Es gibt sehr viele Leute, wie mich, aus dem Bereich der Hardcoregamer, die eben nur eine Konsole kaufen, weil es dort Exklusivspiele gibt.
Und weiter? Genau darum geht es ja.
Überhaupt ist die Einteilung in verschiedene Gamergruppen sehr schwierig und da sollte man aufpassen. Es gibt eigentlich nicht "den" PC Spieler oder "den" Konsolenspieler oder überhaupt "den" Gamer. Jeder Mensch hat andere Interessen und Veranlagungen. Ich könnte jetzt etliche Gruppierungen aufmachen, und damit fällt ein Großteil der Begründung "PC vs. Konsole vs. Konsole" in sich zusammen. Das wird aber zu lang. Ein kleiner Hinweis noch dazu, auch der Preis und die Ergonomie spielen eine Rolle.
Das ist alles wahr. Nur was folgerst du daraus? Völlige Beliebigkeit? Scheinbar nicht, sonst würdest du hier ja nicht weiter argumentieren. Du scheinst also so wie ich auch durchaus diverse Trends und übergeordnete Kundengruppen erkennen, die zumindest in einem bestimmten Konsumverhalten zumeist übereinstimmen.
Sony ist in erster Linie Hardwarehersteller.
Hier muss man schon differenzieren. Wir reden hier nicht vom Gesamtkonzern Sony, sondern von der Playstationsparte. Und da geht es eben nicht primär um Hardware, sondern um Software. Und das sagst du ja selbst.
Aus ihrer Sicht macht es Null Sinn Games zu entwickeln, wenn sich dadurch keine Hardware verkaufen lässt. Und sie verdienen ja außerdem fleißig an den Lizenzgebühren mit. Für sie ist es also unerheblich, ob ein Uncharted, weil es auf vielen Plattformen kam und sich dadurch doppelt und dreifach gut verkauft und tatsächlich einen guten Gewinn einfährt. Für sie ist entscheidend, dass die Leute Playstations kaufen, denn je mehr Playstations verkauft werden, desto mehr Kohle macht Sony alleine als Plattformbetreiber. Gabe Newell ist nicht umsonst mit einem reinen Softwarestore Milliardär geworden. Einzelne Spiele sind dagegen nur Peanuts. Wenn sich Leute aber wegen Uncharted eine Playstation kaufen, dann werden sie wahrscheinlich auch noch weitere Titel dort kaufen.
Zunächst einmal widerspreche ich erneut deinem ersten Satz. Es geht Sony nicht darum, Hardware zu verkaufen. Ich stimme allerdings absolut zu, dass es ihnen darum geht, Spieler in ihren Store zu locken, eben weil sie Software verkaufen wollen, nicht nur ihre eigene, sondern auch die von anderen Entwicklern/Publishern, bei denen sie dann Gebühren kassieren können. Und ja, das ist dasselbe Logik wie bei Steam. Nur lässt sich das im Hinblick auf die Attraktivität des Absatzes nicht unmittelbar vergleichen, weil Steam und Playstation ganz andere Voraussetzungen haben. Die Rechnung geht nämlich tatsächlich nur dann auf, wenn die Kunden dann auch mehr Spiele auf der entsprechenden Plattform kaufen und eben nicht nur das jeweilige Exklusivspiel. Bei Steam ist das vorrangig eine Softwarefrage, bei Playstation darüber hinaus noch eine Hardwarefrage. Wer schon einen Gaming PC hat, der ist sehr viel eher geneigt, mehr Spiele auf Steam zu kaufen, als jemand im PS-Store, der noch überhaupt keine PS besitzt. Sony macht also keinswegs schon dann mehr Kohle, wenn sie mehr Playstations verkaufen, sie machen dann mehr Kohle, wenn sie Spieler dazu bewegen können, viele Spiele im PS-Store zu kaufen. Und da müssen wir uns eben Gedanken machen, ob das auf alle Käufer zutrifft. Warum sollte jemand, der schon einen 1000€ Gaming PC rumstehen hat, sich Spiele im PS-Store kaufen statt für den PC, wo die Spiele meist eh günstiger sind? Es wird oft behauptet, Exklusivspiele seien der einzige Grund, warum Leute sich überhaupt eine Plattform kaufen. Das ist generell falsch, trifft aber tatsächlich auf eine bestimmte Zielgruppe zu, nämlich die überzeugten PCler, die schon einen leistungsstarken PC haben und den als primäre Spielplattform ansehen. Für die ist eine Konsole ausschließlich dann attraktiv, wenn es dort Exklusivspiele gibt, die sie sonst nicht zocken könnten. Aber es ist auch genau die Zielgruppe, die sehr wahrscheinlich eben auch fast ausschließlich diese Spiele für die Konsole kaufen. Die Frage, um die es hier geht, ist die: Wie kann ich Geld mit Leuten verdienen, die meine Plattform nicht kaufen wollen bzw. die meinen Store nicht nutzen wollen? Sony gibt diese Leute (also die überzeugten PCler) einfach auf, während Microsoft versucht, ihre Marktreichweite auch auf diese Zielgruppe auszudehnen. Frei nach dem Motto: Wenn du meine Konsole schon nicht willst, dann kauf doch wenigstens meine Spiele.
