Fehlende Leidenschaft würde ich dem heutigen Team auf keinen Fall unterstellen. Temperament und Selbstbewusstsein war im Schnitt bei früheren Redakteuren einfach krasser ausgeprägt. Sicherlich auch, weil die Zeiten dies zuließen. Da wurde in München, Fürth und vor allem in Höchberg und Mering eine ganze Generation von (Schreib-)Talenten in völlig anderen redaktionellen Verhältnissen geformt. Das waren die Game-Influencer ihrer Zeit. Sie prägen die Branche in verschiedensten Funktionen noch heute, nur halt kaum in klassischen Redaktionen.
Ich schwöre immer noch auf den play-Podcast. Der hat über die Jahre exzellente Unterhaltung geboten. Weit weg von bärbeißiger Ernsthaftigkeit. Frech, laut, (selbst-)ironisch, dabei aber mit durchaus reflektiertem Abstand zum eigenen Beruf und dem Mut, die Dinge im eigenen Unternehmen sowie in der gesamten Branche transparent aus dem Nähkästchen zu beplaudern. Lustig ja, albern auch, aber vor allem mit großartiger sprachlicher Kompetenz, exzellenter Schreibe (im zugehörigen Magazin), hammerguter Schlagfertigkeit und popkultureller Brillanz.
Mir persönlich haben Leute wie Küchler, Stange, Opl, Fischer, später Sascha, Chris und Katha den Spaß am Zocken erhalten. Katha habe ich noch schüchtern erlebt, Chris musste die großen Fußstapfen von Stange auch erstmal lernen zu füllen, selbst Sascha war zu Beginn eher der zurückhaltende Typ im play-Kosmos. Vik sowieso. Er hat ja gesagt, wie einschüchternd es anfangs in der Tonkabine neben solchen Alphamännchen wie Thorsten und Wolfgang sein konnte. Weil halt mehr gefordert war, als gute Fachkenntnisse. Da ging es schon rustikal zur Sache. Und ja, wenn "der Graf" sein Kabel beim Bebuttern aus den Augen verlor, dann brachte das die Kabine zum Beben. Spätestens mit seiner Rubrik "Vik in Japan" gelang ihm dann aber auch in der play-Welt der Durchbruch. Die war einfach großartig und hat selbst mich JRPG-Muffel begeistert.
Man merkte früher jederzeit, dass Kollegen in der Tonkabine zusammen saßen, die miteinander im ständigen persönlichen Austausch waren. Die sich jeden Tag sahen, nicht nur einmal im Jahr zur Weihnachtsfeier. Und die ein festgeschweißtes Team waren, dass für die eigenen Marken brannte. Vor Ort. Nicht zugeschaltet von sonst wo. Ich kann nur allen empfehlen, sich mal ein paar play-Podcasts aus den verschieden Jahren reinzuziehen. Einfach so random. Wie oft bin ich lachend zusammen gebrochen. Beim Abwasch, im Bus, beim Sport. Games und die Berichterstattung sollten in der play zuallererst Spaß machen. Das Gegenteil von Fakten, Fakten, Fakten.
Der GA-Podcast in Zeiten von Simon, Thomas, Andy und Katha hatte zwar im Vergleich weniger Klassenfahrt-Atmo. Aber er war halt herrlich entspannt und bot den übergreifenden Blick. Ideale Ergänzung zur play und mega sympathisches Team.
Den alten PCG-Podcast habe ich auch in guter Erinnerung. Die tolle Chemie zwischen Peter Bathge und Robert Horn fällt mir zuallererst ein.
Ich habe mich jedenfalls sehr über diese besondere Folge gefreut. 18 Jahre Computec-Podcasts ziehen an mir vorbei. Und bis auf den Nintendo-Podcast habe ich wirklich alle komplett gehört. Auch habe ich außer Annika alle Gäste der Jubiläumsfolge persönlich kennengelernt. In der Gamesbranche und im Gamesjournalismus arbeiten unglaublich viele tolle Menschen. Das gilt für damals und für heute. Dass es früher deutlich wilder zuging, kann aber wirklich niemand bestreiten. Is so.
Bei allem muss ich aber natürlich auch eingestehen, dass mein Blick auf die Vergangenheit doch immer nostalgischer und verklärter wird. Man ist ja zusammen mit den Recken von damals älter geworden. Ich verfolge das Computec-Geschehen durchaus auch deshalb weiterhin interessiert, um die Sicht der Jüngeren mitzubekommen. Die über Kompetenzen und Prägungen verfügen, die mich bereichern, weil ich sie nicht mitbringe. Gut so. Auch wenn der Papa findet, dass die Lockerheit früherer Tage schon sehr geil war.
Anekdote zum Schluss: Mit einem der genannten play-Veteranen war ich kürzlich beim Konzert. Alte-Männer-Metal. Wir weit vorn dabei, später immer weiter hinten, zum Schluss sitzend. Wegen Rücken. Früher war halt doch alles besser.
Guten Rutsch an alle, ich freue mich viel mehr auf das PCG-Jahr 2026, als vor 12 Monaten auf 2025. BACK TO THE ROOTS!
