Also ich lasse mich ja gern auf einen Hot Take ein, wenn er gut argumentiert ist, aber das trifft in diesem Fall leider überhaupt nicht zu. Das ist nur Gemeckere, noch nicht mal qualifizierte Kritik. Der Autor verfügt offensichtlich nicht über das ausreichende Kontextwissen, um den Film einordnen zu können. Star Wars ist als Märchen konzipiert und das drückt sich auch an den archetypischen Figuren aus, am Gut gegen Böse. Und trotzdem ist Star Wars eben nicht platt, sondern reflektiert politische Debatten und referenziert Geschichte. Julius Caesar, Napoleon und der Vietnamkrieg stecken alle in Star Wars und die Filme sind auch eine starke Kritik am US Imperialismus der Zeit. Gleichzeitig ein zeitloses Märchen und einen aktuellen politischen Film zu machen ist hohe Kunst. Und auch die zeitliche Einordnung des Films kommt viel zu kurz in diesem Artikel. Ein Fantasy-Western mit Kurosawa-Elementen, Weltkriegs-Streifen und einer Prise Abenteuerfilm war 1977 eben eine absolute Neuheit und kreatives Kombinieren will gekonnt sein. Einen massentauglichen *und* intellektuell reichhaltigen Film zu machen ist unglaublich schwer, aber letztere Facette ist wohl am Autor etwas vorbeigegangen, denn dafür müsste man den Kontext verstehen und Kultur und Medien sinnvoll interpretieren können. Immerhin hat es seit George Lucas niemand mehr geschafft mit dieser angeblich so simplen Grundlage einen guten Star Wars Film zu machen. Nur mit Andor hat es das Franchise wieder geschafft, aber warum? Weil dieser politische Kontext, die kluge Analogie wieder ihren Weg ins Franchise gefunden hat.
EDIT:
Weil ich gestern nicht genug Zeit hatte will ich jetzt noch etwas stärker auf ein, zwei Punkte eingehen. Nämlich das Argument Darth Vader sei platt und die Dialoge hölzern. Letzteres hört man ja ohnehin immer wieder, ist also auch nichts neues. Zu einem gewissen Grad ist die Kritik auch gerechtfertigt und trotzdem greift sie zu kurz. Zuerst zu Darth Vader: Darth Vader ist Brutus und George Lucas verhandelt mit Star Wars auch die antike Frage nach dem Tyrannenmord. Was ist es, das Vader zu Brutus werden lässt? Der Film erzählt uns so vieles über Vader, das nur subtil gezeigt wird, etwa in Episode 6 als Luke seinem Vater die mechanische Hand abschlägt und auf seine eigene blickt. Kleine Einblicke in die Hintergrundgeschichte, ohne den Mythos, den Archetyp zu zerstören. Denn als Märchen muss Star Wars eben auch zu einem gewissen Grad archetypisch bleiben. Und insgesamt sollten sich wieder viel mehr Filme trauen, nicht die gesamte oh so tragische Hintergrundgeschichte ihrer Bösewichte in voller Breite zu erzählen sondern Raum lassen für das Mysterium und die Interpretationen des Publikums. Der Imperator wurde beispielsweise in Episode 4 immer nur angedeutet als Figur im Hintergrund, ohne große Erklärungen. Genau das hat aber die Fantasie des Publikums angeregt und mit Sicherheit auch zur Entwicklung des Extended Universe beigetragen. Und damit zu den Dialogen: Was sind "gute" Dialoge? Ich würde argumentieren das kommt stark auf den Film an. Ein Film, der ein zwischenmenschliches Drama ist und das Publikum mit in den gezeigten Haushalt nehmen möchte versucht vielleicht besonders alltagsnahe, realistische Dialoge zu zeigen, während ein Epos, ein Märchen - wie Star Wars! - viel stärker auf "schriftliche" und "unrealistische" Dialoge setzen muss, um den Charakter des Films zu verstärken. Das ist die absolute Grundlage der Dialogkonstruktion: zu wissen für welchen Film man schreibt. Gerade die aktuelle Diskussion um das "Daddy" in Nolans Odyssee zeigt das eindrücklich. Scheinbar "natürliche" Sprache funktioniert nicht in einem antiken Epos, so der Tenor. Insofern würde ich mit diesen Ergänzungen nochmal stark dafür plädieren die filmtheoretische und kulturwissenschaftliche Analyse stärker einzubeziehen, denn so ist der Artikel am Ende ein unreflektierter und schlecht argumentierter Kommentar in der Verkleidung eines "Meinungsartikels".