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News - widescreen avant*garde: "widescreen avant*garde", die neue Sendung für anspruchsvolle Filmliebhaber

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News - widescreen avant*garde: "widescreen avant*garde", die neue Sendung für anspruchsvolle Filmliebhaber

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Zum Artikel: http://www.pcgames.de/aid,634704
 
Allein wenn ich den Namen lese wird mir schon ganz übel. Mir wäre es lieber, wenn man mal den normalen Film auf ein neues Qualitätsminimum anheben würde. Auf diesen pseudointellektuelen Unsinn kann ich zumindest gut verzichten.
Nicht zuletzt weil jedes "...für Fortgeschrittene" nur Kluften schafft. Überwiegend gilt doch: Film ist und bleibt ein Rayon der ein Erlebnis vermitteln soll, aber die avantgardistischen Werke sind weiter von der Grundidee des Films entfernt als irgendein anderes Genre.
Natürlich kann man nun sagen: Bei den Büchern gibt es doch auch Belletristik und "hochwertigere" vor allem klassische Werke. Nur im Gegensatz zum avantgardistischen Film hat die klassische Literatur seine Wertschätzung über harte Arbeit verdient.

Bei der modernen Kunst kommt es mir einfach so vor als würde keine Arbeit, Überlegung oder Anstrengung mehr dahinterstecken. Dabei könnte man philosophische Überlegungen oder Gesellschaftskritik oder was auch immer doch auch in eine ordentliche Form verpacken zB den regulären Film, und dafür gibt es bereits genug gute Beispiele! Denken wir an Haneke, denken wir an Okamoto und Kurosawa, denken wir an Francis Ford Coppola oder Stanley Kubricks. Diese Menschen haben es alle hingekriegt Werke zu schaffen die einerseits anspruchsvoll waren und andereseits auch unterhaltsam, was bei der "modernen Filmkunst" nicht unbedingt der Fall ist.

Und ja, ich könnte mich noch stundenlang darüber aufregen, aber mir fehlt die Zeit :-P
 
AW:

Wolfner am 04.03.2008 17:17 schrieb:
Allein wenn ich den Namen lese wird mir schon ganz übel. Mir wäre es lieber, wenn man mal den normalen Film auf ein neues Qualitätsminimum anheben würde. Auf diesen pseudointellektuelen Unsinn kann ich zumindest gut verzichten.
Nicht zuletzt weil jedes "...für Fortgeschrittene" nur Kluften schafft. Überwiegend gilt doch: Film ist und bleibt ein Rayon der ein Erlebnis vermitteln soll, aber die avantgardistischen Werke sind weiter von der Grundidee des Films entfernt als irgendein anderes Genre.
Natürlich kann man nun sagen: Bei den Büchern gibt es doch auch Belletristik und "hochwertigere" vor allem klassische Werke. Nur im Gegensatz zum avantgardistischen Film hat die klassische Literatur seine Wertschätzung über harte Arbeit verdient.

Bei der modernen Kunst kommt es mir einfach so vor als würde keine Arbeit, Überlegung oder Anstrengung mehr dahinterstecken. Dabei könnte man philosophische Überlegungen oder Gesellschaftskritik oder was auch immer doch auch in eine ordentliche Form verpacken zB den regulären Film, und dafür gibt es bereits genug gute Beispiele! Denken wir an Haneke, denken wir an Okamoto und Kurosawa, denken wir an Francis Ford Coppola oder Stanley Kubricks. Diese Menschen haben es alle hingekriegt Werke zu schaffen die einerseits anspruchsvoll waren und andereseits auch unterhaltsam, was bei der "modernen Filmkunst" nicht unbedingt der Fall ist.
Wow, du schärst den modernen Film aber ordentlich über den Kamm.
Die Formulierung "Filme für Fortgeschrittene" finde ich zwar auch nicht ganz glücklich gewählt, ich würde dir aber trotzdem raten dir den Bericht über den aktuellen Film erstmal anzusehen, bevor du Avantgarde-Filmen eine ordentliche Form absprichst, ihnen vorwirfst keine Erlebnisse zu vermitteln oder weit von der "Grundidee des Films" entfernt zu sein. Was soll denn deiner Meinung nach überhaupt die Grundidee des Films sein...?
 
