Sowohl Ralf Möller als auch Frau Fröhlich haben auf populistische Weise das Thema ausgeschlachtet und für ihre Zwecke missbraucht. Bei Ralf Möller hat mich insbesondere seine Verlogenheit irritiert. Denn wie kann man sich als Saubermann hinstellen und in diversen gewaltverherrlichenden Filmen Hauptrollen spielen. Genannt wäre nur die Verfilmung von Postal, ein in Deutschland zurecht indiziertes Spiel. Bei Ralf Möller hat man deutlich gemerkt, dass er seinem großen Vorbild Arnold Schwarzenegger nacheifern will und mit jedem Mittel in die Politik möchte.
Frau Fröhlich wiederum glänzte durch nicht fundiertes Halbwissen, auch wenn sie (wie sich dann im Backstage-Bereich herausgestellt hat) bewaffnet mit diversen Zeitungen und einer Studie von Herrn Pfeiffer meinte, dass man ja seine Feinde kennen müsste, bevor man mit ihnen redet. Liebe Frau Fröhlich: Wir sind keine Feinde und das, was sie uns an Material in die Hand gedrückt haben, entspricht eben nicht der Meinung aller Wissenschaftler. Daher ist es sehr bedenklich, wenn Sie sich hinstellen und behaupten, dass ALLE Studien zu einem gleichen Ergebnis kommen und 5% aller Jugendlichen unter einem gefährlichen Gewaltpotential leiden (haben Sie mal darüber nachgedacht, wie es in Deutschland zugehen würde, wenn Ihre These der Wahrheit entspräche?). Ich würde, obwohl ich die Seite der Computerspieler vertrete, umgekehrt niemals zu einem solchen Ergebnis kommen und eben darauf hinweisen, dass es unterschiedliche Studien gibt und man momentan nicht einschätzen kann, wie die Wirkung von Computerspielen auf Jugendliche wirklich ist.
Willi Lemke hat für mein Dafürhalten die beste Figur abgegeben, da er die Sache wesentlich differenzierter betrachtet hat als Frau Fröhlich oder Herr Möller. Das ist auch kein Wunder, da er lange Zeit Präsident von Werder Bremen war und eSports und Sport sich in vielerlei Hinsicht ähneln und man mit ähnlichen Problemen und Vorurteilen zu tun hat.
Sehr interessant war der Auftritt von Herrn Dörig, der wirklich etwas zu sagen hatte, insbesondere weil er Elternsprecher vom Gutenberg Gynamisum ist und eben durch seine zwei Söhne direkt mit dem Amoklauf dort zu tun hatte. Man müsste doch zu dem Ergebnnis kommen, dass gerade ein Mann wie Herr Dörig gegen Spiele wie CounterStrike sein müsste. Aber das ist eben nicht der Fall.
Last but not least ist noch Udo Nagel zu nennen. Kurz gesagt: Während der Sendung habe ich mich über Herrn Nagel schon des Öfteren aufgeregt, muss aber sagen, dass er im Backstage-Bereich ein durchaus akzeptabler Diskussionspartner war. Er hat seine Meinung, die er vertritt, ist aber Gegenargumenten nicht unaufgeschlossen und traut sich eben auch, eine intensive Diskussion zu führen. Ganz im Gegenteil zu Herrn Möller und Frau Fröhlich, die sofort das Weite gesucht haben, als sie a) nicht mehr im Mittelpunkt standen und b) der Meinung waren, dass sie sich mit solchem "Spielerpöbel" nicht auseinandersetzen müssen.
Abschließend möchte ich aber noch eine Lanze für die Redaktion brechen: Das Thema wurde dort unterschätzt und die Sache mit den Computerspielen sollte eigentlich nur ein Teil dieser Diskussion werden. Nun kann man sagen, dass das eigentlich nach den jüngsten Ereignissen absehbar war, aber das ist im Nachhinein immer leicht gesagt. Ich kann zumindest von meiner Seite sagen, dass die Redaktion zum einen nicht voreingenommen war und es ihnen zum anderen auch unangenehm war, dass es eben auf dem Podium am Ende so unausgeglichen war. Des Weiteren wäre ich selbst fast noch zu Wort gekommen (das Mikro war schon vorbereitet), allerdings ging das Thema dann in eine andere Richtung und es hätte nicht mehr gepasst.
Für das nächste Mal würde ich mir wünschen, dass jemand in der Diskussionsrunde sitzt, der wirklich etwas dazu sagen kann und eben die Meinung der Computerspieler vertritt. Nur so kann man von einer ausgewogenen Diskussionsrunde sprechen. Ich denke, dass es im eSports genug kompetente Vertreter gibt, die bei einer solchen Runde dabei sein könnten und mir zeigen solche Sendungen nur einmal mehr, dass sich in diesem Bereich eine Lobby bilden muss, da wir Computerspieler ansonsten im Gesellschaftsbild durch solche Berichterstattungen und Diskussionsrunden in eine Schublade gepackt werden, in die wir nun wirklich nicht hinein gehören
Viele Grüße
Jens Enders