AW:
HLP-Andy am 17.05.2008 17:19 schrieb:
@Nali
Ich kann mich erinnern, vor ca. acht oder zehn Jahren gabs mal einen Bericht über eine Benzinbombe die ein paar Jugendliche gebaut und auf einem Feld angezündet haben. (Hat einen großen Krater in die Erde gerissen, hab die Bilder noch im Kopf.) Innerhalb von ein paar Tagen gab es mehrere Nachahmungsversuche, die wohl zu 100% auf den Bericht über den ersten Vorfall zurückzuführen sind.
Jetzt ist die Frage: Soll man deshalb nicht mehr darüber berichten, weil das ja Nachahmungstäter motivieren könnte? Falls ja, wo zieht man dann die Grenze? Streng genommen könnte man auch sagen, die Medien hätten über den 11. September nicht berichten dürfen, dann wäre der Plan der Terroristen, Angst und Schrecken zu verbreiten, nicht aufgegangen. Denn wenn man nichts davon weiß, kann man natürlich auch keine Angst davor haben.
Ich hoffe du verstehst, dass die von mir gebrachten Beispiele nicht wirklich vergleichbar sind, aber bis zu einem gewissen Grad haben sie den selben Hintergrund: Nämlich die Frage: Was ist wichtiger für die Presse? Soviel Informationen zu verbreiten wie möglich (auch wenn es bestimmten Interessensgruppen schadet) oder zum Schutz dieser Informationen zurückhalten. Und da würd ich sagen, dass letzteres grundsätzlich das Gefährlichere und auf Dauer Schädlichere ist. Denn (und jetzt kommt wieder ein Beispiel welches man bitte nicht 1:1 umlegen sollte) China argumentiert ja auch mit dem Schutz der Bevölkerung, wenn sie "gefährliche Inhalte" wie Wikipedia blockiert bzw. zensiert.
Wie wär's mit Einzelfallabwägung?
Ja über die Benzinbombe hätte man nicht berichten dürfen, denn niemand hat ein berechtigtes Interesse an einer Bombenanleitung.
Über den 11. September zu berichten war deshalb richtig, weil es um weltpolitische Geschehnisse mit Folgen (Terrorismus, Wirtschaft, Einreiseprobleme in die USA, neue Kriege...) für jeden Einzelnen ging.
Über den Clear Sky Release hätte man nicht berichten dürfen, weil niemand ein berechtigtes Interesse an dieser News haben könnte, außer denen, die ihn sich illegal besorgt haben. Und ich glaube nicht, dass man Raubkopierer noch beschützen muss, indem man ihnen mitteilt, dass ihr gerade gezogener Release virenverseucht ist. Der Schutz des Herstellers steht hier ganz klar über dem allgemeinen Informationsinteresse.
Dein China Beispiel ist letztlich völlig deplatziert, weil es hier um Zensur, sprich die Einschränkung der Informationsfreiheit von staatlicher Seite geht.
Du kannst also keine allgemeine Formel, wie du es hier versuchst anwenden und ich finde es ziemlich traurig, dass SebTh deinen Post so kommmentarlos "/signed" hat.
Pressefreiheit ist wichtig, aber nicht grenzenlos. Die BILD-Zeitung lässt grüßen.
Bleibt noch zu sagen: Wenn deine Beispiele überhaupt nicht 1zu1 anwendbar sein sollen, welchen Sinn haben sie dann? Das Problem veranschaulichen sie jedenfalls nicht. Im Gegenteil, sie sind eben weil sie nicht übertragbar sind, irreführend.