Nun ja ...
Man muss sich in so einem Fall, wo der Early Access zu einem späteren free2play-Spiel 20 EUR kostet, eben darüber klar werden, WOFÜR man die 20 EUR bezahlt. Dann eben nicht für das Spiel, sondern für die Mitwirkung daran und das Recht, es vor allen anderen (bzw. teils zum selben Zeitpunkt wie Spielzeitschrifts-Redakteure) zu sehen. Das ist manchen schon mal einen kleinen Betrag wert.
Ganz verzweifelte Fans ziemlich vernachlässigter Nischenspiele wären ja sogar bereit, mehrere tausend Euro zu bezahlen, damit überhaupt eine Entwicklung ihres Nischenproduktes in Betracht gezogen wird. Man kann das sehr gut auf Kickstarter beobachten. Dort gibt es stets auch ein paar Leute, die die 5000-, 10.000- oder gar 20.000-Tiers belegen.
Was jetzt den Early Access bei Steam angeht, so ist es doch eigentlich völlig klar, dass man zusammen mit dem Early Access zu einem Spiel auch das Early-Risiko mit kauft, dass das Ganze eingestampft wird. Udn wie bei jedem vorfinanzierten Projekt ist das investierte Kapital weg. Das war doch schon immer so. Wem das zu heikel ist, der sollte keine Early-Access-Spiele finanzieren.
Das Einzige, was man tun könnte, wäre auf der jeweiligen Seite noch mal explizit darauf hinzuweisen, dass es sich dabei um eine Risiko-Finanzierung handelt, die lediglich als Bonbon zur Versüßung eben jenes Risikos den frühen Zugang zu dem bietet, was bis dahin programmiert ist.
Abschliessend zum Early Access an sich:
Völlig unabhängig davon, dass ich es gut und richtig finde, Entwicklern, denen man ein gutes Spiel zutraut, unter die Arme zu greifen und ihnen vertrauensvoll Geld zu geben, welches man übrig hat, finde ich den Early Access in den meisten Fällen blödsinnig.
Im schlimmsten Fall führt es dazu, dass man das Spiel schon lange satt hat, bevor es endlich in der Version 1.0 offiziell erscheint. Wenn man früh gesättigt war, entgehen einem dann auch noch jede Menge Inhalte, die erst zum oder kurz vor'm Release eingefügt wurden. Bei einem Story-getriebenen Spiel kennt man zudem die gesamte Geschichte schon. Es grenzt also ein bisschen an Selbstbetrug, was man sich da bisweilen im Early Access antut, ganz sicher aber an Masochismus.
Richtig unlogisch wird es, wenn man sich an anderer Stelle aufregt, dass man doch als Käufer eines Spiels aus dem Regal nicht mehr als Betatester sehen möchte, während man zu oft gleichem oder ähnlichem Preis per Early Access sogar als Alphatester andient, nur weil man ungeduldig ist. Da leidet die eigene Glaubwürdigkeit stark, würde ich sagen.
Und ist der Early Access erst auf breiter Front akzeptiert, werden sich die Hersteller noch weniger Mühe geben, mit Verklaufsversion 1.0 ein 95% bugfreies Spiel herauszubringen. Da birgt das Vorgehen also auch noch Missbrauchspotential.
Ich hoffe, es ist nur ein kurzlebiger Trend.