Meine Güte, die Menschenfreundlichkeit der SED-Nachfolgerin ist ja fast schon erschreckend: Ich begehe ein Verbrechen, bereue es (ein bisschen?) und schon bin ich wieder oben auf! Ernst meinen muss ich dabei ja nix, oder gar Wiedergutmachung leisten ...
Aber zum eigentlichen Thema: Nein, ich halte es für nicht hinnehmbar, dass Politiker, die offensichtlich Dreck am Stecken haben, noch immer in Amt und Würden sind- gleich, welcher Partei sie angehören.
Und ich sehe das differenziert, wie oben angedeutet. Wenn Schäuble in Sack und Asche gegangen wäre, an der Aufklärung mitgearbeitet hätte, sein Verhalten als schweren Fehler bezeichnet und sich entschuldigt hätte - dann, ja dann ... vielleicht ... hätte ich es ok gefunden, ihm noch ein Amt zu geben (ganz sicher nicht Finanzminister, aber ein anderes halt).
Aber er sieht ja nichts ein. Und Frau Merkel tut so als wäre da nichts gewesen. Das ist der eigentliche Skandal.
Bei Kerstin Kaiser ist das anders. Sie bereut ihre Taten von damals. Dennoch ist es für mich ein Unterschied, ob die Fraktion der Linken sagt: "Ok, wir nehmen ihr ihre Reue ab, und wir möchten, dass sie für uns spricht". Oder ob die Linke von der SPD erwartet, dass diese Frau Kaiser zu einer Ministerin macht und damit verantwortlich für Hunderttausende Bürger, die nicht die Wahl haben, ob sie das wirklich wollen. Insofern kann ich das gut verstehen, dass die Linke das der SPD nicht zumutet, und Frau Kaiser hat das einzig Richtige getan, nämlich auf ein Ministeramt zu verzichten. Für einen Politiker, die ja meist daran interessiert sind, möglichst viele Ämter anzuhäufen, ein ungewöhnlicher Schritt, der meine Achtung verdient.
Wenn ich mir überlege, dass die CDU damals mit Filbinger einen Ex-Nazimarinerichter, der Deserteure in den Tod geschickt hatte, und der bis zu seinem späteren Tode nie etwas eingesehen hat, zum Ministerpräsidenten gemacht hat, dann kann ich nur feststellen, dass der Umgang der Linken mit der Vergangenheit ihrer Repräsentanten geradezu vorbildlich ist.