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hifumi

Dishonored

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von am 14.10.2012 um 10:41 (1251 Hits)
Ich muss ja gestehn: Bis vor ein paar Tagen wusste ich nicht worum es in Dishonored eigentlich geht weil mich das Titelbild immer abgeschreckt hat. Ich nehme an die Maske hat mich unterschwellig an den Rapper Sido erinnert. Jedenfalls habe ich die ganze Zeit angenommen es handele sich hierbei um ein “Rapper Spiel”. Ihr wisst schon, so Spiele wie 50cent Blood in the Sand oder… Parappa the Rapper? Gut, es ist ein blöder Gedanke, aber für alle die die gleichen Zweifel hegen sollten ganz explizit: Bei Dishonored handelt es sich nicht um ein Rapper Spiel!

Die erste Kombination zu einem in der Gegend herumliegenden Safe lautete 451. Wer sich ein wenig mit Spielen auskennt, dem wird diese Kleinigkeit viel darüber sagen von welchem Schlag Dishonored ist.
Die 451, in Anspielung auf Fahrenheit 451, tauchte als erste einzugebende Zahlenkombination schon auf in System Shock 1 und 2, Deus Ex (und Human Revolution), sowie in Bioshock. Ganz ähnlich wie in diesen fünf Spielen liegt auch bei Dishonored der Focus auf spielerischer Freiheit und unterschiedlichen Herangehensweisen. Im Spielverlauf schaltet man eine Reihe an Fertigkeiten frei mit denen man sich, grob gesagt, entweder durchmetzelt oder durchschleicht, oder eine Kombination aus beidem.

Vergleiche wurden oft gezogen zur Thief Reihe, nicht zuletzt wohl aufgrund des Steampunk-ähnlichen Settings in Verbindung mit Schleich-Elementen. In der Tat ist, ähnlich wie bei Thief, der Grad technologischen Fortschritts in Dishonored ein wenig unberechenbar. Auch wenn vieles zunächst an das späte 18. Jahrhundert erinnert, gibt es dennoch auch Radios, Scheinwerfer, sich drehende Geschütztürme und viele andere Strukturen die auf starke Industrialisierung hindeuten. Wobei die Technologie an sich hier lang nicht so stark im Mittelpunkt der Handlung steht wie etwa die Mechanisten in Thief.
Abgesehn davon gibt es in der pestgeplagten Stadt Dunwall auch immer mal wieder Metallbarrieren zu Quarantänezwecken die einen starken City 17 Vibe haben, und überhaupt kommt die Atmosphäre zum Teil sehr dicht an die ersten Kapitel aus Half-Life 2 heran. Ein originelles und gut ausgearbeitetes Setting hat das Spiel auf jeden Fall.

Bruder im Geiste: Human Revolution

Wenn auch das Setting sich stark unterscheiden mag, das gameplaytechnisch ähnlichste Spiel dürfte Deus Ex Human Revolution sein. Im Gegensatz zu HR besitzt Dishonored ein weniger schemahaftes Leveldesign. Selbiges grenzte im dritten Deus Ex Teil mitunter ans Lächerliche, wenn sich mit zwangsläufiger Sicherheit überall Lüftungsschächte finden liessen durch die man alle Hindernisse umgehen konnte. Dishonored wirkt im Vergleich wesentlich organischer und weniger vorhersehbar. Wo sich das Spiel allerdings nicht sehr von Human Revolution unterscheidet ist in der hohen Effektivität von Hit & Run Attacken. (Zugegeben: In HR hat das ebenfalls oft albern gewirkt, wenn die Gegner ständig wie vor den Kopf gestoßen waren wenn Jensen in einem Lüftungsschacht verschwunden ist. Anstatt mal eine Granate hinterher zu werfen…)
In Dishonored gibt es kaum Lüftungsschächte, dafür teleportiert sich der Protagonist Corvo mal eben auf eine 5 Meter hohe Mauer, oder springt dank Upgrade direkt nach oben. Im Gegensatz zu Assassin’s Creed kraxeln die Gegner natürlich nicht hinterher, feuern dafür aber mit ihren Pistolen, so sie welche haben, oder werfen zur Not mit Steinen. Dennoch ist es ein Leichtes für Corvo ausser Reichweite zu kommen und abzuwarten bis die Gegner ihn vergessen haben. Anders als im oben erwähnten Thief, wo es manchmal recht schwer sein kann Gegner abzuschütteln, ist es hier kaum tragisch entdeckt zu werden. Und je nach Schwierigkeitsgrad sowie gewählten Fertigkeiten und Upgrades ist es überhaupt kein Problem auch größere Ansammlungen von Gegnern aus dem Weg zu schaffen.

