Ich habe mich auf Metro Exodus gefreut, gerade weil es statt der offenen Welt begrenzte Areale inszeniert, dabei ein wenig von S.T.A.L.K.E.R. inspiriert ist und einige gute Ideen in petto hat. Aber 4A Games hat sich zu viel vorgenommen, hat dabei zu oft das Wesentliche vergessen. Die Qualität dieser russischen Odyssee schwankte so extrem wie ihre Klimazonen. Es war ein ständiges Auf und Ab: Nach dem viel zu überhastet inszenierten Einstieg freute ich mich über die freie Erkundungsphase an der Wolga, bevor ich ein schrecklich vorhersehbares und primitives Run&Gun-Szenario erlebte, um in der sandigen Steppe endlich wieder aufzuatmen. Aber so schön es war, dass ich subtil oder brachial, schleichend oder explosiv vorgehen konnte, sorgte die stellenweise miserable KI für eine Entwertung der militärischen Gefechte gegen menschliche Feinde - das war teilweise Realsatire statt Taktik im Gelände. Und wo war das wichtige moralische Dilemma, das mich auch nur ansatzweise darüber nachdenken ließ, ob ich Unschuldige töte oder nicht? Die Szenen mit Sklaven wirkten genauso wie jene mit dem religiösen Kult wie aufgesetzte Fremdkörper. Es entstand keine dramaturgische Verdichtung der Spielwelt, die auch erzählende Shooter dringend brauchen. Sobald ich wieder unterirdisch unterwegs war, von Bestien oder Mutanten gejagt, freute ich mich über das gelungene Horror-Flair im Dunkeln. Ich mochte die dezente Benutzeroberfläche ebenso sowie die Survival-Aspekte im Kleinen, außerdem waren Landschaft, Licht und Wetter stellenweise eine Wucht - all das rettet Metro Exodus auf ein solides Niveau. Aber die holprige Regie, die vorhersehbare Story sowie die Defizite im Figurenverhalten sorgten ebenso wie das haklige Klettern oder das unglückliche Speichersystem immer wieder für Brüche im Spielerlebnis.