Aktuell sind viele es gewohnt nur noch zu streamen, bzw. Software und Medien nur noch digital zu besitzen.
Das ganze ist aber auch relativ neu und erst wenn große Plattformen irgendwann zumachen, egal aus welchen Gründen und sich kein Betreiber findet, der für Millionen von Bestandskunden ihre digitalen Inhalte für lau bereitstellt, dürfte es interessant werden.
Mit einer digitalen Lizenz entfällt der Erschöpfungsgrundsatz, wenn mich DRM am lokalen Speichern und Verwenden hindert. Auch das Thema Erbschaft kommt hier rein. Es gibt nicht unwesentlich große Sammlungen an Musik, Filmen und Spielen, um die vor US-Gerichten schon gestritten wird.
Verstirbt das Familienmitglied, auf dessen Account sich z. B. ein großes digitales Musikarchiv befindet, erlischt das Nutzungsrecht mit Lebzeitende und der Rest der Familie darf alles neu kaufen.
Ja, aber mit Streaming wäre das ja kein Problem, argumentieren viele. Tja, nur wird nicht alles, überall zu jeder Zeit gestreamed. So manche Serie verschwindet nach Ende der Lizenszeit bei Streamingplattformen und kehrt nicht unbedingt wieder. Hinzu kommt die Fragmentierung, die zu mehreren Abos zwingt, je nachdem was man möchte. Bei einem Musikdienst undenkbar, bei Film und Serie leider Standard.
Schlimmer ist die nachträgliche Veränderung von Medien. Wichtiges Beispiel die Serie "Scrubs - Die Anfänger". Nur die DVD-Edition enthält die gleiche Musik, wie die ausgestrahlte Fernsehversion. Für Streaming gab es nie eine Lizenz, wodurch viele Musikstücke gegen andere ausgetauscht wurden. Wir sprechen hier nicht über die Titelmelodie etc. sondern die Lieder, die in vielen Szenen liefen und sehr passend ausgewählt waren. Besonders bei Scrubs war das ein starkes dramatisches Element.
Spieler der alten Stunden kennen das Problem schon viel länger.
2004 endete die goldene Ära der PC Big Box Spiele zugunsten der EU-Paletten-freundlichen DVD-Verpackung. Bis auf wenige Ausnahmen erschien alles nur noch in einfacher Hülle, zuletzt maximal mit einem Papiereinleger.
Was sich heute Collectors Edition nennt, war früher nicht weit vom Standard. Regaltaugliche Verpackung, Handbuch mit Mehrwert, Landkarte oder Poster, paar Gimmicks, etc.) Kein Wunder, dass es dafür heute einen wachsenden Fankreis von Sammlern gibt. Für die DVD-Grabbeltischware nicht.
Das Schlimme aber ist, dass nachweislich der Großteil aller bisher veröffentlichten Spiele nicht mehr offiziell vertrieben wird.
New study reveals most classic video games are completely unavailable
gamehistory.org
Dies führt zunehmend zu verrückten Situationen:
https://www.pcgamer.com/games/actio...because-well-it-doesnt-exist-in-game-anymore/
Naja, wer will schon alte Spiele spielen, denkt sich mancher. Gilt das auch für Filme? Musik? Bücher? Es ist ein Medium, wie jedes andere.
Sicher ist es aufwendig und platzraubend eine Mediensammlung zu besitzen. Aber es gibt eben viele Vorteile.
- Schallplatten und Filme konnte man auch lokal in der Bücherei ausleihen, auch als Minderjähriger und für kleines Geld.
- Gebrauchte Datenträger konnten verliehen oder verkauft werden und natürlich konnte man sich mit neuen Inhalten ebenfalls günstig auf dem Gebrauchtmarkt eindecken.
- Das Abspielgerät konnte selbst gewählt werden.
