Du nennst hier eben nur 2 Aspekte: Die behördliche Altersfreigabe und Deine eigene Erfahrung als Gamer. Was ist mit dem Kind? Nicht jeder 12-jährige ist gleich. Manche vertragen mehr, manche weniger, manche sind mit 12 noch äusserst kindlich, andere sind frühreif. Darum sag ich ja auch, dass die Behörde sich nach dem "schwächstmöglichen" Mitglied unserer Gesellschaft richten muss, damit aber nie eine auf das Individuum gemünzte Aussage machen kann.
Aber eben, Du hast meines Erachtens einfach das Individuum aussen vor gelassen. Die Entwicklung von Menschen verläuft nicht gradlinig - und bei manchen sogenannten Erwachsenen kann man durchaus das Gefühl kriegen, die seien in der Pubertät stehengeblieben, während einige Kinder mehr Reife beweisen als so mancher Twen.
Ich hab das Individuum nicht vergessen, keine Sorge. Wie gesagt, würde ich zumindest bei FSK16-Titeln wenigstens kritisch drauf schauen und das Kind nicht völlig unbeaufsichtigt spielen lassen.
Individuum hin oder her, Kinder haben in dem Alter nunmal noch nicht die kognitive und emotionale Reife, um mit solchen Inhalten völlig allein fertig zu werden. Wie auch immer sich das auch zeigen mag. Ich spreche mich hier ja auch gar nicht dafür aus, Kindern grundsätzlich solche Inhalte zu verbieten. Schlechtes kriegen die schon früh genug mit.
Ich spreche mich aber dafür aus, die Kinder stets in ihrem Tun zu begleiten und zu beaufsichtigen, wenn sie Spiele spielen, die nicht für ihr Alter freigegeben sind. Das heißt nicht, dass man bei jeder Session neben dem Kind sitzen soll, wenn es zockt. Aber sein Kind einfach spielen lassen, weil man kein Interesse daran hat oder aus Trotz, weil man ja die USK nicht mag (was ja bei vielen hier der Fall zu sein scheint), ist genauso dämlich und schlecht, wie Kindern alles zu verbieten, was eventuell nicht förderlich oder gar gefährdend sein könnte.
Ich hege relativ großes Vertrauen in die Urteile der USK, das ist stimmt. Und ich respektiere diese Urteile auch grundsätzlich. Das heißt nicht, dass ich mit jedem Urteil der USK einverstanden bin. Auf der anderen Seite schaden diese Logos auch niemandem. Und wenn doch mal ein Spiel indiziert oder gar verboten wird, hat die USK auch längst nichts mehr damit zu tun, sondern die nächsthöhere Instanz, nämlich die BPjM.
Ich könnte hier noch weiter argumentieren und mein pädagogisches Fachwissen als Erzieher zum besten geben, aber das würde den Rahmen sprengen. Der Punkt ist: Ja, Kinder sind individuell, durchaus kompetent und man sollte ihnen auch mal mehr zutrauen. Aber Kinder sind Kinder und keine Erwachsene. Deswegen sollte man ihnen im Rahmen ihrer eigenen Kompetenzen auch etwas zutrauen. Ein 1jähriges Kind kann nunmal noch keinen Drei-Punkt-Griff. Und ein 12jähriges Kind hat nunmal noch nicht die Reife, um unbegleitet mit der interaktiven Folterszene aus GTA fertig zu werden oder mit den Entscheidungen aus The Walking Dead oder Until Dawn.
Das heißt nicht, dass das Kind nach der Szene völlig traumatisiert ist. Wie sich sowas zeigt, ist natürlich individuell. Deswegen ist es im Zweifelsfall auch durchaus mal sinnvoll, den Kindern diverse Inhalte zu verwehren, solange man auch vernünftig erklären kann, warum und wieso. Hier gehts auch um die Entwicklung von Moral, Empathie usw. (ja, man kann sich auch in eine virtuelle Figur hinein versetzen. Bei guten Büchern oder Filmen ist es doch genauso). Und Empathie zeigen heißt nicht zwangsläufig, Mitleid zeigen.
Wichtig ist also, einen vernünftigen Mittelweg zu finden. Und das ist das schwierigste, was man als Bezugsperson tun kann. Leider machen es sich viele zu einfach. Auf die ein oder andere Weise.
Das Verhältnis zwischen Geschwistern ist nicht dasselbe wie zwischen Eltern und Kind. Oft genug entwickeln ältere Geschwister einen gar ausgeprägteren Beschützerinstinkt gegenüber ihren kleinen Geschwistern, als dies bei Eltern der Fall ist. Vielleicht hat dies damit zu tun, dass sie selbst bereits als Kind diese Rolle annehmen und daher derart hineinwachsen, dass es zu ihrem Naturell wird. Manchmal müssen sie diese Rolle sogar annehmen, weil die Eltern dieser Rolle nicht gerecht werden. Zudem gibt es so viele Erziehungsstile wie es Erziehungsberechtigte gibt...
Völlig korrekt, aber das spielt für meine Aussage letztlich aber überhaupt keine Rolle.
Nur, wenn Du sagst, Du liessest Deinen kleinen Bruder kein GTA spielen, tust Du dies weil Du davon überzeugt bist, dass es für genau ihn nichts ist, oder weil die USK sagt, es sei nichts für ihn?
Ich lasse ihn sowas nicht spielen, weil ich ihn ganz genau kenne und weiß, was für ihn zumutbar ist und was nicht. Ganz simpel.