AW:
Huskyboy am 10.12.2008 21:58 schrieb:
Titan Quest war schrott, ergo, kaum verkäufe = firmenpleite
Ich habe das Beispiel von Iron Lore mit Titan Quest (Metacritic:7,7; User:8,7: also wenn Schrott, dann zumindest auf hohem Niveau) genommen, da deren Publisher THQ damals bei der Schließung explizit Raubkopierer als Hauptursache für die Pleite genannt hat.
http://www.quartertothree.com/game-talk/showthread.php?t=42663 (engl).
Fakt ist, daß das Spiel schon Tage vor dem Release wie so oft illegal downloadbar war. Und auch massig downgeloadet wurde (und immer noch wird, schau mal auf torrent-finder). Der anfangs erhältliche Crack war aber sehr minderwertig (haben nicht alle Subroutinen erkannt), wodurch das Spiel sehr instabil wurde. Die Folge war, daß das Spiel schon vor dem Release den Ruf weg hatte, total buggy zu sein (oder wie du es ausdrücken würdest, Schrott ...). Neben dem Ausfall durch die Raubkopierer kamen also auch noch die Ausfälle durch die schlechte Mundpropaganda hinzu. Und Iron Lore als Newcomer hatte einfach nicht die finanziellen Rücklagen um beides zu verkraften ...
Es läßt sich natürlich nicht zweifelsfrei belegen, daß Iron Lore ohne Raubkopierer heute noch existieren würde. Aber die Indizien, daß Raubkopierer was damit zu tun gehabt haben könnten, sind schon stark.
Die ganze Sache aber einfach umzudrehen, und es auf eine Beweislast-Umkehr zu Ungunsten des Entwicklers/Publisher hinauslaufen zu lassen, ist schlicht und einfach unfair und unlauter, und grenzt meines Erachtens schon an komplette Realitätsverweigerung.
Shadow_Man am 10.12.2008 22:07 schrieb:
Das mit den Raubkopierern wird doch nur noch als Vorwand genommen, um Sachen wie DRM, Online-Distribution und neue Geschäftsmodelle durchzusetzen. Es geht nicht mehr um die Raubkopierer, sondern darum den ehrlichen Käufer noch mehr zu melken, bei geringerem Aufwand.
DRM z.B. dient nicht dazu dem Raubkopierer das Spielen zu verhindern, sondern den Gebrauchtmarkt immer mehr einzudämmen.
Auch du, sei herzlich willkommen in der Riege der Realitätsverweigerer. Bittorrent hat vor kurzem wieder ihre "Top 10 der illegal heruntergeladenen Spiele" veröffentlicht.
http://www.computerbase.de/news/internet/webdienste/2008/dezember/top_10_spiele/
Viele der Toptitel sind öfters downgeloadet als verkauft worden. Daß sich das die Entwickler/Publisher nicht ohne Gegenwehr (vor allem wohl DRM) gefallen lassen, sollte jedem vernünftig denkenden Menschen wohl klar sein. Und daß sie sich Gedanken über neue Vertriebswege machen, wohl auch.
Aber um es ganz klar zu machen: alle diese Maßnahmen kosten den Publisher erst einmal eine Stange Geld. Angefangen von den Mehrausgaben in der QS, über die Lizensierung von bsw. Securom (du glaubst doch nicht, das gibt es umsonst), bis hin zur Entwicklung der technischen Plattformen für neue Vertriebswege. Alles das kann bei einem einzigen Titel schon mehrere Millionen Euro Mehrausgaben/Mindereinnahmen bedeuten. Wenn es keine Notwendigkeit hierfür gäbe, glaubst Du dann ernsthaft, daß das ein Publisher machen würde?
Natürlich sind alle diese Maßnahmen mit teilweise erheblichen Nachteilen verbunden (Nachteile, auf die ich im Falle von DRM bsw. auch keinen Bock habe). Und keine dieser Maßnahmen wird dazu geeignet sein, Raubkopien zu 100% zu verhindern.
Worum es aber derzeit einzig und alleine geht, ist, ob der PC-Spielemarkt jenseits von MMORPGs überhaupt noch eine Zukunft hat, die sich für Publisher lohnt. Es müßten doch mittlerweile bei jedem die Alarmglocken losgehen, wenn bsw. EPIC Games GoW 2 alleine deshalb nicht mehr für den PC rausbringt, weil sie keinen Bock auf Raubkopierer haben.
Sich auf den Standpunkt zu stellen, daß sich die Publisher gefälligst an den Wünschen der "ehrlichen" Kunden (die paar Kunden, die tatsächlich noch nie ein Spiel downgeloadet haben, kann man überspitzt ausgedrückt an einer Hand abzählen) zu orientieren haben, bringt nichts mehr ein, außer, daß wir uns am Schluß alle noch eine Konsole kaufen müssen (wäre bei mir das erste Mal seit Atari VCS)
