Da hier andauernd „Back of the Roots“ geschrieben wird, und der neue Teil schon deshalb verdammt wird weil man ein urbanes Setting sieht, stellt sich mir persönlich die Frage was eigentlich vom neuen Tomb Raider erwartet wird? Etwa aus heutiger Sicht ödes und langweiliges Rumgelaufe durch mäßig detaillierte und auf Dauer langweilige Höhlen, Grotten und Grabkammern wie damals bei Tomb Raider 1? Ich wette die wenigsten Spieler, mich eingeschlossen, würden 10 Stunden lang durch alte Grabstätten turnen wollen und dabei nur gegen wilde Tiere oder andere Grabräuber kämpfen wollen. Was war Tomb Raider denn immer? Nicht mehr als das „Erforschen“ von Räumen, das „Überleben“ von Fallen und das Drücken von Knöpfen. Manchmal kamen mal böse Dinos oder andere Gegner, aber in der Regel tat man damals nicht mehr als ein „Äffchen“ zu spielen welches elegant springen konnte. Gott bewahre, so was will ich bitte nicht im 7. Teil der Serie sehen. Storytechnisch war die Serie immer eher schlecht aufgebaut, richtige Dramatik oder super spannende Momente gab es kaum. Tomb Raider 1 konnte damals eigentlich nur wirklich überzeugen weil es 1.) Dank späterem 3DFX-Patch eine super Optik bot, und 2.) über große Areale mit einer „tollen“ Spielfigur verfügte. Aspekte die aus heutiger Sicht lächerlich sind. Genau wie die Vorstellung, dass so etwas jemanden heutzutage noch ernsthaft Spaß machen könnte. Wie will man dem Spieler glaubhaft vorgaukeln 10 Stunden lang sinnig alte Kammern durchforschen zu müssen? Es ist fast eine Dekade vergangen, solche einfachen Konzepte funktionieren nicht mehr. Lucas Arts hat dies damals auch erkannt und mit den beiden Indiana Jones 3D-Adventures Storytelling und Atmosphäre in abwechslungsreiche Umgebungen gepackt. Als verkleideter SS-Offizier durch deutsche Einrichtungen zu schleichen, oder wilde Faustkämpfe zu überstehen, war alles spielerisch deutlich innovativer und unterhaltsamer als Laras Baller- und Krabbelspiele. Ich frage mich wer eigentlich so unendlich blöd war und nach Teil 4 diese Spiele noch gekauft hat. Alle Welt regt sich über EA und ihre jährlichen Spieleupdates zum Vollpreis auf, doch Core hat mit Eidos damals praktisch dieselbe billige Abzocke betrieben. Gleiche Grafik, gleiches hohles Spielprinzip, keine brauchbare Geschichte und keine richtige Atmosphäre wie bei Indy. Der perfekte Beweis dafür, dass Spiele auch aufgrund des Markennamens gekauft werden, und inhaltliche Punkte ignoriert werden.
Der beste Teil der Serie war meiner Meinung nach Teil 2. Die Mischung aus alten (Chinesische Mauer) und modernen Umgebungen (Venedig) war geglückt und der Titel bot reichlich Abwechslung im Bezug auf Einsatzgebiete, Action und Fahrzeuge. Alles Eigenschaften die ich im dritten, vierten, fünften und schlechten sechsten Teil nicht ausreichend stark finden konnte. Ich kann demnach nur hoffen, dass das neue Programm in Richtung „Teil 2“ gehen wird. Viele abwechslungsreiche Umgebungen, eine Mischung aus Action und Akrobatik und vielleicht sogar mal so was wie eine brauchbare Geschichte.
Meiner Meinung nach war Lara niemals ein Star und wird es auch nie werden. Sie war das perfekte Beispiel dafür, wie man eine Spielserie konsequent vermarkten, ausschlachten und verkaufen kann.
Ich frage euch also: Wollt ihr wirklich wieder ein Spiel wie es damals Tomb Raider 1 war? Oder nicht eher ein innovativeres und eigenständig ausgearbeitetes Produkt welches Stärken aus alten Teilen nutzt, und diese sinnig mit frischen Ideen verbinden kann? Ich für meinen Teil mag die Großstadt-Bilder eher als die Vorstellung, wie in Tomb Raider 3, durch dümmliche und ellenlange Tempelruinen zu laufen und Steinfiguren zu bekämpfen.
Regards, eX!