- Die private Kopie, die noch aus analogen Zeiten ihre rechtliche Daseinsberechtigung erkämpft hatte, erlaubte es z. B. Inhalte parallel im Auto, Ferienhaus etc. zu nutzen. Der starke Qualitätsverlust beim Kopieren analoger Inhalte und die Abnutzung von magnetischen Datenträgern wie Kassettten und Disketten schränkte die Verbreitung automatisch ein. Auch stammt die Urheberrechtsabgabe aus dieserZeit. Noch heute bekommt die Gema ihren Anteil für jeden verkauften Datenträger vom USB-Stick bis zur Festplatte, Computer, Smartphone, videofähige Kamera, etc. selbst wenn darauf nie etwas kopiert wird. Wie auch, wenn viele nur streamen. Keine zu vernachlässigenden Summen: https://de.wikipedia.org/wiki/Pauschalabgabe
- Seit 2022 wird auch versucht Clouddienste mit dieser Abgabe zu belegen. Also Mehrkosten für Nutzer von Cloudspeichern, die häufig nur private Fotos und Unterlagen/Rechnungen darauf archivieren.
Fakt ist: Mit dem Verschwinden von Datenträgern wird auch das Eigentumsrecht und der Erschöpfungsgrundsatz ausgehebelt. Was nicht auf digitalen Plattformen verfügbar ist, existiert faktisch nicht für die Mehrheit der Bevölkerung, die sich nicht auf Umwegen zu helfen weiß. Damit wird einer Form von Zensur Tür und Tor geöffnet, die sich stets lapidar mit "wirtschaftlichen Argumenten" verharmlosen lässt.
Für Spiele, Filme und Musik istz es bald zu spät. Für Bücher hat es gerade erst begonnen.
Da wird auch schon mal ein Titel nicht nur aus dem Angbeot, sondern auch aus dem Nutzeraccount entfernt.
Amazon löscht Eigentum seiner Kunden: Ausgerechnet die Orwell-Bücher "1984" und "Farm der Tiere" verschwanden aus dem Speicher von Kindle-Lesegeräten, obwohl deren Besitzer sie gekauft und bezahlt hatten. Ein Lehrstück über Macht und Rechte im Zeitalter totaler Vernetzung.
www.spiegel.de
Die Möglichkeit für lokale Backups wird auch genommen:
You can no longer keep your Amazon eBooks on your storage drive.
www.makeuseof.com
Unsere Kinder werden irgendwann nur noch das lesen, hören und spielen, was Konzerne und reingrätschende politische Parteien als richtig erachten und auch das Wissen darüber, wie Inhalte lokal gespeichert werden wird in weiten Teilen verloren gehen. Wer heute mit Anfang 20 ins Berufsleben einsteigt, hat vielleicht noch nie eine CD oder DVD gebrannt und noch nie eine Diskette oder Kassette genutzt.
Ein modernes PC-Gehäuse besitzt häufig nicht mal mehr Schächte für ein Wechseldatenträgerlaufwerk, bei Notebooks verschwand es schon vor Jahren.
Oder diese Webseite. Wie viel Wissen wird inzwischen nur noch online publiziert und ist von einem Tag auf den anderen verschwunden. Von nachträglichen Änderungen ganz zu schweigen.
Ein schleichender Prozess mit dem die Verfügungsgewalt einer Gesellschaft über die eigenen kulturellen Schöpfungen und festgehaltenes Wissen in die Hände weniger gelegt wird.
Die Folgen lassen sich aus der Geschichte ableiten, wie beim Verbot des Buchdrucks. Im Osmanischen Reich war es 1483 bis 1727 verboten in arabischer Sprache zu drucken, was auch den Druck nichtreligiöser Werke einschloss. Die Analphabetenquote und die geringe Zahl von Veröffentlichungen ist bis heute eine Spätfolge im gesamten arabischen Raum. Die katholische Kirche nutzte ebenfalls Verbote von Büchern, insbesondere im Zusammenhang mit der Reformation und der Gegenreformation, um die Verbreitung "hässlicher" oder "gefährlicher" Ideen zu verhindern.
Schön, dass es auch etwas Besinnung gibt.
- Heute werden mehr Schallplatten vertrieben als CDs.
- Polaroid und Fujifilm haben Instant-Kameras wiederbelebt.
- Es gilt wieder als persönlich Briefe von Hand und auf Schreibmaschine zu schreiben (letztere werden auch wieder hergestellt und vertrieben)
Jede Generation möchte sich von der vorherigen abheben. Vielleicht gilt ein "Original" bald wieder sehr viel mehr, wenn fast alles nur noch Kopie oder eine von einer KI erstellte Variante ist.