AW:

Ach, Anspruch is overrated :P Wer Tiefgang will soll einfach rudern gehen :D
 
AW:

baummonster am 04.03.2008 18:08 schrieb:
Ach, Anspruch is overrated :P Wer Tiefgang will soll einfach rudern gehen :D
Cooler Spruch.

Aber ich denke, dass nicht zuletzt Leute wie Darren Aronofsky zeigen, dass Filme mit Tiefgang sehr gut verpackt sein können und auch in Zukunft uns noch gute Filme erwarten.
Die Coens werden sicher auch noch ein paar gute Werke beisteuern, wobei die ja weniger diesen Film mit Tiefgang oder Anspruch verschrieben sind, als einfach gute Filme mit Stil.

Allerdings haben mich diese "Arthouse-Filme" (bzw. die "Kunstfilme") auch teilweise schon enttäuscht. Sind meistens nicht schlecht, aber manche sind doch teils schon ziemlich langweiligatmig. Sind auch einige wirklich sehenswerte Filme dabei, aber die meiner Meinung nach besten Filme entstammen doch einem größerem Budget. Keine Blockbuster oder Mega-Effekte, aber mehr als nur trockene Handlung.
 
AW:

KONNAITN am 04.03.2008 17:54 schrieb:
Was soll denn deiner Meinung nach überhaupt die Grundidee des Films sein...?

Für mich ist die Grundidee oder sagen wir lieber das Grundmotiv des Films zuerst zu Unterhalten und ein Erlebnis zu vermitteln und dann erst Botschaften rüberzubringen. Man kann hier natürlich wieder stark unterscheiden zwischen Kino und Fernsehen aber ich denke der Grundgedanke beider Genre ist ja derselbe.
Ich glaube auf der Seite war irgendwo einmal von Andrej Tarkowskij die Rede. Er ist ein recht gutes Beispiel. Der Mann mag zwar blitzgescheit gewesen sein und die grandiosesten Anspielungen und Parallelen in seinen Filmen gehabt haben, aber trotzdem weigere ich mich bspw. ihn zu den großen bzw. begnadeten Filmemachern dieser Welt zu zählen. Einfach aus dem Grund weil ich der Meinung bin, dass er das Medium Film zwar nutzte, aber bei weitem nicht ausnutzte (wenn dann in einer viel zu subtilen Art). Nehmen wir als Beispiel seinen Film Stalker (ich bemitleide noch immer jene die sich den Film in einem Anfall aus Interesse an entfernten Vorlagen für das Spiel angeschaut haben :ugly: ). Der Film mag zwar stilistisch sehr gut sein und auch die angewandte Bildtechnik ist grandios, aber der Film ist langweilig. Und nicht langatmig (obwohl er das auch ist) sondern langweilig. Ich habe mich ernsthaft darüber gefreut, wenn die Protagonisten ein paar Sätze aus der Bibel losgeworden sind weil es schon so still war. Für jene die wirklich äußerst belesen sind mag der Film vielleicht so einiges bereithalten und Tarkowskij sagte ja auch, dass er seinen Zuschauern einen gewissen Bildungsgrad abverlangt, aber ich denke nicht, dass das noch etwas mit dem Medium zu tun hat bzw. ich will Tarkowskij ja nicht schlecht reden, aber denke nicht, dass das Medium Film für so etwas geeignet ist. Bei Bildern ist das bspw. etwas anderes. Da kriegt man meistens eine Erklärung, aber beim Film kann sich nicht die Regie oder sonstwer neben dich stellen und dir erklären was sie eigentlich damit gemeint hat.
Wenn jemand ernsthaft die Intention hat im filmischen Bereich über sein Werk eine Botschaft zu vermitteln, dann sollte derjenige diese wenigstens so offen gestalten, dass man sie auch erfassen kann. Ich sage nicht, dass man seine Filme deswegen nicht anspruchsvoll gestalten soll, aber wo ist der Sinn dahinter, wenn man bei dieser Erfassung ständig im Dunklen fischt? Für mich hat da der Filmemacher mit seinem Film dann doch eher den Zweck verfehlt.

