Ich glaube, das hat nichts mit Scham zu tun. Es ist 2020, nicht 1978 - Kostenlosen Porn gibt es an jeder Web-Ecke, in sozialen Netzwerken präsentieren sich junge Frauen anzüglich mit ihren Schminkvideos und dennoch ist "sex sells" eine ziemlich antiquierte Pauschalaussage, die einfach nicht immer und überall anwendbar ist. In bestimmten Zielgruppen ja. Vor allem in jungen, pubertierenden, die den ganzen Tag auf Instagram hängen. Das Überangebot an Sex hilft aber nicht der These "Sex Sells", weil es inzwischen in manchen Segmenten ein Standard ist. Früher hat sich Sex verkauft, weil es ein Tabu war - das ist es jetzt nicht mehr, zumindest nicht im gleichen Maße.
Du magst Sex in Videospielen - okay, vollkommen in Ordnung. Wenn sich deine Sexualität nicht nur auf reale Menschen beschränkt, und das ist immer noch bei den meisten der Fall, auch bei Gamern, gut für dich. Aber du solltest vorsichtig sein, deine Vorlieben nicht auf "Gamer" als solche zu projizieren. Deine sind nämlich speziell, weil du Kaufentscheidungen anhand dessen triffst. Damit sprichst du schon mal nicht für den Großteil der Käufer und deine Forderung nach mehr Gewicht bei der Berichterstattung verliert an Gewicht. Für die meisten gibt es wichtigere Aspekte, die in einen Spieletest wie diesen gehören. Weil: Spiel, keine 60€-Softporno. Genauso wenig ist es eine Naturdoku, weil es Ratten gibt - also will ich keine Bewertung von Biologen zum Spiel.
Klar spielt Sex eine Rolle - aber nicht Sex allein sondern als eine von vielen Facetten von Charaktertiefe, die ein Spiel wegen mit verschiedenen Mechaniken zwischenmenschlicher Beziehungen interessant machen kann. Du scheint da nicht zu differenzieren und das sehr oberflächlich zu betrachten. Als jemand, der seine Kaufentscheidung allein auf Basis von Sex im Spiel trifft, bist du sicherlich keiner von "vielen". Eher eine Randgruppe der Käuferschaft, und da sind jetzt noch nicht mal Cosplayer, Furries, Whatever mit reingerechnet, die solche Spiele zu großen Teilen auch so spielen würden, wenn Sex eine kleinere Rolle spielte, aber natürlich mehr auf sexuelle Anreize anspringen.
Hat gar nichts damit zu tun, dass andere verklemmt sind - ich zum Beispiel würde mich alles andere als verklemmt bezeichnen, aber virtuellen Sex finde ich genauso wie falsche Titten: Langweilig, weil nicht echt. Hat aber beides seine Daseinsberechtigung. Aber meine Meinung spielt keine Rolle, das sind meine Vorlieben und da verlange ich nicht, dass sie irgendwo anhand einer Checklist in einem Videospiel abgebildet werden.
Es kann nicht jeder Aspekt für jeden beleuchtet werden. Und du fällst definitiv in die Sparte "Special Interest". Damit sollte es dir natürlich erlaubt sein, qualifizierte Personen wie Tester, die Entwickler oder sonst wen zu fragen und dich zu erkundigen, ob es deine speziellen Vorlieben bedient. Die Forderung, das aber in einem Spieletest näher zu beleuchten, ist absurd.