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Matrix: Resurrections Thread für Leute, die den Film gesehen haben (enthält Spoiler!)

Worrel

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ACHTUNG! SPOILER!
Wer jetzt noch weiterliest, ist selber schuld!



Folgendes wird uns also in M4 geboten:


Soundtrack: Die zwei typischen Matrix Akkorde, Logo in grün, ein blinkender Cursor und wir sind am Anfang des ersten Films.
Aha.
Das selbe Hotel, die hackende Trinity, anrückende Polizei, unterbrechende ankommende Agenten - Moment: die Rolle von Agent Smith wird von dem Typ, der eher Morpheus ähnlich sieht, gespielt?
Und das ist ja auch gar nicht Trinity, das Ganze war nur eine Falle, um Schiffscaptain Bugs zu erwischen.

Klappt allerdings nicht, weil der "Smith" Charakter Cpt. Bugs rettet, und sie durch die Hintertüren des Keymakers in das leer stehende Zimmer von Neo aus dem ersten Teil zu ziehen.

Dort sagt "Smith", daß er jetzt auf ihrer Seite ist, was Bugs sofort ohne jeglichen Zweifel glaubt. Ebenso, daß er eigentlich Morpheus sei.
Äh ...

Die Erklärung, die der Film uns anbietet: Neo sei von Morpheus und Smith auf seinen Weg geleitet worden, und deshalb sei Morpheus/Smith nun wohl beide ...

Könnte man ja als interessante Charakterstudie integrieren, wird aber nach der Szene komplett fallen gelassen, da später ein anderer Charakter den Smith-Code abbekommt ...
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Außerdem ist Morpheus eine Maschine, die wohl warumauchimmer an die Matrix angeschlossen ist.
Eigentlich sind Agenten ja nur Programme, damit sie sich jederzeit in jede Person einhacken können, aber diesen Aspekt hat man dann einfach mal vergessen oder ignoriert.

Naja, schauen wir mal bei Neo - sorry: Thomas Anderson - vorbei. Dieser ist ein Spieleprogrammierer und alles, was in Matrix 1-3 passiert ist, ist Teil des Spiels gewesen.

Wäre ein schöner Opener für den Film gewesen, wenn man den Zuschauer darüber zu Anfang im Unklaren gelassen hätte.
Aber leider gab's ja die Anfangssequenz: Reloaded davor, so daß jeder WEIß, daß die Matrix existiert und Thomas darin ist und das nur eine Ausrede der Maschinen sein KANN.

Thomas Anderson hat psychische Probleme. Er kann den Inhalt seines Spiels und der Realität nicht auseinanderhalten. (Logisch, weil wir ja WISSEN, daß er in der Matrix ist und der Spielinhalt tatsächlich seine Vergangenheit darstellt, die Matrix (vor allem durch seinen Psychiater) ihm aber ständig sagt, daß das nur Spielinhalt gewesen sei.)

Als Medikament gegen seine psychischen Probleme erhält er blaue Pillen (wohl die selbe, die er bei der Wahl "rote oder blaue Pille?" wählen müsste, um in der Matrix zu bleiben.)

Trotz der Einnahme der Pillen hat er ständig Halluzinationen/Erinnerungen aus der bisherigen Trilogie. Ein paar Handvoll mal wird derart Filmmaterial mal weniger, mal bessere passend in den Film integriert, um Parallelen aufzuzeigen.

Parallelen von bestimmten Konstellationen, Kameraeinstellungen oder Handlungsabläufen gab es in der bisherigen Trilogie auch, aber da mußte man sich diese selbst zusammensuchen, was ich als Konzept für den Zuschauer besser fand.

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Nun kommt das Gespräch mit dem Arbeitgeber: Reloaded.
Als Halluzination ist es diesmal der Arbeitgeber, dessen Mund zusammenwächst, wie Thomas Anderson beim ersten Verhör in Matrix 1.
Inhaltlich geht es darum, daß man demnächst das Spiel "Matrix 4" rausbringen will.

Das läuft auf eine Meta Diskussion über potentielle Inhalte von Matrix 4 hinaus, die durchaus sehenswert ist.

