Mal abgesehen davon, dass es seltsam wirkt, geliebte Figuren aufgrund von Rachsucht derart zu vernichten, obwohl es im vorherigen Teil um Verlust und Verlustakzeptanz ging...
Joel tötet, weil er Ellie beschützen wollte. Moralisch vielleicht diskutabel, wenn man bedenkt, worum es da eigentlich ging. Aber kaltblütig geplanter Mord war das ja nicht. Im Endeffekt war es eher Notwehr zum Schutz eines anderen. Das hätte Abby spätestens dann auch erkennen sollen, als Ellie ihr von ihrer Immunität erzählte. Schon an der Stelle hätte das Spiel durchaus befriedigend enden können, wenn man hier und dort noch etwas erweitert hätte.
Abby hingegen hat jahrelang gesucht und einen Mord geplant und durchgezogen. OBWOHL Joel sie zu Beginn auch noch gerettet und mit ihr zusammen gekämpft hat. Sie hat ihn ja nicht nur getötet, sondern regelrecht gefoltert. Sie zeigt nicht mal Reue, während Ellie - auch wenn sie weiter machte - zumindest Zweifel hegte und z.B. durchaus Mitleid mit der schwangeren Mel empfand...die sie übrigens nicht mal töten wollte und es nur dazu kam, weil Owen dummerweise eingegriffen hatte. Im Endeffekt starben die beiden aus purem, dummen Zufall heraus und das war nicht mal Ellies Schuld. Das Spiel will uns aber trotzdem die ganze Zeit mitteilen, dass Ellies Handeln falsch und sie der Aggressor ist.
Abby hätte auch Dina eiskalt umgelegt, wäre Lev nicht gewesen. Daher verstehe ich nicht, warum Ellie diejenige ist, die wirklich alles verliert (inklusive zwei Finger, sodass sie nicht mal mehr Gitarre spielen kann), während Abby - die der eigentliche Aggressor war - im Endeffekt heil davon kommt. Ellie bekommt ihre Rache nicht, verliert aber alles. Abby bekommt ihre Rache, verspürt nicht mal irgendwie Verständnis oder Reue, verlässt letztlich aus eigenem Antrieb die WLF und kommt maximal mit nem blauen Auge und nem netten Sidekick davon. Was soll das bitte für eine Message sein?
Man hat hier wirklich versucht, Ellie als die maximal unsymphatischste Sau hinzustellen (u.a. auch, indem man den Spieler förmlich dazu zwingt, Ellie eine wehrlose Frau mit einem Metallrohr zu Tode prügeln zu lassen), während der eigentliche Aggressor maximal sympathisch (tierlieb, hilft Kindern usw.) dargestellt werden soll. Da spricht nicht mal der Ellie-Fan aus mir, sondern einfach die Tatsache, dass das schlicht nicht glaubhaft ist. Wenn man dem Spieler sagen will, wie schlecht Rache ist, hätte es auch Abby sein können. Sein MÜSSEN. Nach allem, was im Spiel so passiert, hätte die das eher verdient, als Ellie.
Dann wäre da noch Jesse, der von Abby mal eben einfach über den Haufen geknallt wird. Dina hat sich am Anfang noch für Rache an Abby wegen Joel ausgesprochen. Warum nicht bei Jesse? Mit dem Kerl war sie immerhin lange zusammen. Sie hat ein Kind von ihm und auch Ellie war mit ihm eng befreundet. Der Kerl spielt nach seinem Ableben einfach keine Rolle mehr.
Der lang gezogene Epilog, der ein Jahr nach den Geschehnissen spielt, hat dem ganzen noch mal die Krone der Charaktervernichtung aufgesetzt. Tommy hat sich erst gegen Rache entschieden, ist dann aber alleine los, hat Abby dann aber laufen lassen und dann kommt er ein Jahr(!) später zu Ellie und will, dass sie für ihn die Arbeit erledigt. Obwohl sie scheinbar glücklich ist, auch wenn sie offenbar an posttraumatischer Belastungsstörung leidet. Sie geht trotzdem, auch wenn sie Nein hätte sagen können. Beide haben hier richtig dumm und einfach nicht glaubwürdig gehandelt. Rachegefühle mögen menschlich sein, aber rationales Denken wäre in dem Fall auch absolut menschlich gewesen. Eben WEIL Ellie ja nun eine Familie hatte.