AW: News - Windows 7: Microsoft macht Linux künstlich schlecht
Auf mein Beispiel, als praktischer Unternehmer, gehst du doch z.B. garnicht ein. Für was brauche ich denn bitte ein Linux Server OS? Erklär es mir bitte anhand von praxisrelevanten Beispielen, warum ich als Mittelstand ein Linux OS benötige.
Ich gebe dir vollkommen recht, dass in deinem Fall ein Linux-Server keinen Sinn machen würde. Dennoch ist es als Server-OS weitaus besser geeignet. Viele für Server wichtige Sachen, die bei Windows erst in den letzten Jahren aufgetaucht sind, gibt es für Linux/Unix seit langem.
Windows Server machen (imho) nur für eine Windows-Umgebung Sinn. Wenn man also sein Firmennetzwerk mit Exchange-Server zB ausstatten will oder ähnliche Microsoft-Geschichten.
Es ist für viele Geschäftsbereiche (leider) nicht möglich komplett auf Windows zu verzichten und idR macht man es nicht, weil die Benutzer sich zu stark umgewöhnen müssten.
Wenn man allerdings ein Rechenzentrum betreibt sieht das ganz anders aus. Da spielt Linux (auch kostenpflichtige Derivate) eine Rolle, neben Sachen wie HP/UX, was aber ja auch auf Unix basiert.
Die Cluster dort haben keine Grafik und keine Tastatur oder gar Maus. Sie werden komplett fern gewartet. Bei Windows gabs bis vor kurzem gar nicht die Möglichkeit ohne Grafikumgebung zu starten, was natürlich totale Verschwendung ist. Als Admin über mehrere hunderte Rechner will ich alles über die Konsole regeln, vor allem will ich das scripten. Das hat Microsoft jetzt vor mit der Power-Shell einzuführen.
Microsoft versucht sich langsam in der Richtung zu positionieren, aber ging die Entwicklung bis vor einigen Jahren noch in die entgegengesetzte Richtung.
Schonmal unter Windows versucht während des Betriebes die Systemplatte zu wechseln? Das sind typische Anwendungsfälle für Server und da kackt Windows ziemlich ab. Server haben gut und gerne mehrere hunderte oder gar tausende Platten. Da fallen täglich eine ganze Hand voll aus. Dafür kann man nicht Neustarten. Alleine wie viele Neustarts bei Updates oder Installationen benötigt werden. Bei Produktiv-Servern untragbar. Die müssen eine Verfügbarkeit von über 99% aufweisen, sonst klatscht' es. Bei Linux gibts mittlerweile sogar eine Technik den Kernel ohne Neustart zu aktualisieren, womit es so gut wie keine notwendigen Neustarts mehr gibt.
Ich sollte vielleicht auch sagen, dass meine Admin-Kenntnisse vor allem bei Windows nicht die besten sind. Vieles ist auch mit Windows möglich, aber oftmals umständlicher. Es hat schon einen Grund, warum Windows-Server hauptsächlich in der Wirtschaft eingesetzt werden, wo man auf Microsoft-Technologie angewiesen ist oder diese in dem Umfeld einfach besser ist (oder man niemanden hat, der Ahnung von Linux hat).
2 Server und 25 PCs ist natürlich was ganz anderes als 50 Server und 1.000 PCs, wobei einzelne Server auch mal 30GB RAM oder mehr haben. Ganz zu schweigen von Firmen wie IBM etc. mit ihren Rechenzentren.
Ich würde als Geschäftsfüher dann meine SAP-Datenbank lieber auf einem Unixoiden System sehen. Die Benutzer können ja ruhig mit Windows-Rechner darauf zugreifen, das ist ja kein Ding. Zur Not kann man sich auch mit Virtualisierung behelfen, aber das ist erst im Kommen.
Aber vor allem bei weltweit operierenden Firmen, wo auch Kunden auf die Server Zugriff haben müssen, kann man sich kein Ausfall leisten. Bei uns sind alle wichtigen Server wie zB SAP mehrfach gesichert und spätestens nach 20-30 Minuten alles wieder online. Also falls zB die komplette Datenbank futsch ist und neu eingespielt werden muss. Für Stromausfälle gibt es natürlich Generatoren und Ausweichserver an anderen Standorten. Da werden die zig GB großen Datenbanken auch mal über das Netzwerk auf den anderen Server übertragen. Das ganze ist natürlich voll automatisch, denn wenn das Nachts passiert und der Techniker erst ne halbe Stunde braucht, bis er vor Ort ist, wird sich der Amerikanische oder Japanische Kunde verständnisvoll zeigen. Valve hatte da ja mal ordentlich verkackt, als bei denen großer Stromausfall war.
Jetzt stell dir mal einen Bank vor. Wenn deren Computersystem ausfällt, sodass die keine Transaktionen mehr durchführen können. So schnell kannste das Geld gar nicht ausm Fenster schmeißen, wie das flöten geht. Nach spätestens 2-3 Tagen ist die Bank gnadenlos bankrott.
