Mir tut es ja Leid für die Läden, aber sie können mit dem digitalen Markt einfach nicht mithalten.
Ich bin eigentlich ein recht seltsamer Mensch. Ich kaufe das dutzend Eier für Euro 3,60 vom Bauern, weil ich Angst vor Eiern habe, die pro Stück 12 Cent kosten. Da kann was nicht stimmen. Und so ein Bauer soll ja auch leben können. Die Friseuse bekommt auch immer 3 Euro Trinkgeld von mir, denn bei 10 Euro für nen Haarschnitt, habe ich Angst, dass die Dame ohne Abendbrot ins Bett muss. Aber bei PC-Spielen... Da hört es langsam auf. Nicht, weil ich Publishern, Entwicklern und Händlern ihren Verdienst nicht gönne. Sondern deshalb, weil es in dem Bereich einfach zu extrem ist.
Nehmen wir mal Tomb Raider. Ich hätte mich in den Arsch gebissen, hätte ich es für 50 Euro aus dem sympathischen, kleinen Spieleladen um die Ecke geholt (gibts den noch? Ich sehe nurnoch Gamestop

), nur um es 4 Monate nach Release für 12,50 auf Steam zu sehen. Das ist ein Preisunterschied, der einfach weh tut. Das geht nicht. Da MUSS man fast schon die paar Wochen auf den Sale-Preis bei Steam warten. Da ist meine persönliche "Leben und leben lassen"-Grenze überschritten.
Klar, irgendwann wird der Tag kommen, an dem der lokale Händler den Preis mitgeht. Und zwar dann, wenn sich kein Schwein mehr für Tomb Raider interessiert und er seine Restposten aus den Regalen haben will. Dann bei ihm zu kaufen, hilft ihm aber auch nicht, da er dabei nämlich Verlust macht. Nicht nett. Er hat nämlich keinen "flexiblen Einkaufspreis". Steam (mal plump ausgedrückt) aber schon. Zudem weiß man nicht, ob der lokale Händler den gewünschten Titel überhaupt noch hat. Steam hat immer alles.
Es geht einfach nicht. Es tut mir Leid um die Händler. Früher habe ich gerne meine Zeit in Läden verbracht, in denen man noch ne Runde Tekken gegen den Chef gespielt hat... Natürlich die japanische Version auf der privaten Import-Playstation des Ladeninhabers

Cool war auch, dass er die Gebrauchtspiele mal eben ins Laufwerk geschmissen hat, um einem zu zeigen, dass die CD noch funzt. er hat sogar gewissenhaft auf angerissene, verdreckte oder geknickte Seiten im Handbuch hingewiesen. Lustig schon der Gedanke, dass er diese Macken überhaupt kannte. Auch Empfehlungen gab es da mal. Man kannte schließlich seine Kunden, deren Spielesammlung und ihren Geschmack.
Heute? Unvorstellbar... Die pickeligen Praktikanten (zumindest denke ich das es Praktikanten sind, da sie alle aussehen wie 14) bei Gamestop und co, sind ja schon mit einem freundlichen "Hallo" überfordert und schauen sich bei jeglichem Kundenkontakt hilflos um. Bloß keine Fragen stellen. Geht schief. Lieber selbst probieren und im Zweifelsfall zurückbringen. Ist leichter

Und selbst wenn mal einer von den 20-jährigen ... öhm.. Chefs? Ach, egal... Selbst wenn mal ein volljähriger Verkäufer greifbar ist, sollte man seine Fragen für sich behalten. Die haben nämlich in den Jahren gelernt, irgendwelchen Blödsinn zu antworten, obwohl sie eigentlich auch keine Ahnung haben. Einfach in Ruhe lassen, die Jungs. Die können ja auch nichts dafür...
Retail ist tot. Steam hat die Preise kaputt gemacht und das schmale Budget der Personalabteilung, hat die Beratung gekillt. Ich zahle nicht das vierfache, nur um von einem Kassentipper-Zombie ängstlich angestarrt zu werden. Sorry.