AW: News - Jugendschutz: Aktuelle Studie: Schädliche Wirkung brutaler Filme und Spiele bei Jugendlichen bewiesen?
System am 10.09.2008 18:00 schrieb:
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Eines Vorweg: Ich möchte nicht die Probleme der Jugendgewalt klein reden, auch nicht eventuelle Gefahren des Medienkonsums. Mir geht es nur darum, zu zeigen, dass Gesetze da sind und ausreichen und ein Verbot mit den Problemen sehr sehr wenig zu tun hat. Auch, dass hier Angst vor tobenden Jugendlichen geschürt wird, die mit nichts zu begründen ist
Es ist (jedenfalls für die Verbotsdebatte) defacto egal, ob Jugendliche zwischen 12 und 14 durch Bildschirmgewalt beeinflusst werden. Es geht hier um ein Verbot von Medieninhalten ab 18 Jahre. Der Ansatz muss hier ein anderer sein.
Unter 18 ist das Steuern eines Autos i.d.R. nicht erlaubt, der Konsum von Pornografie, Alkohol und Zigaretten ebenfalls nicht - bei all diesen Dingen kann es zu Schwierigkeiten und mittleren bis großen Katastrophen kommen, wenn es Jugendliche dennoch machen.
Einige tun es, viele nicht - aber wegen der wenigen, die volltrunken, u18, mit dem Auto sich und noch mehr Menschen totfahren, käme kein Mensch auf die Idee, den Erwachsenen all diese Dinge zu verbieten. Oder ein Jugendlicher vergewaltigt ein Mädchen seines Alters, da er glaubt, aus Pornografie abgelesen zu haben, dass Frauen so zu missbrauchen sind.
Auch in diesem Beispiel würde niemand auf die Idee kommen, Pornos zu verbieten, vielmehr ist klar, dass die Werte diesem jungen Menschen aus anderen Gründen nicht vermittelt wurden oder nicht vermittelt werden konnten.
Links zu den Gründen der Jugendgewalt, sowie der statistischen Entwicklung solcher Delikte:
Ich möchte jedem ans Herz legen, den Artikel aus der "Zeit" zu lesen. Auch einige Politiker wären gut beraten, das zu lesen um sich daran zu erinnern, was sie eigentlich wissen
sollten:
http://www.zeit.de/online/2008/03/jugendgewalt-ursachen
Hier noch ein Titel, der belegt, dass Jugendgewalt zurück geht:
http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Fragen-des-Tages-Jugendgewalt;art693,2451293
Jetzt frage ich mich, warum Verbotsmaßnahmen diskutiert werden, wenn Sie durch praktischen Statistiken nicht legitimiert sind
Eine (sehr) einfache Veranschaulichung:
Ich möchte mal ein paar Zahlen geben (die Zahlen sind aus Statistiken von 2004 einfach hochgerechnet und sind natürlich nur Richtwerte).
In den
Jahren 2002 bis 2008 kam es in der BRD zu genau 8 Amokläufen bei denen 26 Menschen ums Leben kamen und mehr als 16 zum Teil schwer verletzt wurden.
Von diesen 8 wurden genau 2 von Schülern begangen, die zuvor offensichtlich Gewaltspiele spielten. Auf diese beiden Taten kamen insgesamt 19 Tote.
D.h. (wenn wir einfach mal, fiktiv, den Kausalzusammenhang annehmen):
19 von 80.000.000 sind in den letzten 6 Jahren durch einen Amoklauf von Schülern ums Leben gekommen
In dieser Zeit sind:
38.000 Menschen im Straßenverkehr gestorben
840.000 Menschen wegen Tabakrauch gestorben
438.000 Menschen wegen Alkohol gestorben
In all diesen Fällen wird nicht die Tätigkeit verboten, sondern sinnvoller weise nach Lösungen gesucht, die Ursachen zu erkennen und zu bekämpfen.
Diese Gegenüberstellung gepaart mit der Tatsache, dass auch die Gewaltdelikte ohne Todesfolge deutlich sinken, macht zumindest anschaulich, dass die Politik die Killerspiel-Verbots-Debatte mit Polemik überzieht, aus wahlkampftaktischen Gründen positioniert und sie für die Verdeckung eigentlicher Probleme, derer Lösung man nicht mächtig wird, oder nicht angehen möchte, sei es aus Haushaltsgründen oder Angst unpopuläre Themen auf den Tisch bringen zu müssen, missbraucht.
Hierbei ist noch nicht erwähnt, dass wir den strengsten Jugendschutz Europas haben, aber dennoch mehr Jugendgewalt (in Relation zur Landesbevölkerung), im Vergleich zu Ländern wie der Schweiz, Österreich oder ganz Skandinavien verzeichnen müssen.
Auch ist nicht erwähnt, dass die Zahl der Schulpsychologen nach Erfurt nicht wie versprochen geändert hat (wohl aber die Gesetzesverschärfungen). Auf einen Psychologen kommen 68.000 Schüler!
Dass in meiner Zusammenstellung bei weitem nicht alles, für einen korrekten Vergleich aufgeführt ist klar.
Es macht aber deutlich, auch in Verbindung mit meinen Verlinkungen, dass ein weiterer Handlungsbedarf nicht bestehen kann. Hier geht es nur noch um Zensur und Bevormundung Erwachsener, aber nicht um die Sicherheit deutscher Bundesbürger und der gesellschaftskonformen Entwicklung Jugendlicher.
Bestehende Gesetzte müssen angewendet werden, der Fokus auf gesellschaftliche Probleme und die Vermittlung von Medienkompentenz gerichtet werden.
Ein Verbot wird bewirken, dass noch weniger Verantwortung auf den Eltern liegt und der Blick für solche Dinge vernachlässigt wird!