Natürlich gibt es auch gute Independent- oder Arthouse- etc. Filme, aber es gibt einfach auch sehr viele Filme wo man sich nach der ersten Stunde nurmehr durchquält und alle fünf Minuten auf die Uhr schaut.
 
AW:

Guten Abend!

Keine Angst, wir von avant*garde sind kein so schrecklich elitärer Haufen. Wir wollen nur ein paar gute Filme ans Tageslicht bringen, auf die viele vielleicht gar nicht aufmerksam geworden wären. Guuuuut, einen gewisses Maß an Anspruch haben wir schon, aber nur weil der Fokus auf dieser Art von Film liegt, bedeutet das ja nicht, dass wir alles andere verteufeln.
Außerdem gibt es dafür ja die normale Widescreen Vision. ;)

Und dass wir das ganze avant*garde-Ding mit einem gewissen Grad an Selbstironie gestalten, sollte doch (hoffentlich) ganz gut erkennbar sein.
Dieses Thema wird nur immer sehr … „unlocker“ gehandhabt. Daher dachten wir, dass wir den Spieß mal umdrehen. ;)

Und Wolfner, dein Kommentar über Tarkowsky finde ich sehr gelungen!
Ich selbst mag zwar Stalker über alle Maße, aber du hast deine Meinung sehr schön fundiert.

Und keine Angst. Tarkowsky ist fürs erste sowieso zu harter Tobak. ;)
 
AW:

Wolfner am 04.03.2008 19:24 schrieb:
Ich glaube auf der Seite war irgendwo einmal von Andrej Tarkowskij die Rede.
...
Tjo, zu Tarkowskij fällt mir leider (oder Gott sei Dank) überhaupt nichts ein, aber ich denke ich verstehe was du meinst. Du hast nur einfach ziemlich verallgemeinert und quasi dem ganzen Genre eine verdiente Wertschätzung abgesprochen. Deshalb meinte ich auch, du sollst dir diesen Bericht über den Film von Won Kar-Wai erstmal ansehen, denn für mich sieht der ganz interessant und unterhaltsam aus, und er paßt auch so gar nicht in das von dir beschriebene Bild des künstlerisch abgehobenen Avantgardefilms.
 
AW:

FabianHuebner am 04.03.2008 19:41 schrieb:
Guten Abend!

Keine Angst, wir von avant*garde sind kein so schrecklich elitärer Haufen. Wir wollen nur ein paar gute Filme ans Tageslicht bringen, auf die viele vielleicht gar nicht aufmerksam geworden wären. Guuuuut, einen gewisses Maß an Anspruch haben wir schon, aber nur weil der Fokus auf dieser Art von Film liegt, bedeutet das ja nicht, dass wir alles andere verteufeln.
Außerdem gibt es dafür ja die normale Widescreen Vision. ;)

Und dass wir das ganze avant*garde-Ding mit einem gewissen Grad an Selbstironie gestalten, sollte doch (hoffentlich) ganz gut erkennbar sein.
Dieses Thema wird nur immer sehr … „unlocker“ gehandhabt. Daher dachten wir, dass wir den Spieß mal umdrehen. ;)

Und Wolfner, dein Kommentar über Tarkowsky finde ich sehr gelungen!
Ich selbst mag zwar Stalker über alle Maße, aber du hast deine Meinung sehr schön fundiert.

