Jetzt werden die Leute Clair Obscure auf dem Hut ziehen, wo ich nur sagen kann, das auch das gravierende Mängel hat, die einfach in Tests nicht benannt wurden. Die wenigsten Spieler haben das Spiel durch gespielt. Obwohl es recht kurz ist. Denn es hat eine leere Welt, keine NPC´s, und sehr langweilige bis frustrierende Nebenaufgaben. Es geht hier auch nicht um Kreativität, sondern um Mängel am Gameplay, Welt usw. Indie Studios sollten das tun was sie gut können. Kleine feine kreative Spiele die sich nicht mit den Branchen Top Sellern messen müssen.
Ich hab Clair Obscure nicht gespielt, daher kann ich das nicht beurteilen, aber einige der von dir genannten Mängel (leere Welt, langweilige und frustrierende Nebenaufgaben) sehe ich sehr häufig vor allem in Triple-A Spielen.
Stichwort große, aber in großen Teilen vom Spiel ungenutzte Spielwelten und repetitive Sammel- und Nebenaufgaben: Da machen sich für mich nicht nur Assassin's Creed und Far Cry schuldig, sondern auch The Witcher 3, Cyberpunk 2077, Horizon Zero Dawn, Hogwarts Legacy, Final Fantasy 15 etc. Das sind oft bei weitem keine schlechten Spiele, aber die sind oft so vollgestopft mit lieblosem Sidecontent, dass ich irgendwann einfach keine Lust mehr habe und das Spielererlebnis insgesamte darunter leidet. Und ich renne halt nicht gerne Questmarkern hinterher, sondern erkunde Spielwelten lieber eigenständig.
Diese Spiele wirken auf mich oft mehr wie ein virtueller Theme Park für den Spieler, als eine glaubwürdige Welt, wo man selbst ein Teil von ist und in der man ein Abenteuer erleben darf.
Und auch Spielmechaniken (Steuerung, Movement/Physik, Kamerakontrolle und -einstellbarkeit etc.) in Indie- und Double-A Spielen funktionieren für mich häufig besser, als in großen Triple-A Produktionen.
Ich finde z. B. das Movement und die Kamera in Jedi Fallen Order sehr viel hakeliger als in Elden Ring, Lies of P oder Thymesia. Das Kampfsystem ebenso.
Und wenn ich z. B. Steep und Riders Republic (beides Extremsport-Spiele von Ubisoft) mit vergleichbaren kleineren Games, die ähnliche Sportarten bieten (Descenders, Shredders), dann fühlen sich die Bewegungen und die Steuerung in den kleinen Spielen einfach viel stimmiger und nachvollziehbarer an.
Bei Riders Republic z. B. fühlt man sich beim Downhill Bike immer, als wäre das Bike magnetisch an die Strecke gebunden und Sprünge fühlen sich physikalisch merkwürdig gescriptet an. Die Flugbahn stimmt einfach nicht, als würde sich die Gravitation während des Fluges verändern. Als würde man einer gescripteten Kurve folgen anstatt basierend auf Absprungwinkel, Aerodynamik, Geschwindigkeit etc. einer korrekten Flugbahn zu folgen.
Descenders ist zwar insgesamt schwerer und grafisch bei weitem nicht so beeindruckend, aber es fühlt sich sehr viel berechenbarer und fairer an, weil man eben nie das Gefühl hat, dass die Physik des Spiels sich ändert. Bei Steep vs. Shredders (beide Wintersport) ist es genauso. Und ich finde gerade bei solchen Spielen ist ein direktes, ungefiltertes und präzises Spielgefühl sehr viel wichtiger, als spektakuläre Grafik.
Generell haben Triple-A Spiele vom Spielgefühl her für mich einfach sehr häufig den Eindruck, dass mich das Spiel in meiner Kontrolle über den Spielverlauf bevormunden, was ich bei kleineren Indie- und Double-A Titeln (oder auch älteren Triple-A Titeln) seltener habe. Es wird einfach zu viel gescriptet, zu wenig dem Spieler überlassen oder dynamisch und physikalisch berechnet. Dadurch wirken diese Spiele auf mich zwar visuell spektakulär, aber in ihrem Ablauf auch sehr steif. Ist aber evtl. auch eine Geschmacksfrage.
Und letzter Punkt: Auch die Einstellbarkeit von Grafik, Steuerung, UI und Kamera, sowie Modsupport sind in Triple-A Spielen häufig stark eingeschränkt.
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TLDR: Ich würde mir bei Spielen gerne Triple-A Technik wünschen, aber die Designphilosophie und das direkte und ungefilterte Spielgefühl von einem gut gemachten Indie-Game.