Beim Kontaktieren von Morpheus wird das Büro von angreifenden Truppen der Matrix gestürmt, die das Büro in Schutt und Asche legen. Sein Boss entdeckt eine Waffe und Schwupp: wird er zu Smith (nicht übernommen, sondern einfach so: Er ist jetzt halt Smith. :B

Die Matrix kann jetzt Menschen nicht nur einzeln durch Agenten übernehmen lassen, sondern auch durch eine "Schwarm" Fähigkeit.

Inzwischen verlässt man die Matrix übrigens durch Spiegel, auch wenn die viel zu klein sind.

So, Neo ist befreit und wird von einer Maschinen zum Schiff der Menschen in der Realen Welt geflogen.

Dort angekommen, muß er allerdings direkt an das Konstrukt angeschlossen werden.
Dort wird er von Morpheus halb tot geprügelt, weil er nur dann überleben kann, wenn man ihn halb tot prügelt und er sich im Konstrukt eine neue Fähigkeit ausgedacht hat... oder so ...!? :B

Hier merkt man zum ersten Mal genau, daß der Kampf Choreograph der Original Trilogie nicht dabei ist.
Abgesehen von Zitaten von Bewegungsabläufen aus den Original-Trilogie Kämpfen gibt's hier nur irgendein Standard Rumgeprügel.

Nicht zuletzt deshalb ist der Gesamteindruck von M4 deutlich schlechter als bei der bisherigen Trilogie:
Dort gab es etliche ikonische Szenen:
- Neo's Bullet Time nach-hinten-Kippen auf dem Dach
- Neo vs Smith, die in der Ubahn Station in der Luft hängen
- Morpheus, der mit erhobenen Armen im Dojo Kampf auf Neo in Bullet Time zu springt
- Neo, wie er an der Wand mit unzähligen Schlägen pro Sekunde von Smith verprügelt wird
- Trinity's Skorpion Tritt
- Das Radschlagen während Neo die Gegner abschießt in der Lobby
- Trinitys Wand Lauf in der Eröffnungssequenz
...

In M4 gibt's keine einzige Kampfszene, die auch nur mit dem selben Anspruch in Szene gesetzt worden wäre.
Dort ist alles Standard Action Fließband Kost mit einigen "reinkopierten" Elementen aus der bisherigen Trilogie.

Die Crewmitglieder könnten bis auf Bugs (der auch noch das Follow the Rabbit" Tattoo aufgepappt wurde) egaler nicht sein. Nur der Operator ist für die Handlung relevant, aber ich weiß trotzdem nicht mal, wie der hieß.

Gut, aber wir haben ja auch nur 2 1/2 Stunden Zeit, das reicht nicht, um alle vorzustellen und dem Zuschauer relevant näher zu bringen.

Statt dessen gibt's ein Wiedersehen mit Niobe, die man unter der Maske nur bei einer Profil Einstellung einmal erkennt.

Neo will Trinity befreien, also lässt sie Neo einsperren - in ein "Gefängnis" mit Balkon, von dem man einfach mit einem Schiff "Gefangene" einsammeln kann ...

Man möge mir jetzt Folgende Handlungsabfolge erklären:

Neo & Co landen in der Matrix - irgendeine Fußwegweite von Trinity entfernt.

Dort erwartet sie Smith.
Der bietet einen Waffenstillstand an, damit er sich den Psychologen vornehmen kann, der eine größere Rolle innehat, als es bisher den Anschein hatte.

Frage: Warum?
Warum kontaktiert er überhaupt Neo, wenn er doch ganz ohne ihn sein Ziel erreichen könnte?
Oder wenn er einen durch Neo produzierten günstigen Fall ausnutzen könnte: Warum wartet er nicht einfach im Hintergrund?

Dann kommt der Trainman - nein: der Merowinger mit einigen Untergebenen und greift Neo & Co an. Während des Kampfes, also dann, während ihm wohl keiner zuhören würde, weil sie alle mit Kämpfen beschäftigt sind - lamentiert er über den kulturellen Verfall der Gesellschaft.
Am Schluß droht er an, daß man sich wiedersehen würde und verschwindet aus dem Film.