Und keine Angst. Tarkowsky ist fürs erste sowieso zu harter Tobak. ;)

Um mich kurz zu fassen und die Tastatur nicht allzusehr mit leckerem Geburtstagskuchen zu bekleckern (mjam): In dem Fall bin ich beruhigt und werde evtl. auch hin und wieder vorbeigucken ;)
 
AW:

Wolfner am 04.03.2008 19:24 schrieb:
Natürlich gibt es auch gute Independent- oder Arthouse- etc. Filme, aber es gibt einfach auch sehr viele Filme wo man sich nach der ersten Stunde nurmehr durchquält und alle fünf Minuten auf die Uhr schaut.
Da stimme ich dir hundertprozentig zu, aber diese Filme wollen (das denke ich zumindest) nicht in erster Linie unterhalten, sondern sind (oder sollen) Kunstwerke sein. Ist imho für die Leute gedacht und gemacht, die auf Kunstaustellungen gehen und über das Medium Film eher Inspiration suchen.
Ich weiß nicht, ob sie deswegen gleich schlecht sind, hängt halt sehr davon ab, was man sich vom Film erwartet.

Aber um mal wieder was zum Topic zu sagen:
Ich werd die Sache auf jeden Fall verfolgen (falls ich es nicht vergesse). Bin immer auf der Suche nach guten, unbekannten Filmen. Napoleon Dynamite ist zB für mich eigentlich die größte Entdeckung in der Hinsicht gewesen, wobei ich zugeben muss, dass er in den USA ja ziemlich groß ist und auch hier ich nicht der einzige bin, der den kennt. Aber gab auch einige Filme, mit denen ich ganzschön auf die Schnauze gefallen bin, der verlorenen Jugend trauere ich noch immer hinterher.
Seitdem ich in der Großstadt wohne habe ich auch die Möglichkeit die ganzen Arthouse-Filme direkt bei Erscheinen im Kino zu sehen.
 
AW:

Wolfner am 04.03.2008 19:24 schrieb:
Für mich ist die Grundidee oder sagen wir lieber das Grundmotiv des Films zuerst zu Unterhalten und ein Erlebnis zu vermitteln und dann erst Botschaften rüberzubringen.

Also mal grundsätzlich hat der Film überhaupt keine Grundidee oder Motiv sondern ist einfach ein Medium, dass im Rahmen seiner Möglichkeiten genutzt werden kann.

Wenn du mit der Einstellung einen Film schaust, dass du Unterhalten werden willst, und dabei (das nehme ich jetzt einfach mal nach deinem Post an) dich an deine nur-die-unterhaltungsmuster-die-ich-kenne-sind-unterhaltung festklammerst, dann wundert es mich kein Bisschen hast du Mühe mit dieser Art von Film.

Mir ist auch klar, dass es nicht ganz einfach ist sich auf langsame Filme einzulassen, wenn man tagtäglich mit schnellerzählten Clippigen Filmen zugedröhnt wird. Allerdings muss man halt solche Filme ganz anders schauen als auf die Art und weise, wie es uns Hollywood gelernt hat.

Was mich an deinem Post eigentlich stört ist, dass ich eben nicht finde, die Filme zu intellektuell sind. Ich bin von Stalker absolut begeistert, aber nicht weil ich durch ihn die super Oberbotschaft erhalten habe, sondern weil das Filmerlebnis (auf das du ja so wild bist) einfach der Hammer war. Der langsame Rhytmus, die wunderbaren Bilder, die ständige subtile Spannung obwohl nie wirklich etwas passiert. Ein besseres Beispiel wäre wohl noch der Film "Der Spiegel" von Tarkowsky. Die grössten Regisseure erwähnen ihn immer wieder begeistert, gestehen aber auch im gleichen Satz meistens, dass sie keinen Meter von dem Film geschnallt haben. Das liegt wohl daran, dass das Erlebnis des Film einfach so eindrücklich ist, weil man die gesehenen Szenen nur Emotionell aber nicht inhaltlich gross in einen Zusammenhang stellen kann usw. Dieser Logik entsprechend wäre Tarkowsky nämlich noch viel näher an der Grundidee des Filmes als die Hollywoodfilme, die abgesehen von der Unterhaltung einem am Schluss noch die Message aufs Aufe drücken.

