Original von M3ikl am 26.07.2005 17:26 schrieb:
Es macht ja schließlich ´nen Unterschied, ob man nur für sich selber das eine oder andere Spiel ausm Internet gefischt hat, oder ob man daheim ein paar PCs mit mehreren Brennern bestückt rumstehen hat um so viele Kopien wie möglich zu erstellen und für Bares unter die Leute zu bringen.
Laut den bescheuerten Werbespots der Filmindustrie mit dem Slogan "Raubkopierer sind Verbrecher" sind ja eindeutig die letzeren gemeint. Und die richten ja wohl mehr Schaden an als einer der nur sich selbst versorgt.
Das ist eine Milchmädchenrechnung. Für das betroffene Unternehmen macht es finanziell nur einen geringen Unterschied, ob sie es mit Raubkopierern zu tun haben, die "nur" für den Eigenbedarf produzieren oder mit Raubkopierern, die das Geschäft kommerziell betreiben.
Im ersten Fall bedeutet das für das geschädigte Unternehmen einen folgenden Einnahmeverlust: 1 x 0,- € = 0,- € an Einnahmen. Im zweiten Fall gilt: Verkauft ein Raubkopierer ein gebranntes Spiel 20 x bedeutet das für das Unternehmen folgenden Einnahmeverlust: 20 x 0,- € = 0,- € Einnahmen. Es bleibt sich gleich, weil 20 x 0,-€ immernoch 0,- € sind.
Der Unterschied zwischen kommerziellen und nichtkommerziellen Raubkopierern besteht für die jeweiligen Unternehmen nur insofern, als dass evtl. potentielle Käufer von einem Raubkopierer versorgt werden könnten und so diese potetielle Käufer dem Unternehmen entzogen würden.
Die Realität zeigt jedoch: Gelegenheit macht Diebe. Nicht jeder Besitzer einer Raubkopie wäre automatisch auch ein echter Käufer des Programms. Tatsächlich besitzen viele Programme nur als Raubkopie, weil das Angebot besteht (z.B. im Freundeskreis) und sie es deshalb einfach beziehen können - auch wenn sie das Programm respektive Spiel gar nicht brauchen.
Original von bsekranker am 26.07.2005 14:24 schrieb:
Ich glaube eher, dass der wahre Grund, wie bei den meisten Verbrechen, das GELD ist - wer kann es sich schon leisten, mehrmals im Monat 50 € für ein paar Stunden Spielspass auszugeben?
Wer kann es sich schon leisten, 75.000,- Euro für nen Porsche Carrera (Listenpreis für die Serienaustattung) auszugeben, um im Monat ein paar Stunden Fahrspaß zu haben? Also, ich kanns mir nicht leisten. Logische Konsequenz: ich klau mir nen Porsche. Was soll ich denn auch anderes machen, ich hab ja nicht genug Geld.
Im Ernst: Du hast vollkommmen Recht mit Deiner Behauptung, dass im Normalfall das Geld der entscheidende Faktor beim Raubkopieren ist. Nur ist diese Argumentation natürlich vollkommen hirnrissig. Kaum ein Raubkopierer würde wohl ein Auto klauen (Außnahmen bestätigen die Regel). Und zwar wegen des Unrechtbewusstseins. Ein Spiel illegal zu kopieren ist dagegen kein (moralisches) Problem, hier ist so gut wie nie ein Unrechtsbewusstsein (also das Bewusstsein, einen Diebstahl und damit eine ernsthafte Straftat begangen zu haben) vorhanden.
Fragt sich, warum? Die Antwort ist einfach: Es liegt an der Haptik, d.h. an der Materialität. Ein Spiel ist ein Programm, dass aus digitalen Einsen und Nullen besteht. Die sind aber reell nicht greifbar - außer in Form des Datenträgers. Wird ein Spiel illegal aus dem Netz geladen, erreicht es vor dem eigentlichen Diebstahl nie den Status der für den Dieb sichtbaren Materialität.
Beim o.a. Porsche sieht das anders aus. Wenn der Dieb den Wagen klauen will, kann er ihn vorher anfassen (Haptik). Jemandem einen Gegenstand wegzunehmen, erzeugt bei einem Menschen mit gesundem Menschenverstand ein Unrechtsbewusstsein. Ein Spiel, das nur in einer digitalen Welt, nicht aber in der Realität existiert, ist kein reeller Gegenstand und verursacht deshalb auch keine Hemmung beim Diebstahl. Punktum.