Wolfner am 04.03.2008 19:24 schrieb:
Für mich ist die Grundidee oder sagen wir lieber das Grundmotiv des Films zuerst zu Unterhalten und ein Erlebnis zu vermitteln und dann erst Botschaften rüberzubringen.
Also mal grundsätzlich hat der Film überhaupt keine Grundidee oder Motiv sondern ist einfach ein Medium, dass im Rahmen seiner Möglichkeiten genutzt werden kann.
Wenn du mit der Einstellung einen Film schaust, dass du Unterhalten werden willst, und dabei (das nehme ich jetzt einfach mal nach deinem Post an) dich an deine nur-die-unterhaltungsmuster-die-ich-kenne-sind-unterhaltung festklammerst, dann wundert es mich kein Bisschen hast du Mühe mit dieser Art von Film.
Mir ist auch klar, dass es nicht ganz einfach ist sich auf langsame Filme einzulassen, wenn man tagtäglich mit schnellerzählten Clippigen Filmen zugedröhnt wird. Allerdings muss man halt solche Filme ganz anders schauen als auf die Art und weise, wie es uns Hollywood gelernt hat.
Was mich an deinem Post eigentlich stört ist, dass ich eben nicht finde, die Filme zu intellektuell sind. Ich bin von Stalker absolut begeistert, aber nicht weil ich durch ihn die super Oberbotschaft erhalten habe, sondern weil das Filmerlebnis (auf das du ja so wild bist) einfach der Hammer war. Der langsame Rhytmus, die wunderbaren Bilder, die ständige subtile Spannung obwohl nie wirklich etwas passiert. Ein besseres Beispiel wäre wohl noch der Film "Der Spiegel" von Tarkowsky. Die grössten Regisseure erwähnen ihn immer wieder begeistert, gestehen aber auch im gleichen Satz meistens, dass sie keinen Meter von dem Film geschnallt haben. Das liegt wohl daran, dass das Erlebnis des Film einfach so eindrücklich ist, weil man die gesehenen Szenen nur Emotionell aber nicht inhaltlich gross in einen Zusammenhang stellen kann usw. Dieser Logik entsprechend wäre Tarkowsky nämlich noch viel näher an der Grundidee des Filmes als die Hollywoodfilme, die abgesehen von der Unterhaltung einem am Schluss noch die Message aufs Aufe drücken.
Bei der Avant-Garde-Idee sind mir grad folgende Filme einfefallen, die ich dort auch vorgeschlagen hab:
Stalker oder Der Spiegel von Andrej Tarkowsky
Songs From The Second Floor von Roy Anderson
Brodre oder Open Hearts von Susanne Bier
Grave of the Fireflies von Isao Takahata
When The Wind Blows von Jimmy Murakami
Persona von Ingmar Bergman
Die Bad von Seung wan Ryoo
die Filme sind zwar nicht avant-garde, aber der Begriff ist ja wie gesagt nicht so eng gefasst. Ich finde sie passend, weil sie eben eine andere Form der Unterhaltung bieten als nur oberflächliche Action (ok, zumindest die meisten davon). Die Unterhaltung entsteht aber auch hier bei allen grösstenteils durch das Erlebnis, und keiner davon will eine Abstrakte Message ausdrücken, ohne die der Film nichts wert ist.