Bei der Avant-Garde-Idee sind mir grad folgende Filme einfefallen, die ich dort auch vorgeschlagen hab:
Stalker oder Der Spiegel von Andrej Tarkowsky
Songs From The Second Floor von Roy Anderson
Brodre oder Open Hearts von Susanne Bier
Grave of the Fireflies von Isao Takahata
When The Wind Blows von Jimmy Murakami
Persona von Ingmar Bergman
Die Bad von Seung wan Ryoo

die Filme sind zwar nicht avant-garde, aber der Begriff ist ja wie gesagt nicht so eng gefasst. Ich finde sie passend, weil sie eben eine andere Form der Unterhaltung bieten als nur oberflächliche Action (ok, zumindest die meisten davon). Die Unterhaltung entsteht aber auch hier bei allen grösstenteils durch das Erlebnis, und keiner davon will eine Abstrakte Message ausdrücken, ohne die der Film nichts wert ist.
 
AW:

Hallo nochmal,

ich bin von dieser Diskussion hier gerade ziemlich angetan und wollte euch bitten, diese doch auch parralel in den Blog Kommentaren von www.ws-avantgarde.de zu posten. Dazu müsst ihr euch auch nicht anmelden.

Wenn ihr darauf keine Lust habt, verstehe ich das zwar ... aber es wäre sehr schade. Da hier wirklich gute und Grundlegende Dinge angesprochen werden.
 
AW:

FabianHuebner am 04.03.2008 20:45 schrieb:
Hallo nochmal,

ich bin von dieser Diskussion hier gerade ziemlich angetan und wollte euch bitten, diese doch auch parralel in den Blog Kommentaren von www.ws-avantgarde.de zu posten. Dazu müsst ihr euch auch nicht anmelden.

Wenn ihr darauf keine Lust habt, verstehe ich das zwar ... aber es wäre sehr schade. Da hier wirklich gute und Grundlegende Dinge angesprochen werden.

das würde ich schon machen, die anderen müssen aber anfangen ;)

Wie muss ich mir deinen Job eigentlich vorstellen? Du darfst fast den ganzen Tag lang interessante Filme schauen? Brauchste noch jemanden der dir dabei den Nacken massiert oder für dich schaut wenn du mal keinen Bock hast? :)
 
AW:

Ganz so einfach ist es leider nicht. Eher eine Mischung aus langjähriger Filmpassion gepaart mit unendlich vielen schlaflosen Nächten Arbeit. ;)
 
AW:

NuBeOrNotNuBe am 04.03.2008 20:36 schrieb:
Wolfner am 04.03.2008 19:24 schrieb:
Für mich ist die Grundidee oder sagen wir lieber das Grundmotiv des Films zuerst zu Unterhalten und ein Erlebnis zu vermitteln und dann erst Botschaften rüberzubringen.

Also mal grundsätzlich hat der Film überhaupt keine Grundidee oder Motiv sondern ist einfach ein Medium, dass im Rahmen seiner Möglichkeiten genutzt werden kann.

Wenn du mit der Einstellung einen Film schaust, dass du Unterhalten werden willst, und dabei (das nehme ich jetzt einfach mal nach deinem Post an) dich an deine nur-die-unterhaltungsmuster-die-ich-kenne-sind-unterhaltung festklammerst, dann wundert es mich kein Bisschen hast du Mühe mit dieser Art von Film.

Mir ist auch klar, dass es nicht ganz einfach ist sich auf langsame Filme einzulassen, wenn man tagtäglich mit schnellerzählten Clippigen Filmen zugedröhnt wird. Allerdings muss man halt solche Filme ganz anders schauen als auf die Art und weise, wie es uns Hollywood gelernt hat.

