Belion am 13.07.2007 23:28 schrieb:
Kann mir mal einer bitte erklären: Die Aliens sind die gegner aber wieso hab ich in trailer derweil nur Menschen als gegner gesehen? Sind da welche Involviert?
Am Anfang soll man einen runtergekrachten Asteroiden aufspüren, die Nordkoreaner waren aber schneller da und haben das Gebiet schon abgeriegelt. Also soll man nach dem Rechten sehen. Später zeigen sich die Aliens und man schließt ein "Feind-meines-Feindes"-Bündnis mit den Nordkoreanern. Wie hilfreich diese dann sein werden, hängt aber stark davon ab, wie rabiat man zuvor gegen sie vorgegangen ist.
So, jetzt mal zum Video:
Ich muss den Typen, der da gezockt hat, zu seinem Mut beglückwünschen. Nicht jeder hätte den Schneid ein solches Armutszeugnis der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Ich nenne den Spieler ab jetzt mal "Jean", nach Jean de Baton (Mitglied der Möchtegern-Superheldentruppe Section Eight aus den Hitman-Comics), dessen Wortschatz nur aus seinem Namen besteht und dessen Welt sich nur um seinen namensgebenden Knüppel dreht. Denn in etwa so ist unser "Jean" auch an Crysis herangegangen.
Wenn "Jean" wirklich ein Spielejournalist war, dann hat da jemand nun wirklich den falschen Job, denn ein wenig Affinität zum Zocken sollte man für diesen Job schon mitbringen.
Was in dem Video zu sehen war, war ein absolutes Armutszeugnis: Einfach mal völlig planlos reinrennen, alles abballern, was die Nase zu weit vorstreckt und ohne einen Anflug von Taktik weiterholzen. Teilweise ist "Jean" an das Game herangegangen, als wäre es Doom und nicht Crysis. Es wurde ja konsequent fast alles ignoriert, was das Spiel aus der Masse abhebt und statt dessen einfach einer auf Rambo gemacht.
Man kann z.B. einen Gegner jederzeit mit dem Gewehrkolben aus den Socken hauen, ein Schlag müsste reichen. Aber selbst wenn der Gegner so nah steht, dass man seine Gesichtsporen erkennen kann, jagt ihm "Jean" aber lieber ein halbes Magazin rein. Seine Mutter hat ihm wohl beigebracht, dass man andere Leute nicht haut...
Wenn man Miltärjeeps fährt, dann muss man natürlich jede einzelne Palme am Wegesrand erstmal anfahren, damit die dumme Pflanze weiß, wer der Boss ist. Kein Baum legt sich mit Jean of the Jungle an!
Tarnfähigkeit? Ach Quatsch, wer braucht das? Man ist ja eine Naturgewalt, die muss gesehen und gehört werden... Obwohl sich die KI damit schwer zu tun scheint - ich tippe auf noch fehlende Optimierungen und vor allem auf den niedrigen Schwierigkeitsgrad. Hat man auch daran erkannt, dass "Jean" trotz massiven Beschusses aufgrund von unüberlegtem Vorgehen verhältnismäßig selten das Zeitliche gesegnet hat.
Stärke? Ach was, da könnte man ja bloß besser zielen, Sachen auf Feinde werfen, die Feinde greifen und diese werfen (z.B. ins Meer, wo sie dann von Haien angegriffen werden können), auf Hausdächer springen und sonst was alles. Ist doch voll langweilig, lieber einfach immer weiter ballern...
Aber wehe, "Jean" wird mit einem "Gegner" konfrontiert, bei dem Ballern nichts bringt. So ein Boot kann schon verdammt hartnäckig sein, wenn es einfach nicht ins Wasser will. Da muss man plötzlich das Hirn benutzen und es ist klar erkennbar, dass "Jean" sich etwas schwer tut.
Erst kommt ihm HL2 und dessen zerstückelbares Holz in den Sinn. Also versucht er, die Stützpfeiler der Bootsrampe zu zerschießen. Klappt nicht. Kann doch nicht sein, denkt sich "Jean", hat doch in HL2 immer geklappt. Also versuchen wir es noch bei drei anderen Pfeilern. Und wer hätte es gedacht? Selbes Ergebnis.
Tja, was nun? Nachdem er nun zweimal ins Boot eingestiegen ist und jetzt weiß, dass es sich nicht auf magische Weise ins Wasser senken lässt, kommt ihm eine wahrhaft zündende Idee: Eine Granate neben das Boot werfen. Hätte er sie wenigstens hinter das Boot geworfen, wäre der Einfall noch zumindest teilweise nachvollziehbar gewesen, aber so... Nachdem er sich also mit der besagten Granate auch noch fast selbst über den Jordan geschickt und das Boot schwer beschädigt hat, kommt ihm plötzlich doch ein interessanter Einfall. Das Auto! Man glaubt nun, er würde langsam an das Boot heranfahren und es ins Wasser schieben. Doch "Jean" ist immer wieder für eine Überraschung gut: Er gibt Vollgas, rammt das eh schon beschädigte Boot mit immenser Wucht und die Explosion beider Fahrzeuge jagt ihn endgültig in die virtuellen Jagdgründe. Was für eine Show! Bravo, mon ami.
Natürlich hätte man auch einfach versuchen können, die Strength-Fähigkeit des Nanosuits zu aktivieren und das Boot so ins Wasser zu schubsen, aber wie schon zuvor erwähnt: Das ist ja völlig unbrauchbarer Schnickschnack, wer braucht schon Superstärke? Armor und Speed (ich bin immer noch erstaunt, dass er die Fähigkeit überhaupt entdeckt hat, obwohl er doch die anderen ständig ignoriert) reichen doch völlig aus, vor allem macht es wohl tierisch Spaß alle zwei Sekunden zwischen diesen Beiden zu wechseln, was vom Spiel entsprechend kommentiert wird: "Maximum Speed - Maximum Armor - MS - MA - MS - MA" usw (fairerweise muss man sagen, dass der Suit bei totalem Energiemangel automatisch in den Armor-Modus schaltet - "Jean"schaltet also anscheinend bloß immer wieder Speed ein, obwohl der Suit nicht genug Saft dafür hat).
Alles in Allem: Tolle Arbeit, "Jean". Wer zuvor noch nichts von Crysis gehört hatte, hat nun nach dem Konsum dieses Videos einen vollkommen falschen Eindruck vom Spiel. Klar kann man es auf die Rambo-Art spielen, wenn man gerne möchte, aber als Journalist hat man die Pflicht zu informieren und dazu gehört dann eben auch, in einem solch flexiblen "Sandkastenspiel" so viele der verschiedenen Vorgehensweisen wie möglich aufzuzeigen, um einen vernünftigen Eindruck vermitteln zu können.