andere Namen aber das ist eigentlich nicht wichtig, denn unter dem Strich ist es der Unwille sich mit anderen Positionen auseinanderzusetzen und ins Extrem zu verfallen. Es hat sich eine regelrechte Strategie entwickelt. In dem einen extremistischen Raum sind Leute die "buh" Rufen Linksextremisten, im anderen Raum sind dieselben Leute auf einer anderen Verantstaltung Rechtsextremisten. Aber Extremismus oder Radikalismus entscheidet sich nicht an einer ablehnenden oder befürwortenden Haltung an und für sich heraus, sondern aus Motiven, so wie ich es oben aufgeführt habe. Zwei Menschen können dieselbe Position zum selben Thema haben und doch unterschiedlicher nicht sein.