Was mich an deinem Post eigentlich stört ist, dass ich eben nicht finde, die Filme zu intellektuell sind. Ich bin von Stalker absolut begeistert, aber nicht weil ich durch ihn die super Oberbotschaft erhalten habe, sondern weil das Filmerlebnis (auf das du ja so wild bist) einfach der Hammer war. Der langsame Rhytmus, die wunderbaren Bilder, die ständige subtile Spannung obwohl nie wirklich etwas passiert. Ein besseres Beispiel wäre wohl noch der Film "Der Spiegel" von Tarkowsky. Die grössten Regisseure erwähnen ihn immer wieder begeistert, gestehen aber auch im gleichen Satz meistens, dass sie keinen Meter von dem Film geschnallt haben. Das liegt wohl daran, dass das Erlebnis des Film einfach so eindrücklich ist, weil man die gesehenen Szenen nur Emotionell aber nicht inhaltlich gross in einen Zusammenhang stellen kann usw. Dieser Logik entsprechend wäre Tarkowsky nämlich noch viel näher an der Grundidee des Filmes als die Hollywoodfilme, die abgesehen von der Unterhaltung einem am Schluss noch die Message aufs Aufe drücken.

Bei der Avant-Garde-Idee sind mir grad folgende Filme einfefallen, die ich dort auch vorgeschlagen hab:
Stalker oder Der Spiegel von Andrej Tarkowsky
Songs From The Second Floor von Roy Anderson
Brodre oder Open Hearts von Susanne Bier
Grave of the Fireflies von Isao Takahata
When The Wind Blows von Jimmy Murakami
Persona von Ingmar Bergman
Die Bad von Seung wan Ryoo

die Filme sind zwar nicht avant-garde, aber der Begriff ist ja wie gesagt nicht so eng gefasst. Ich finde sie passend, weil sie eben eine andere Form der Unterhaltung bieten als nur oberflächliche Action (ok, zumindest die meisten davon). Die Unterhaltung entsteht aber auch hier bei allen grösstenteils durch das Erlebnis, und keiner davon will eine Abstrakte Message ausdrücken, ohne die der Film nichts wert ist.

Vielleicht befindet sich das Empfinden eines Erzählrythmuses schon auf einer etwas zu individuellen Ebene. Man sollte ja überall das richtige Maß finden, nur leider ist das eben auch eine sehr persönliche Sache. Es sind eher die Extremen die mir bitter aufstoßen. Natürlich ist es auch wieder nur ein individuelles Empfinden, was nun Extreme ist und was nicht, aber nehmen wir einfach mal wieder Stalker als Beispiel:
Die Szene als die Gruppe mit diesem kleinen Schienenwagen in die Zone fährt. Stilistisch ist das durchaus anspruchsvoll. Vor allem der Wechsel einer s/w Welt in eine farbige gibt sehr viel her. Aber auch Dinge die im Anschluss daran direkt den Unterschied zur vorhergehenden Umgebung beschreiben (die Zweiseitigkeit aller Dinge in der Zone bspw. wie die Blumen die blühen aber nicht duften). Alles sehr schön, aber, meiner Meinung nach steht die Anzahl der rübergebrachten Aspekte in keiner Relation mit der Szenenlänge. Das meine ich mit langatmig und deswegen nagt der Film ab und zu auch an meiner Geduld.
Er hat sicher auch seine Höhen. Zum Beispiel der Fleischwolf oder der Raum mit den Sandhaufen dahinter. Das sind Dinge die sehe ich mir ehrlichgesagt sehr gerne an.

Ein Film der zwar auch einen sehr langsamen Erzählstil hat, aber trotzdem nicht langatmig erscheint ist meiner Meinung nach Rashomon. Gefällt mir auch sehr...
 
AW:

Wolfner am 04.03.2008 22:00 schrieb:
Vielleicht befindet sich das Empfinden eines Erzählrythmuses schon auf einer etwas zu individuellen Ebene. Man sollte ja überall das richtige Maß finden, nur leider ist das eben auch eine sehr persönliche Sache. Es sind eher die Extremen die mir bitter aufstoßen. Natürlich ist es auch wieder nur ein individuelles Empfinden, was nun Extreme ist und was nicht, aber nehmen wir einfach mal wieder Stalker als Beispiel:
Die Szene als die Gruppe mit diesem kleinen Schienenwagen in die Zone fährt. Stilistisch ist das durchaus anspruchsvoll. Vor allem der Wechsel einer s/w Welt in eine farbige gibt sehr viel her. Aber auch Dinge die im Anschluss daran direkt den Unterschied zur vorhergehenden Umgebung beschreiben (die Zweiseitigkeit aller Dinge in der Zone bspw. wie die Blumen die blühen aber nicht duften). Alles sehr schön, aber, meiner Meinung nach steht die Anzahl der rübergebrachten Aspekte in keiner Relation mit der Szenenlänge. Das meine ich mit langatmig und deswegen nagt der Film ab und zu auch an meiner Geduld.
Er hat sicher auch seine Höhen. Zum Beispiel der Fleischwolf oder der Raum mit den Sandhaufen dahinter. Das sind Dinge die sehe ich mir ehrlichgesagt sehr gerne an.

