Überall findet man die gleichen Meinungen: Steam ist eine Frechheit, Steam ist der letzte Scheiß, etc.
Wieso eigentlich? Ich möchte hier einmal eine Lanze für den Onlinedienst Steam brechen. Was Valve damit gemacht hat, ist in vielerlei Hinsicht ein genialer Lösungsansatz, der eigentlich honoriert werden sollte. Dafür gibt es in meinen Augen auch mehrere Gründe, die ich mir erlaube, kurz darzulegen:
1. Steam als Vertriebsweg
Valve macht eigentlich nichts anderes als Electronic Arts bereits vor vielen Jahren mit dem Add-On zu Wing Commander - Prophecy getan hat. Es testet das Internet als Vertriebsplattform für Software. Das ist meiner Meinung nach mehr als legitim. Damals hat sich kein Mensch darüber beschwert, dass es das Spiel nur als Download (und später als Teil der amerikanischen Gold-Edition von Prophecy) zu kaufen gab. Half-Life 2 konnte man trotzdem als normale Retail-Fassung im Laden kaufen - wo liegt also das Problem? Ich kann Vivendi`s Ärger verstehen, denn dem Publisher entgeht durch den alternativen Vertrieb ein Teil der Umsätze, aber dem Endverbraucher kann es doch ziemlich egal sein, auf welche Weise man ein Spiel kauft. Als Sammler kommt für mich eh nur die Retail-Fassung in Frage, aber wer einfach nur bequem das Spiel spielen möchte soll es sich halt runterladen. Dank Kreditkartenzahlung die einfachste und bequemste Sache der Welt. Schade ist nur, dass es die Inhalte der Gold-Fassung nicht in dieser Form in die Collector`s Edition geschafft haben - das wäre imho schon angebracht gewesen, zumal sich diese beiden Fassungen preislich ähneln. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist die ganze Sache genial, weil Valve dadurch wesentlich mehr vom Kuchen abbekommt, selbst wenn wesentlich weniger Versionen als Download gekauft werden als im Laden. Wenn man mal die ganzen Margen von Groß- und Einzelhandel, Publisher etc. wegrechnet, dann bleibt dem Entwickler pro Spiel ja gerade mal ein 10er übrig. So landet das Geld für die erbrachte Leistung wenigstens dort, wo es hin soll.
2. Registrierungszwang
Noch so ein Aufreger, der mir nicht einleuchten will. Wo bitte ist das Problem, wenn man sich vor dem Spiel irgendwo registrieren soll? Für jedes Forum muss ich mich anmelden, bei Ebay auch, auf jeden Form- und Gewinnspielblatt gebe ich meine persönlichen Daten - also was juckt es mich, wenn Valve die Daten auch noch hat? Außerdem kann man so einem Großteil der Raubkopierer einen Riegel vorschieben. Mir ist klar, dass das Game trotzdem sicherlich irgendwie kopiert und gecrackt werden wird, aber immerhin scheinbar schwieriger als Laserlok oder Securom-geschützte Spiele.
3. Zwingende Internetverbindung
Stört mich nicht im geringsten, wie wahrscheinlich, wenn man ehrlich ist, 99,7% der restlichen Weltbevölkerung auch nicht. Als Vertriebsingenieur komme ich sehr viel rum in der Welt und quasi jeder, der sich auch ein Computerspiel kauft, verfügt über einen Internetanschluss, egal ob in Europa, Nord- oder Südamerika, Asien oder Afrika. Wer heute noch keinen I-Net-Anschluss hat, hat doch sowieso irgendwas falsch gemacht. Und wenn mir jetzt wieder einer kommt, dass die Eltern keinen Anschluss im Kinderzimmer erlauben, der sollte das Spiel eh nicht spielen, denn das ist sowieso erst ab 18. Damit gilt man, soweit ich weiß, in den meisten Kulturkreisen als volljährig und kann doch in Gottes Namen selbst darüber entscheiden, ob man einen Telefonanschluss haben will oder nicht. Dass es Anfangs technische Probleme bei der Freischaltung gab - Schwamm drüber - ich hab die europäische Collector`s Edition knapp zwei Wochen nach dem Release erhalten, installiert und binnen einer halben Minute war das ganze Registrierungs- und Freischaltprozedere erledigt. Wozu also die Aufregung? Da hat man über ein Jahr auf den Release des Spiels gewartet (ursprünglich sollte es mal am 31.10.2003 erscheinen) - dann sind doch drei oder vier Stunden mehr total egal.
4. Automatische Updates
Es gibt doch nichts praktischeres, oder? Nie mehr Patches suchen - ein Traum. Gut, sowas wie bei "Neverwinter Nights" oder "Knights of the Old Republic" hätte es auch getan, aber wenn es das Programm automatisch übernimmt - warum nicht? Wenn ich mir dann auch noch überlege, dass 80% aller Leute überhaupt nicht wissen, was ein Patch oder Update ist (immerhin verkauft ein Noob-Magazin wie Computerbild Spiele pro Monat in etwa genauso viel Exemplare wie ein Gamestar, eine PC Games und eine PC Powerplay zusammen), dann spreche ich hier von vorbildlichem Kundensupport und keinesfalls von einer Zumutung.
5. Spionage in der Privatsphäre
Am meisten gehen mir die ewigen Konspirationstheoretiker auf die Nerven. Valve spioniert mich aus, Valve prüft, was ich alles auf der Festplatte habe... Na und? Genau dasselbe machen doch der Staat, die Banken bei der Schufaprüfung oder potenzielle Arbeitgeber in der einen oder anderen Form auch. Meinungsumfrageinstitute rufen täglich 2x an und fragen, ob ich ein paar Fragen beantworten könnte, Post und Telekom verkaufen meine Adressdaten - 1984 ist längst Realität, da brauchen wir uns nix vorzumachen. Ich mach nix Verbotenes, verwende keine Raubkopien und bin auch sonst an keiner illegalen Aktivität beteiligt - da ist es mir doch schnurz, ob Valve mal kurz meine Rechnerkonfiguration scannen kann oder nicht. Microsoft macht das auch und wissen Sie was? Es ist mir...wurscht.
Man kann Grundsätzlich aus allen Mücken einen Elefanten machen, aber die Aufregung um Steam ist total lächerlich. Es tut niemandem weh, hat zahlreiche nützliche Vorteile und beeinflusst das Weiterleben in keinster Weise. Freuen wir uns, dass das Spiel so schön geworden ist und hören wir auf, völlig unnötigen Dampf abzulassen...
Selten so einen Schwachsinn gelesen. Das Internet ist doch immer wieder für eine Lachnummer gut.