Neo & Smith prügeln sich derweil abseits mit zitierten Kampfszenen aus der bisherigen Trilogie.´, bis Neo ihn mit seinem neuen Spezialangriff durch die Wand haut.

Dann geht's ab zu Trinity. Dort wird es tatsächlich interessant, da der Psychiater/der Analyst die Fähigkeit der negative Bullettime hat.
Dort gibt es einige interessante Aussagen, die man als aktuelle Gesellschaftskritik deuten kann.

Überhaupt gefällt mit Neil Patrick Harris sowohl als Rolle wie auch in der Performance ziemlich gut. Ich hätte den deutlich unpassender erwartet. Nur die blaue Brille als Psychiater war ein wenig over-the-top.

Als es in der Bar (mit der passenden Bezeichnung "Simulatte") zum Showdown kommt, entscheidet sich Tiffany zuerst für die blaue Pille (wegen ihrer Familie). Als ihr Mann sie aber "Tiffany" nennt, ist die plötzlich vollkommen egal und ihr Name ist Trinity.
I mean: WTF? was ist das für eine beschissen inszenierte 180° Wende ohne jeglichen Grund?
Das ist ja genauso bescheuert wie "Martha? Warum sagt du ihren Namen!?" :B

Und dann hat der Analyst scheinbar seine Fähigkeit auf Cooldown, denn als Neo & Trinity endlich zum Handschlag zusammenfinden, nutzt er sie nicht.
hm.

Was hat Smith eigentlich gegen den Analysten?
Was hat er davon, wenn dieser doch (wie wir später sehen) Smiths Anschlag überlebt hat, von der Aktion?

So, erinnern wir uns: in M4 reisen wir durch Spiegel in und aus der Matrix.
Die Größe spielt dabei keine Rolle, wie wir bei Neo's Befreiung gesehen haben.
Also kann man doch zB durch einen Autospiegel aus der Matrix raus - oder durch irgendeinen Spiegel in irgendeinem der zahlreichen Häuser, an denen Neo & Trinity vorbeifahren.
(Daß man beim während-des-Übergangs-Zerstören des Spiegels nicht stirbt, haben wir bei Neo's Befreiung im Theater gesehen)

Am Schluß kommen sie halt raus, indem Trinity einfach nach oben aus dem Frame rausfliegt...


Fazit:

M4 fühlt sich über weite Strecken an, als hätte man Keanu & ein paar weitere ex-Matrixer für ein Fan-Projekt gewonnen und damit einen halbwegs soliden Fanfilm hingelegt.

Für einen AAA Blockbuster, der M4 mit der Original Trilogie im Rücken eigentlich sein sollte, wird hier zu wenig geboten.

Zum Vergleich:
Für M1 gibt's 10/10 Patronenhülsen, die langsam vom Hubschrauber nach unten fallen,
Für M2 + M3 gibt's 8/10 Smith Klone

M4 dürfte bei 6/10 Zitaten aus der bisherigen Trilogie landen. Wer will, darf noch einen Bonuspunkt für NPH obendrauf legen.


Was ist eure Meinung zum Film ?
 
TE
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Worrel

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Inzwischen habe ich die Eingangssequenz verstanden:

Thomas Anderson hat eine Umgebung geschrieben, um eine KI zu trainieren.
Diese Umgebung (im Film "Modal" genannt), basiert auf der alten Version der Matrix, wie wir sie aus dem ersten Teil kennen.

Beim Trainieren einer KI wird diese immer wieder durch das selbe Problem gejagt und muß neue Wege ausprobieren. Genau das macht Morpheus-Smith, eine von Thomas Anderson geschriebene KI, durch.
Das erklärt die "Loops", von denen er spricht.

Dann befreit Bugs Morpheus-nicht-mehr-Smith aus dem "Modal" und packt ihn in dieses "Partikel-Maschinenwesen" in der Realen Welt.


Weiteres:
Die Spiegel, die sie benutzen, müssen sie hacken, sie können also nicht einfach jeden x-beliebigen Spiegel verwenden.

