Es ist halt kaum noch jemand bereit, Vollpreis für ein Spiel zu bezahlen. Dementsprechend leidet die Qualität und die AAA-Entwickler setzen lieber auf bewährte Konzepte, als mit neuen Ideen herumzuexperimentieren. Alles hausgemachte Probleme der Spieler.
Aber daran sind doch nicht nur einseitig die Spieler schuld. PC-Spiele wurden halt in den letzten Jahren massiv entwertet, und das liegt nicht nur daran, dass es sich um ein digitales Gut handelt (wie Musik oder Filme auch, die ja mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben), sondern das hat die verschiedensten Gründe:
- ein Überangebot, das Spieler wählerischer macht, den Preiskampf verstärkt und ganz einfach dazu führt, dass man als Käufer die selben Ressourcen auf mehr Spiele verteilen muss;
- mit großem Aufwand beworbene AAA-Titel, die aber letztlich häufig technisch und/oder inhaltlich enttäuschen (und sich inhaltlich immer mehr gleichen);
- das Wissen, dass sowieso irgendwann eine vollständig gepatchte und mit allen Inhalten versehene GOTY-Fassung zum halben Preis erscheinen wird;
- die Tatsache, dass man eben kein physisch irgendwie interessantes Produkt mehr kauft, sondern im worst case eine leere Hülle plus Steam-Key in die Hand gedrückt bekommt. Das geht sogar bis zur offensichtlichen Alibi-DVD-Verarsche bei MGS oder Fallout 4;
- der Umstand, dass man als ehrlicher Käufer (und womöglich noch Vorbesteller und/oder Vollpreiszahler) mit DRM, Accountbindung, Social-Network-Zwang, überflüssigem Always-On und sonstwas gegängelt wird;
- der immer weiter um sich greifende Trend, dem Spieler auch nach dem Kauf noch möglichst viel weiteres Geld aus der Tasche zu ziehen (Stichwort: Mikrotranskationen in Vollpreistiteln);
- Internet plus Globalisierung, insbesondere die Verfügbarkeit billiger "Russenkeys".
Das könnte man endlos fortführen, aber der Punkt ist einfach der, dass man früher kein Problem damit hatte, für ein reines Textadventure 100 Mark im Laden zu lassen, weil man zum einen das Gefühl hatte, ein hochwertiges Produkt zu erwerben, und dabei zum anderen als Kunde auch ernst genommen und respektiert zu werden. Beides hat sich im cash flow- und shareholder value-Zeitalter geändert, was man sich nur deshalb leisten konnte, weil Spielen mit dem Durchbruch des Internets zum absoluten Massenphänomen geworden ist.