Sicherlich kann man über diese Überspitzung diskutieren, aber meiner Erfahrung nach gab und gibt es immer wieder Fälle wo einfache Regierungskritik als rechtsextrem verortet wurde, wenn diese nicht explizit von Links kam. Ob nun bei den Bauernprotesten, bei Corona oder Medien-Formaten wie dem Kontrafunk. Für Memes oder sinngemäße Zitatwiedergaben von Politikern gibt es in diesem Land unverhältnismäßige Hausdurchsuchungen. Im Fall der AfD wird eine Partei samt ihrer millionenfachen Wählerschaft durch diese Unterstellung dorthin hineinkategorisiert, obwohl es an handfesten Belegen fehlt. Wenn gleich manch ein Zitat eine unangemessene oder unflätige Wortwahl darstellte, ist die Gleichsetzung zur NSDAP ein Hohn auf die Opfer dieses Regimes.
Ich will in der Summe aber darauf hinaus - was heute als rechtsextrem gilt, wurde durch die zunehmend inflationäre Verwendung des Wortes stark verwaschen. Die Anzahl an Leuten, die heute noch hinter Hitlers Ideologie stehen lässt sich auf wenige tausend zusammen kratzen, die zumeist hinter der NPD zu finden sind. Einen wirklichen Beleg wie groß die Gefahr von Rechtsextremen in Spielen und im Internet generell ist, liefert der Artikel leider auch nicht. Stattdessen wird dies als Vorwand dafür genommen, dass man doch gefälligst mehr regulieren solle, was im Endeffekt auf eine Art Überwachungsstaat nach Vorbild der DDR oder der VR China hinaus läuft.
Der Artikel speist seine Stärke eher aus Annahmen und Vorwürfen. Mir ist z.B. Roblox eher wegen anderen jugendgefährdeten Inhalten bekannt. Auf ein anderes Beispiel bezogen: Nur weil in Hearts of Iron 4 eine Mod Hitlers Portait unzensiert zeigt, heißt das nicht, dass der Spieler dahinter gleich das 4. Reich auferstehen sehen wollen.
Die sogenannten Meldeportale, die im Artikel erwähnt werden, suchen im Netz, in sozialen Medien gezielt nach sogenannten Hasssprech oder Hass & Hetze. Und schon hast du für eine unbequeme, vielleicht sogar für eine einfach dumme Meinung ein label wie dieses am Hals. Solche Meldeportalen stellen, ob sie wollen oder nicht, einen Angriff auf die Meinungsfreiheit dar, denn das führt immer dazu, dass man beginnt zu überlegen was man öffentlich oder im familiären Kreis noch sagen kann und darf - und das betrifft zunehmend auch Aussagen die von der Verfassung locker gedeckt wären.
Der Artikel wäre vielleicht noch mal besser gewesen, hätte man sich mit den aktuellen Richtlinien von Payment-Providern wie Visa beschäftigt, die jetzt Plattformen wie Steam durch ihre persönlichen Wertvorstellungen vorschreiben, welche Art von Spielen sie dort noch sehen möchten und welche nicht. Aber vielleicht kommt dazu noch mal ein separater Beitrag.