Das man nun vertragliche Regeln bewusst bricht ist ein zweischneidiges Schwert. Vertragsbruch bleibt Vertragsbruch (zumal man ja auch schon dran verdient hatte und mit dem Vertrag einverstanden war).
Vertragsbruch klingt erstmal fürchterlich verbrecherisch, aber mit dem Vorwurf wäre ich etwas zurückhaltender. Zum einen ist ein Vertrag nur bindend wenn er nicht gegen geltendes Recht verstößt - und das will Epic ja gerade klären lassen. Außerdem geht es um eine einstweilige Verfügung, und die kann man nur unter bestimmten Bedingungen erstreiten.
In Deutschland muss
- ein Verfügungsanspruch vorliegen
- es einen Verfügungsgrund geben
Soweit ich das als Laie (und mit Erklärseiten) verstehe, kann es bei dem Verfügungsanspruch um das "Unterlassen bestimmter Handlungen gehen." Hier also das Zahlungsmonopol.
Einen Verfügungsgrund gibt es nur, wenn dringender Handlungsbedarf besteht. Dabei muss Epic das Gericht überzeugen, dass ein Anspruch oder der Rechtsfrieden gefährdet sind. Wichtig dabei ist die Dringlichkeit.
Das wäre in diesem Fall der Rauswurf aus dem Store und dadurch sofortiger Ausfall der Einnahmen.
Das amerikanischen Recht handhabt es natürlich etwas anders. Unter anderem geht es um irreparable Schäden (also Ausfall der Einnahmen) und "favorable impact on the interests of the public" (Verbesserung im Sinne des Gemeinwohls). Oh Wunder, in der Klageschrift argumentiert Epic, dass ihnen, sowie auch den Nutzern, durch Apple direkter Schaden entstanden ist.
So oder so könnte es also sogar zwingend notwendig gewesen sein, den Rauswurf zu provozieren. Dann läge ich mit meiner "reine PR" Vermutung daneben. Wenn Epic seine App freiwillig aus dem Store nimmt fällt die Dringlichkeit, bzw. der konkrete Schaden weg. Dann könnten sie immer noch gegen die Vertragsbedingungen klagen, aber das würde sich deutlich länger hinziehen als ein schneller, vorläufiger Beschluss.
/edit:
Zwar nehmen sie selber nur 12%, allerdings ist es trotzdem nichts anderes. Auch wenn Epic Micro-Transaktionen in Spielen erlaubt ohne ihre Infrastruktur zu nutzen, bleibt die Frage, ob sie dieses System auch noch aufrechterhalten würden, wenn es sowas in jedem zweiten Spiel gäbe und der Epic-Store dafür nur als Dropper benutzt/missbraucht würde. Epic bedient momentan vor allem kleine Studios, die den Zahlungsverkehr gar nicht selbst abwickeln können.
Ich dachte die verlangen sich 10%, beziehungsweise 5% wenn die Unreal Engine benutzt wurde?
Epic bietet aber nur die Infrastruktur, den Zahlungsverkehr wickeln die auch nicht ab. Das machen Zahlungsdienstleister und die Verlangen normalerweise 3%. Mit genau diesem Satz wird in der Klage übrigens auch argumentiert. Wer Software auf der eigenen Seite anbietet, was für MacOS möglich ist, muss ja nur den Zahlungsdienstleister entlohnen. Dass Apple sowas unter MacOS erlaubt, bei iOS aber das Zehnfache sehen will klingt natürlich extra fies.
