Ehrlich, was hat sich seit CoD4 über die Jahre geändert? (Ich bin/war CoD-Spieler, insbesondere CoD4-ESL, daher kann ich das wohl sehr gut einschätzen) Das betrifft natürlich nicht nur CoD sondern auch viele andere Spiele. Es muss nur ein bekannter Name darauf stehen und es wird gekauft, obs nun besser oder schlechter ist, interessiert erstmal keinen.
Was das Arbeiten zum Hobby angeht; warum nicht? Dazumal war es ein Hobby von Spieleentwicklern. Daraus wurden ja erst all diese tollen Spielkonzepte zum Leben erweckt.Heute wird nur noch kopiert, ein anderer Name, selbe Perks, nur umbenannt und fertig ist das Spiel und wird alls neuer Vollpreistitel verkauft. Ich möchte/versuche Dir nur begreiflich zu machen, das Spiele zur Unterhaltung dienen sollen und nicht zur Geldmacherei. Schau Dir die alten Tomb Raider Teile an (1-3 z.B.) daran saß man mehere Wochen, weil es anspruchsvoll war und NICHT ständig Popups aufsprangen um einem zu sagen, wie man sich duckt, wie man spring, wo man lang muss. Nein! Man wurde einfach ins kalte Wasser geworfen. Das Spieleniveau ist bei heutigen Spielen (wie gesagt, es gibt Ausnahmen wie überall) einfach grottenschlecht. Man hat das Gefühl, man ist total labil im Kopf und man wird ständig nur an der Hand gehalten. Eben WEIL man nur an die breite Masse geht und nicht Innovativ denkt. Würden Entwickler die Spielebranche mehr zu einem Hobby machen (Nicht ausschließlich, das geht in der Tat nicht, denn das wäre wirklich katastrophal, wie Du bereits erwähntes @louplex) dann würden mit Sicherheit auch bessere Spiele wieder zustande kommen.
Es scheint mir so, als wären wir grundlegend ganz ähnlicher Auffassung. Ich bin auch absolut kein Freund der ständig vorgekauten Tutorials und das ich in einem Spiel so ziemlich alles immer sofort haben kann. Dadurch habe ich oft das Gefühl, dass mich die Spieleentwickler für viel zu dämlich halten und mich an die Hand nehmen müssen. Meine liebste Spielereihe dieser Generation sind Demon´s Souls und Dark Souls... Spiele, die einen ins kalte Wasser schmeissen und ohne eigene Recherche ziemlich hilflos zurück lassen. Man muss sich diese Spiele "erarbeiten".
Allerdings sehe ich den Punkt der Vergangenheit etwas anders und ich bilde mir ein, auch etwas reflektierter als Du. Ich bin der Meinung, dass ein Großteil der positiven Gefühle, die man den ganzen alten Spieleperlen entgegen bringt, in erster Linie Nostalgie geschuldet sind. Die Spiele waren damals nicht besser, sie waren nur neu, unverbraucht, innovativ... wir waren jünger und leichter zu begeistern. Was habe ich ein Wing Commander oder ein Pirates gefeiert, heute würde mich das nicht mehr hinterm Ofen hervorlocken.
Der Punkt ist: Natürlich konnten Entwickler früher ihre Visionen umsetzen, viel mehr als heute (zumindest im Rahmen der damals ziemlich eingeschränkten technischen Möglichkeiten), damals wurden überhaupt erst die heutigen Spielegenres begründet. Das war revolutionär, anders, innovativ. Im Laufe von knapp vierzig Jahren und einer unzähligen Masse neuer Spiele wird es aber sehr schwierig, wirklich neue Ideen und gänzlich neuartige Konzepte zu entwickeln. Denn letztendlich hat sich an dem Medium an sich, also dem Schwerpunkt der Interaktion sehr wenig verändert. Noch immer haben wir Maus/Tastatur/Controller und einen Bildschirm, "ein Shooter ist ein Shooter, ist ein Shooter..." heute wie damals, alles irgendwo Urenkel von Wolfenstein 3D.
Wenn man sich die Kostenverteilung einer AAA-Produktion anschaut, sagt man ja Pi mal Fensterbrett, dass 50% der Kosten ins Marketing fliessen, 40% in Grafik, 10% in die eigentliche "Spieleentwicklung". Bei einer gänzlich neuen IP steigt der Anteil für Werbung, Marketing, Marktforschung und -positionierung noch mal drastisch an.
Da diese Kosten bei einem zweiten, dritten und x-ten Teil einer Reihe so minimal wie möglich gehalten werden können (Bekanntheitsgrad ist vorhanden, sämtliche Lizenzen auch, Programmbibliotheken und Assets können recycled werden), gleichzeitig das Risiko dadurch minimiert wird, dass man aufgrund vergangener Erfahrung sehr präzise Absatzprognosen stellen kann (elementar wichtig für Investoren, um überhaupt die Kohle für eine solche Produktion zu bekommen), ist es auch eine rein logische Folge, dass diese Formel gilt: je teurer eine Produktion, desto mehr wird auf Bewährtes zurückgegriffen.
Aus diesem Teufelskreislauf können entweder blinde Hühner laufen, die mal ein Korn finden (Persson) oder Spielentwickler und Firmen mit einem unerhört guten Ruf. Alle anderen müssen den sicheren Weg gehen oder mit dem erhöhten Risiko leben, auf die Schnauze zu fallen.
Zur Hobby-Sache: Es gibt ja heute mehr denn je kleine Entwickler, die ihre Projekte umsetzen können, der Independent Bereich im Spielesektor ist um das Vielfache größer als früher. Allerdings MUSS es zwingend sauteure AAA-Produktionen geben, um das gesamte Medium, die gesamte Technik, die Zukunft dieses Marktes am Leben zu erhalten. Hätten wir nur kleine Independent-Hobby-Entwickler, würden wir heute alle noch vor unseren Taschenrechner sitzen und kleine Basicprogramme schreiben.
Oder ketzerisch formuliert: Ohne Call of Duty würde es kein Minecraft geben.
Daher kann ich diese Hetze gegen die ganzen großen, "bösen" Spielefirmen nicht verstehen, denn schliesslich sind sie es, die unser Hobby zu einem milliardenschweren Markt gemacht haben, der stätig wächst.
Das ist im Filmbereich nicht anders. Ja, es nervt, die 528 Comicverfilmung, den 14ten Teil einer erfolgreichen Reihe oder immer wieder Reboots alter Filme zu sehen. Aber ohne diese würden wir nicht in den Genuss kommen, die wirklich wertvollen Filme auf einer 700 m² Leinwand mit atemberaubenden Bild und Ton zu sehen.
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