Für solche Sachen vertraut kein Admin auf Windows. Auf Linux eigentlich auch nicht, höchstens professionelle Derivate, aber eher andere Unixoide Systeme.
Und wenn ich an der privaten Bereich denke und man will sich einen kleinen Server einrichten. Der sollte möglicht klein und energiespaarend sein, an Desktop-Hardware würde ich da gar nicht denken, höchstens für ein Multimedia-Server, der an den Fernseher geht und auch HD-Videos anzeigen soll. Der sollte vielleicht Apache, MySQL/PostgreSQL, Mail-Server, FTP, SSH anbieten. Vergleich mal die Installation und Konfiguration sowie das Einspielen von Sichherheitsaktualisieren von Windows mit Linux. Klar sollte man sich da mit Linux bissl auskennen, aber ist das bei Windows nicht anders. Wie wäre es weiter mit der Einrichtung als Router, Firewall und derlei. Ich will das zudem natürlich von außerhalb steuern und vielleicht auf wichtige Dokumente zugreifen. Sicherheitshalber (man weiß ja nie, wer beim WLAN mithört) alles verschlüsselt, Zugang von außen nur per OpenVPN.
Ich möchte nochmal betonen, dass ich die Entwicklung der letzten Jahre von MS begrüßen möchte. Ich denke Vista ist deutlich besser als XP (auch wenn es vielleicht nicht so performant ist) und 7 ist nochma besser als Vista. Wenn man dann mal ein Linux-OS aus dem Jahre 2001 (XP) mit einer aktuellen Version vergleicht (7), muss man aber auch zugeben, dass sich Linux schneller entwickelt und aktuell auch für normale Anwender Vorteile bringt, die ich unter Windows vermisse.
MS hats zugegebener maßen nicht leicht. Wenn sie sich tatsächlich mal von überholten Technologien trennen wollen, meckern wieder alle, weil man dann Treiber und Software anpassen muss. Gut, eine Paketverwaltung, welche die Software automatisch aktualisiert, würde das etwas vereinfachen.
Windows XP war das erste Multi-User-OS von Microsoft! Das muss man sich mal vor Augen halten. Welchen Sinn soll ein Server machen, wenn sich nur ein Benutzer gleichzeitig darauf anmelden kann? Mit NTFS kam erstmals die Unterstützung für Dateirechte. Die Datei- und Benutzerrechte sind ein Grundpfeiler für Sicherheit und Multi-User-Betrieb. Bei Linux/Unix gehört das zum Konzept, bei Windows wurde das (mehr oder weniger) im Nachhinein hinzugefügt.
Ich find auch OS.X ein Super-Betriebssystem. Was man da zB in Sachen Energieeffizienz hört ist der Wahnsinn (da schneidet Linux noch am schlechtesten ab). Jedoch schränkt es mich persönlich in meiner Freiheit zu stark ein. Ich will eben vieles meinen Bedürfnissen anpassen. Mit Windows geht das besser, aber immer noch nur oberflächlich, was den meisten reicht. Ein Linux-OS lässt sich jedoch komplett frei gestalten, es ist ja schließlich frei (also frei und nicht nur kostenlos). Für die meisten ist das (verständlicherweise) ohne Bedeutung, für mich jedoch schon. Und wenn man bedenkt, was da abertausende Entwickler ihre Freizeit dafür investiert haben und was dabei rumgekommen ist, finde ich das schlichtweg unglaublich. Alleine die Unterstützung für NTFS, welche komplett mit reverse-engineering statt gefunden hat, oder Wine. Das solche Software trotz dieser Einschränkungen benutzbar wurde finde ich einfach großartig. Deswegen bin ich auch für offene Standards, welche meiner Meinung nach in keinster Weise die Wirtschaft gefährdet, sondern höchstens Monopole erschwert. Jeder Anbieter kann mit seiner Umsetzung auftrumpfen und ein professioneller Anbieter wird idR das bessere Produkt liefern als ein Open-Source-Projekt.
Jedes Betriebssystem (oder Derivat) hat seinen Platz und sei es nur ein kleiner. Jedes hat Vor- und Nachteile die kann man objektiv nicht wegreden (wenn man die nötigen Kenntnisse vorraussetzt). Der Unterschied macht halt, dass jeder Anwender andere Prioritäten setzt und viele Argumente für den anderen schlichtweg unwichtig sind.
Ich verstehe voll, dass viele Leute Windows besser finden, so ist es bei mir eben mit Linux. Es ist für meine Bedürfnisse eben einfach besser. Ich kann damit besser arbeiten, ich find es hübscher, ergonomischer und in Sachen Surfen, Multimedia etc. steht es Windows in nichts nach. Linux erhebt ja auch nicht den Anspruch Windows zu ersetzen, das wollendie nicht (vielleicht die ein oder andere Distribution). Es ist eineAlternative und zwar eine sehr gute. Wer meint, dass jedes Linux-OS gegen WinXp (meinetwegen auch neuer) abkackt hat schlichtweg keine Ahnung und kann zu 99,99% nicht mit Linux umgehen. Wer meint, dass Windows Müll ist, den kann man genauso ignorieren.
Ach, ich schwafel schon wieder
