Also, stellenweise drehst du mir die Worte ganz schön herum.
Soziales Verhalten wird nie erzwungen. Das liegt uns einfach im Blut. Soziales Verhalten heißt nicht nur "jemandem helfen". Soziales Verhalten heißt, mit anderen klar zu kommen, das Miteinander zu fördern, zu akzeptieren, in einer Gesellschaft zu leben (die nunmal ebenso automatisch auf Regeln basiert, die das Miteinander sichern). Familie, soziale Kontakte usw. usw. All das sind Aspekte des sozialen Verhaltens. Ohne das kann ein Mensch gar nicht funktionieren. Selbst das Individuum nicht (zumindest auf emotionaler Ebene). Und Regeln und "Führung" (ich setze diese Worte stets bewusst in Anführungsstriche, wobei "Anleitung" im weitesten Sinne in dieser Diskussion zutreffender wäre ^^) fangen schon im kleinsten Kreis der Gesellschaft, der Familie an.
Ich habe Rudeltiere lediglich als Beispiel genannt und gewiss wollte ich damit nicht zum Ausdruck bringen, dass wir uns wie Tiere verhalten sollten.

Die andere Seite ist...der Mensch ist nun selbst nichts anderes als ein Tier und Parallele gibt es zuhauf. Zumindest, was das natürliche Verhalten angeht. Das ist auch gar nicht verwerflich.
NAtürlich hat das Arbeitsleben etwas mit der Gesellschaft zu tun. Man arbeitet ja nicht nur, um selbst zu leben. Die Arbeit gibt es, damit die Gesellschaft funktionieren kann (Wirtschaft und so) und daraus resultiert letztlich, dass man selbst von seiner Arbeit leben kann. So läuft das heute zumindest. Aber auch schon damals hat man gearbeitet, sprich gejagt und gesammelt, damit die Gruppe sich ernähren kann. Daran waren alle beteiligt. Wer nichts tat, war eine Last für die Gesellschaft.
Was anderes habe ich ja auch gar nicht behauptet.
Das fettgedruckte werte ich nun aber als persönlichen Angriff. Ich funktioniere "unbeherrscht" durchaus gut. Natürlich habe ich meinen eigenen Kopf. Ich habe nur den Eindruck, dass du der Meinung bist, ich würde wortwörtliche Herrschaft gut heißen. Nein, tu ich eben nicht.
Das soziale Wesen des Menschen fasst automatisch "Regeln" auf, wenn auch nicht bewusst oder geschrieben, die dann letztlich durch eine Instanz durchgesetzt wird. Ob das nun irgendein daher gelaufener Penner ist, ein Affe oder die Polizei, sei mal dahin gestellt. In einer Gruppe herrschen immer Regeln. Die müssen nicht zwangsläufig klar gestellt werden. Die sind dann einfach da.
Beispiel: Steck eine Gruppe von 6 Leuten nackt, ohne weitere Werkzeuge oder Waffen, auf eine einsame Insel. Dort gibt es keine Regierung, keine Herrschaft, keine Regeln. Ich bin mir zu 100% sicher, dass irgendjemand die Führung übernehmen wird, damit die Gruppe überlebt. Entweder durch Gewalt, durch Demokratie oder aber durch stillschweigendes Einverständnis. Vieles ist möglich. Kann keiner die Führung übernehmen, dann gibt es Chaos. Die Menschen überleben nicht oder bringen sich gegenseitig um. Das behaupte ich mit ziemlicher Sicherheit meinerseits.
Aber nun das wichtigste kurz zusammengefasst:
Das Individuum kann für sich allein denken und vielleicht auch leben. Aber eine Masse an Menschen innerhalb einer Anarchie nicht. Weil nunmal jeder automatisch Verantwortung für den jeweils anderen trägt. Entweder gibt es Chaos oder Anarchie kommt gar nicht erst zustande.
Ich will nicht deine Intelligenz anzweifeln. Aber du erscheinst mir in der "Unabhängigkeit" deiner Person, die du hier raus hängen lässt, etwas überheblich. Du denkst auch gar nicht weit genug. 'Herrschaft' war als Begriff sowieso etwas fehlgegriffen. Richtiger wäre einfach 'Führung' oder eben 'Anleitung'. Denn letztlich ist eine Regierung, Gruppenführung, Rudelführung o.ä. nichts anderes. Nur die Methoden unterscheiden sich oft stark, sodass aus 'Anleitung' Herrschaft wird. Aber "Führung" und Regeln beginnen nunmal schon im engsten Familienkreis.