Klingt spannend. Der Literaturempfehlung würde ich allerdings "Fünfte Sonne" von Camilla Townsend entgegenstellen. Die Beck'sche Reihe ist zwar nett als Überblick, aber Townsend hat für ihr Buch auch Nahua-Quellen ausgewertet (Nahua ist der eigentliche Name bzw. die Selbstbezeichnung der "Azteken" , dementsprechend wird deren Sprache als "Nahuatl" bezeichnet), die die Geschichte erheblich verändern. Sie bezieht sich also nicht nur auf die doch recht unzuverlässigen Überlieferungen der spanischen Konquistadoren.
Grundsätzlich finde ich es aber bei so spannenden Settings immer etwas schade, dass man nicht mehr daraus macht, die "reale" Geschichte nicht als Inspiration für Gameplaymechaniken verwendet. Dort läge noch so viel Potenzial vergraben, abseits von sensationalistischen Elementen wie Menschenopfern, die letztlich auch wieder eine stark vom kolonialen Blick geprägte Sichtweise reproduzieren. Warum also keine Mechanik einführen, die das komplexe diplomatische Geflecht bei der Ankunft der Spanier in Mittelamerika widerspiegelt und die Spielerinnen und Spieler in die Position bringt, verschiedene Nahua-Städte unter einem Banner zu versammeln, um den Konquistadoren die Stirn zu bieten. Krankheiten tun ihr Übriges zur Survival-Erfahrung. Das ist auch einer der zentralen Punkte, die Townsend in ihrem Buch macht: natürlich waren die Konquistadoren gierige und blutrünstige Eroberer, aber der Untergang der Nahua wurde auch dadurch besiedelt, dass sich diverse Fürstentümer opportunistischerweise auf die Seite der Spanier schlugen, um die Oberhand über ihre Konkurrenten zu bekommen - nur um am Ende selbst kolonisiert zu werden.
Zeit ein eigenes Spiel zu entwickeln?