Lil-K38 am 14.09.2007 17:48 schrieb:
Ihr wollt mir nicht ernsthaft erzählen ihr findet es besser wenn Saddam im Iraq regiert anstatt es von den Amerikanern befreien zu lassen???
An Diktatur und straffe, aber feste Verhältnisse kann man sich wohl eher gewöhnen, als an Krieg und tägliche Zerstörung, bzw. die stets präsente Angst vor Anschlägen. Saddam war ganz klar das kleinere Übel. Ja, dem Volk ging es nicht wirklich gut. Ja, Unterdrückung von Minderheiten war tagtäglich gegeben. Ja, Hussein war ein Massenmörder. Ja, freies Denken war da genauso verpönt wie im Iran. Aber trotzdem war dort eine Art funktionierende Infrastruktur gegeben, die Menschen konnten sich irgendwie ernähren und es gab sogar ansatzweise etwas wie Tourismus, bzw. ausländische Versuche, den Standort Irak nutzbar zu machen - besonders war das Land aber damals sicherer als es heute ist.
Bush hat auf der ganzen Linie versagt. Er hat das irakische Militär zerschlagen, obwohl nur mit deren Hilfe ein Aufbau bzw. eine Sicherung möglich gewesen wäre. Loyalitäten wechseln ja bekanntlich, doch bereits damals nach dem zweiten Weltkrieg wusste der Amerikaner, dass man sich einige militärische Figuren sichern sollte, um den Draht zum Volk nicht zu verlieren (auch um neue Truppen ausbilden zu können). Jetzt versuchen Amis und Co im Irak irakische Soldaten nach westlichem Muster zu erziehen, die ein Land auf westliche Art sichern sollen. Dies kann net funktionieren. Allein schon wegen der unterschiedlichen Weltanschauung.
Von Befreiung kann außerdem politisch und sicherheitstechnisch keine Rede sein. Ja, da wurden vll. einige Minderheiten befreit, doch genau diese Minderheiten, die damals unter Kontrolle waren, bomben jetzt wild durch die Gegend. Bush Senior war klug genug, um den Irak nicht zu befreien. Bill Clinton war klug genug, um den Irak nicht zu „befreien“. Bush Junior hingegen stellt sich gegen
kompetente Kritiker aus den eigenen militärischen Reihen, und fällt ein. Die Folgen dürften bekannt sein. Laut Schätzungen sind dort mittlerweile mehr Menschen dank der „Befreiung“ gestorben, als unter 10 Jahren Hussein-Führung. Zivile Verluste beim Volk während der Invasion. Militärische Verluste der Irakis während der Invasion. Militärische Verluste bei den Amerikanern und den Alliierten während der Invasion. Verluste auf allen Seiten nach der Invasion. Bodycount deluxe.
Zumal war der Krieg schlicht ein nicht gerechtfertiger Angriffskrieg gegen einen souveränen Staat, der nur erfolgte, weil man absichtlich falsche Informationen an Volk und Militär brachte. Man muss es so sehen: Bush und alle anderen Politiker der Regierungen, die den Krieg billigten, sind im klassischen Sinne Kriegsverbrecher, da ein unprovozierter Angriffskrieg ohne Begründung oder Ziel erfolgte, und sogar Teile der Bevölkerung in Lager verbracht wurden, ohne das ein konkreter Verdacht vorhanden war.
Ich will Hussein hier nicht als strahlenden Helden verkaufen, aber seine Absetzung erfüllte schlicht keinen Sinn - weder politisch, noch sicherheitstechnisch. Zumal bis heute nicht nachgewiesen werden konnte, ob der Irak wirklich Bin Laden irgendwie unterstützte.
Regards, eX!