Davon profitieren nicht die 3rd Party Hersteller an sich, die ja theoretisch auf jeder beliebigen Plattform verkaufen könnten, sondern davon profitiert in erster Linie Sony. Sony ist eben kein EA oder Ubisoft, ihr Kerngeschäft ist ein anderes.
Ja und nein. Im Prinzip ist das Kerngeschäft dasselbe, nämlich Spiele zu verkaufen. Aber klar, es geht dabei nicht nur um die eigenen Spiele, sondern auch um den Verkauf von Spielen anderer. Das habe ich ja nie bestritten, ganz im Gegenteil.
Die Konsolen haben inzwischen ein ganz anderes Problem, ein Großteil(!) der Zocker ist eben nur Gelegenheitszocker. Für die reicht häufig inzwischen ihr Smartphone, sie sind damit vielleicht nicht so zufrieden wie sie mit einer richtigen Konsole wären aber die ist ihnen das Geld nicht wert (vom PC mal ganz abgesehen) und sie können ja ein wenig spielen und geben sich damit zufrieden. Das klappt noch nicht ganz, Fifa und Madden gibt es noch nicht für Smartphone, aber wenn, dann kriegen die Konsolen unglaubliche Probleme.
Das sehe ich überhaupt nicht als Problem an, denn die meisten dieser Mobile-Zocker hätten sich auch bisher keine Konsole gekauft. Es sind also keine verloren gegangenen Kunden, sondern schlicht Kunden außerhalb der eigenen Zielgruppe. Viele davon sind auch "neue" Zocker, sprich Leute, die sich bisher überhaupt nicht für Gaming interessiert haben, viele davon Frauen und ältere Menschen (oder ganz junge). Aber klar, der Markt insgesamt verändert sich auch, das ist aber ein ganz anderes Thema, das auch beide Konsolenhersteller gleichermaßen trifft. Ich sehe also nicht, was das hier direkt mit dem Thema zu tun hätte. Wenn überhaupt, dann reagiert Microsoft hier wieder besser darauf, weil sie mit One Windows zumindest einen (sehr kleinen) Fuß im Mobile Geschäft haben. Sony hingegen hat softwareseitig im Mobilemarkt überhaupt nichts zu bieten...
Ich schrieb schon vor drei Jahren, zur damaligen E3 Vorstellung von XBox One und PS4 in einem Analyseartikel zu den Verkaufszahlen der Konsolen, dass die aktuelle Generation sich erheblich schlechter verkaufen wird als die zwei Vorgängergenerationen. Und ich habe Recht behalten. Die Zahlen sehen fast noch mieser aus als prognostiziert. Übrigens sind sie in der Realität genau das Gegenteil von den Jubelmeldungen über "schnellstverkaufte neue Konsolengeneration". Laut "Auf ein Bier"-Podcast liegen sie um 30 - 40 Prozent hinter der letzten Generation. Und die war schon schwächer als die Generation davor, kam allerdings dank der Wii und den Casualkäufern fast ran. Nur diese Casualzocker fallen halt inzwischen raus und kaufen keine dedizierte Gaming-Hardware mehr, schlicht weil sie Alternativen haben.
Es ist völlig egal, wie viele Konsolen verkauft werden. Wichtig ist, ob man Gewinne macht, und zwar egal, auf welche Art und Weise. Es ist ein falsches Verständnis der Marktmechaniken, wenn man sich ausschließlich auf den Konsolenabsatz konzentriert. Das alleine sagt nämlich noch lange nichts über den tatsächlichen Gewinn aus. Wenn ich 5 Millionen Playstations vekaufe, aber jeder Kunde dann nur 3 Spiele kauft, verdiene ich auch nicht wesentlich mehr Geld, als wenn ich nur 3 Millionen Xboxen verkaufe, aber jeder Kunde dann 5 Spiele. Oder, um das Thema noch besser zu treffen: wenn ich nur 3 Millionen Xboxen verkaufe, auf denen jeder Kunde 3 Spiele kauft, und wenn ich zusätzlich noch 3 Millionen PC Spieler habe, von denen jeder wiederum 3 Spiele kauft. Und das ist nur ein Beispiel dafür, dass der Verkauf von Plattformen alleine überhaupt keine stichhaltige Aussage über den wirtschaftlichen Erfolg macht.