Ein Film der zwar auch einen sehr langsamen Erzählstil hat, aber trotzdem nicht langatmig erscheint ist meiner Meinung nach Rashomon. Gefällt mir auch sehr...

Ich muss leider gestehen, dass es bereits ein paar Jahre zurück liegt und ich mich nicht mehr gross an den Inhalt des Filmes erinnern kann. Was mir eben geblieben ist ist das Filmerlebnis und ich war echt überwältig davon. Hing sicher auch damit zusammen, dass ich die Gelegenheit hatte, eine 35mm Projektion auf Grossleinwand zu sehen, was die Bildwirkung sicher noch einmal verstärkt.

Mir fällt halt nur auf, dass heutzutage viele sagen, ein Film in dem nichts passiert sei langweilig. Dabei ist ihnen garnicht aufgefallen, was für hochdramatische Szenen sich zwischen den Charakteren abgespielt haben. Dies wohl nur, weil (jetzt mal ganz plump oberflächlich ausgedrückt) im nicht Mainstream Film halt nicht gesagt wird "ich hasse dich" sondern halt subtil mit Blicken und kleinen Verhaltensänderungen etc. das gleiche viel authentischer dargestellt wird, aber halt nicht so offensichtlich. Dass auf solche Sachen nicht mehr geachtet wird, ist (reine Vermutung) wohl auch darin begründet, dass man durch die vielen actionorientieren Filmen halt nicht weiss, auf was man achten muss, bzw. wie man ihn schauen muss, damit er einem unterhält.

So ist halt auch immer das Vorwissen wichtig, das man in einen Film mitbringt. Ich habe You the Living von Roy Anderson mal als Ersatzfilm gesehen und war nicht darauf eingestellt und im ersten Moment nicht sonderlich angetan. Als ich dann später Songs from the Second Floor von ihm gesehen habe, war ich darauf eingestellt und konnte ihn völlig geniessen und war begeistert (beide Filme sind ähnlich vom Aufbau/Stil). Die Art Film wie sie bei uns populär ist, ist halt unter diesem Gesichtspunkt auch ein Extrem. Dieses ist uns jedoch sehr geläufig und wir kennen alle Erzählregeln in und auswendig und darum sind sie leicht zu verstehen (mal abgesehen davon, dass sie sowieso darauf ausgerichtet sind leicht verstanden zu werden).

Bein anderen Arten von Film verhält es sich jedoch gleich. Hat man sich ers einmal etwas hineingesehen, so fällt es einem immer leichter solche Filme zu geniessen.

Naja, unterm Strich spielen natürlich auch noch einige andere Faktoren wie Vorliebe, individuelle Voraussetzungen usw mit und ich Unterstreiche eigentlich nur deine Aussage, dass Extreme nur im Auge des Betrachters liegen bzw. dem Punkt, den man als Normal definiert.

Ich bin wie gesagt auch der Meinung, dass das Filmerleben im Vordergrund steht und nicht eine Message. Fast jede Message wurde ja auch schon irgendwie zigmal gebracht. Darum ist ja das WIE die Message rübergebracht wird entscheidend, und ich bin von den immergleichen Erzählweisen des bei uns gängigen Films schon ziemlich angeödet und die "avant-garde" hat daher bei mir schon ein Stein im Brett, da sie es anders macht als die anderen.
 
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