Warum also schleichen…?

Wo sich Human Revolution eines Tricks bediente und nicht-tödliche Vorgehensweisen mit mehr Erfahrungspunkten belohnte, macht Dishonored lediglich den Ausgang der Story davon abhängig, wieviel Unheil man in deren Verlauf anrichtet. Garnicht mal so abwegig, wenn man bedenkt, dass jede weitere Leiche Futter für die pestverseuchten Ratten der Stadt darstellt. Mitunter bekommt man das sogar ganz direkt zu sehen, denn hin und wieder kommt eine Horde Nager aus ihren Löchern und frisst einer herumliegenden Leiche (oder bewusstlosen Person) das Fleisch von den Knochen, was sicherlich zu den groteskeren Dingen zählt die man in Spielen so zu sehn bekommt.
Um aber zurück zu kommen auf die Schleichen/Kämpfen Problematik: Die Spielmechanik selbst gibt keinen Anreiz den oft schwierigeren Weg zu gehen und Gegner zu verschonen. Wem der Ausgang der Story egal, bzw. Pragmatismus wichtiger ist, der lockt ein halbes dutzend Gegner an, verschwindet durch ein Fenster und wirft eine Granate zurück.
Die Frage “Was, wenn der Spieler entdeckt wird?” ist wohl für jedes Stealth Spiel die schwierigste. In der Thief Reihe geht es meist darum sich irgendwie wieder in Sicherheit zu bringen, in Human Revolution liegt die Antwort wie üblich im Lüftungsschacht und in Dishonored heißt es entweder neu laden, wenn man einen perfekten Durchlauf vorhat (nach jeder Mission gibts ganz arcade-like Statistiken die Aufschluss darüber geben ob man entdeckt wurde), mal eben schnell abhauen oder den/die Gegner einfach umbringen. Letztere Option ist definitiv da, und falls man sich entschliesst das Weite zu suchen dann ist das auch kein größeres Unterfangen. Wer nach einem reinrassigen Stealth Game sucht wird bei Dishonored also vielleicht nicht enttäuscht, aber zumindest zur Selbstdisziplin gezwungen. Nicht zu vergessen, dass man bereits ziemlich zu Anfang die Fähigkeit bekommen kann Gegner durch Wände zu sehen, was der Spannung und dem Anspruch auch nicht gerade förderlich ist.
Alles in allem…

Um nicht zu sehr in’s Negative abzudriften: Das Spiel bietet auch die Möglichkeit, Objective Marker (und auch die “Warnsignale” über den Köpfen von verdacht schöpfenden Gegnern) in den Optionen abzuschalten. Der Spielzeit kommt das nur zugute, denn so muss man sich in den Leveln selbst orientieren und nach den Zielen suchen anstatt lediglich einem Marker hinterher zu rennen. Die nötigen Anweisungen lassen sich den Questtexten oder Umgebungen durchaus entnehmen. Und positiv zu erwähnen ist sicherlich auch, dass sich in Dishonored das Leben des Spielers nicht automatisch regeneriert. Gemachte Fehler verfolgen den Spieler also potentiell länger als nur für ein paar Sekunden. Auch Ressourcen wie Munition oder andere Gadgets sind nicht allzu großzügig gesäht, ein bisschen Vorausplanen ist also durchaus nötig.
Im Vergleich zu Human Revolution hat Dishonored, rein gameplaytechnisch in vielen belangen die Nase vorn. Kein monotones Minigame, besseres Leveldesign (wobei HR da keineswegs schlecht ist, vor allem die Hubs nicht. Aber… Lüftungsschächte…), der stärkere Focus auf Nahkampfwaffen kommt dieser Art von Gameplay auch entgegen und KI Schwächen kommen nicht so stark zum Vorschein.

Letztendlich hängt es also ganz davon ab wie man an das Spiel heran geht. Auf mittlerem Schwierigkeitsgrad, mit eingeschalteten Objective Markern etc. und einer kampfbasierten Auswahl an Fähigkeiten ist Dishonored kaum mehr als ein Bioshock mit schlechteren Dialogen. Mit der richtigen Einstellung (und damit meine ich sowohl die Optionen als auch die des Spielers selbst) hat man ein echt spannendes Stealth Game wie man sie eher selten erlebt.

(PS: Diesen Text gibts auch in einem Wordpress Blog unter Dishonored | machinocracy, zusammen mit einigen anderen Reviews oder Texten zu spielen. In den PC Games Blogbereich poste ich ihn lediglich als schamlose Werbemaßnahme.)
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