Gerade wegen der Interaktion mit dem Spiel wird der Spieler tiefer in die Story eingebunden. Zudem sind auch Spiele dazu geeignet Charaktere "aufzubauen" und den Spieler eine emotionale Bindungen zu diesen aufbauen zu lassen. Spiele wie Heavy Rain und Mass Effect haben das aus meiner Sicht bewiesen. Und inwiefern sind Spiele und Filme vIsuell beschränkt? Bücher können keine bewegten Bilder oder Audioeffekte wiedergeben, das ist eine Erweiterung, keine Beschränkung.
Filme und Spiele sind nicht visuell beschränkt, das Visuelle ist ja ihre Stärke. Allerdings sind sie in der Introspektive beschränkt. Wir sehen nur das Äußere und das Offensichtliche. Gute Schauspieler können über Mimik einen Teil der Introspektive wiedergeben, aber das ist zum einen schon eine Interpretation des Ursprungsmaterials und zum anderen trifft das nur sehr eingeschränkt auf Spiele zu. LA Noire ist bisher das einzigste Spiel, das annährend eine mimische Qualität erreicht, die der von echten Menschen gleicht. Und selbst mit einer guten Mimik und Gestik und einer vorzüglichen Intonation ist das Medium Film auf das Offensichtliche beschränkt. Es hat viel mehr Schranken bezüglich Erzählstil und Storyaufbau, weil es eben nur eine bestimmte Menge Informationen visuell und über Dialoge wiedergeben kann. Für Spiele sind ähnliche Limitierungen in Kraft, wobei die Interaktivität zwar mehr Spielraum gibt, allerdings auch immer in Gefahr von Storybrüchen ist. Außerdem hat ein Spiel dazu noch technische Limitierungen, die ein Buch und ein Film so nicht haben (wobei das Buch auch hier dem Film überlegen ist, was jedoch durch CGI und Co. deutlich weniger Einfluss hat). Das große Wort "Immsersion" ist ja nur deshalb bei Spielen so wichtig, weil wir eben nicht in der Lage sind, durch ein Spiel eine völlig glaubwürdige Welt aufzubauen. Die Interaktivität ist nämlich Segen und Fluch in einem. Sie kann sehr wohl zu einer tiefen Erfahrung beitragen, allerdings kann ihre Beschränktheit auch dazu führen, dass wir von der Spielwelt getrennt werden (Immersionsbruch). Auch die generelle visuelle Qualität trägt dazu bei. Der größte Vorteil eines Buches ist nämlich - so seltsam das für den ein oder anderen klingen mag - die Kraft unserer eigenen Vorstellung. Ein gutes Buch ist nur ein Grundlage für unser eigenes Vorstellungsvermögen. Vor unserem geistigen Auge gibt es prinzipiell keinen Immersionsbruch, da wir genau die Welt und die Zusammenhänge aufbauen, die wir selbst für richtig erachten. Natürlich ist es Aufgabe des Autors, uns eine geschlossene und sinnige Basis zu liefern und Charaktere, Handlung und Welt so aufzubauen, dass sie tief genug sind, dass wir genügend "Material" haben, uns hineinzufinden. Ein gutes Buch ist viel subtiler als ein Spiel oder ein Film, aber gleichzeitig umso tiefgehender. Das Visuelle, das Entertainment, ist die große Stärke der visuellen Medien, keine Frage. Aber diese Stärke macht es auch bis zu einem gewissen Grad oberflächlicher. Gerade moderne Spiele, die mehr auf visuelle Reize als auf Text setzen, nehmen uns die eigene "Arbeit" fast komplett ab, sie sind Entertainment zum Abschalten (und ich meine das nicht negativ). Derartiges Entertainment kann gute Geschichten liefern, die uns auch mitreißen, keine Frage. Aber diese Geschichten, diese Welten und diese Charaktere sind niemals so tiefgründig, so nuaciert, so "frei" in ihrer Gestaltung wie in einem guten Buch. Denn genau das ist die besondere Stärke des gedruckten Wortes. Es ist die absolute Freiheit, die dazu gebraucht werden kann, unsere eigene Vorstellungskraft (die weit mächtiger ist als jedes visuelle Medium, wenn man sie mal benutzt.....) an ihre Grenzen zu bringen. Das ist Fantasie.
Natürlich gibt es auch schlechte Bücher, wie es auch schlechte Spiele oder Filme gibt. Aber das steht ja hier nicht zur Debatte, weil wir per se schon "gute" bzw. sehr gute Medien miteinander vergleichen.
@Enisra
Bitte lies mal genauer, was andere schreiben. Es geht nicht darum, dass NUR Bücher gute Geschichten erzählen können. Es geht darum, welches Medium generell am besten geeignet ist, gute Geschichten zu erzählen. Das ist ein gewaltiger Unterschied....