Der Analyst sagt zwar, daß seine negative Bullet Time durch einen Rewind verursacht wird, kann aber am Ende im Simulatte Cafe trotzdem ohne Rewind die Zeit anhalten.

Sati - ein Programm, das wir bisher nur in der Matrix und entsprechenden Konstrukten gesehen haben - steht bei der Befreiung von Trinity in der realen Welt rum ...?!

Agent Smith und der Analyst gehören zwei verschiedenen Parteien der Maschinen an, die gegeneinander kämpfen; die Weltanschauung des Architekten und des Analysten prallen hier aufeinander.
Ändert nichts daran, daß Smiths Erschießen des Analysten nur Neo & Trinity was gebracht hat und für Smith sinnlos war.

Der Operator erscheint an diversen Stellen einfach so uneingestöpselt in der Matrix. Könnte man das nicht auch für diverse andere Aktionen verwenden? zB wenn man mit Tiffany reden will?

Wieso altert der Merovingian zu einem Obdachlosen? Lara Croft hat ja auch nicht plötzlich graue Haare, wenn man das Spiel 60 Jahre lang spielen würde.

Wo kommt Smith her? Wo war er vor Morpheus' Befreiung?


Was bleibt:
Die Erwartung.

Bisher™ waren Matrix Filme tief philosophisch, hatten einzigartige Bildkompositionen, phänomenale Bullet Time Effekte und natürlich Lawrence Fishburne, Hugo Weaving, John Gaetta, Don David & Bill Pope.
Man achte nur mal darauf, wie die Musik hier exakt auf die Handlung abgestimmt ist:

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Sowas gab's soweit ich mich erinnere in :Resurrections nicht.

Also: Logischerweise "fehlt" dem Film was, wenn essentielle Teile der Macher nicht mehr mit dabei sind.
Ist der Film deswegen automatisch schlechter?
Ist der Film deswegen automatisch "nicht mehr Matrix"?

Nun, er ist nicht mehr der Film, der er hätte sein können, wenn er zB 2005 gedreht worden wäre.

Auch von der Handlung her: Thomas Anderson ist jetzt 40 Jahre älter (auch wenn er und Trinity irgendwie eine Verjüngungskur abbekommen haben, die ihnen 20 Jahre aufs Lebenskonto gutschreibt.
Natürlich kämpft er jetzt anders. Und natürlich hat er 40 Jahre lang Indoktrination der Matrix über sich ergehen lassen und daher deutlich mehr Zweifel und Probleme bei seiner Befreiung als in Matrix 1.

Und natürlich ist der Film auch ein Kommentar über die ständige lieblose Pre/Sequel Produktion bekannter IP Marken.

Und gerade da wäre nichts einfallsloser gewesen, als den Fans eben genau das vorzusetzen, was sie erwartet haben.
Dann noch ein, zwei Plot Twists einbauen, fertig wäre der 100%ige Neuaufguss der Matrix gewesen:
Eben nur ein Mensch Neuaufguss.
Nicht Neues, keine eigenständige Idee, keine Originalität, einfach nur der 4. Teil der Trilogie, der 1:1 dahinter passt.

Das Matrix Franchise waren aber keine Filme, bei denen man sich zurücklehnen und in Sicherheit wiegen konnte. Genau wie bei der Fortsetzung von Twin Peaks wurden hier die sicheren Posten verlassen, um was Neues zu machen. Auch dort war der sichere, bekannte Weg nicht der, den die Macher gewählt hatten.

Ich finde, der Film soll auch eine Metapher über Social Media sein - zwei Ansatzpunkte hierzu:
- Auf Social Media ist vieles deutlich "lauter" als in der Realität - siehe Gespräch mit Niobe
- Am Ende haben Neo & Trinity ihre Meinung gesagt und ernten quasi einen Shitstorm (aka: Zombieregen und Verfolgung)

Was bringt das alles nun?

Meiner Wertung einen Punkt mehr:
7/10 herabregnenden Blue Pill Zombies - und wer will, darf immer noch einen Bonuspunkt für NPH obendrauf legen.
 
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